Briefe an August von Goethe.
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von Riemer abschreiben lassen und er ift allen Damenproduzirt worden; es war so ein hübscher Stil darin.Deinen Wechsel wirft Du von Bethmanns erhalten, aberohne allen Rabatt. Schreibe mir nur recht oft, auch wennich in Lauchftädt bin. Den 18. Juni gehe ich weg, dakannft Du die Briefe an die Doktor Buchholz adressiren.Sie grüßt Dich herzlich und wird bald antworten. Sie iftkrank gewesen aber wieder besser. Vom Theater grüßtDich alles besonders Deny, und wenn Du bald antworteft,so wirft Du einen rechten langen Brief erhalten. Ehrich weggeh, so schicke ich Dir auch alle Comödienzettel.Heß empfiehlt sich Dir noch herzlich, er ift doch nochabgegangen und Eberwein dirigirt itzo das ganze Wesenund es geht auch gut. Am ....(?) zu tanzen ift hiergar nicht zu denken. Nun bitte ich Dich, sei nur rechtfleißig, daß der Vater Freude an dir hat, und wirft Dichdann auch sehr freuen, wie gut er alles mit Dir vorhat.Denn er hat Dich sehr lieb, das habe ich erft recht gesehen,wie Du weg warft. Die erfte Zeit hat er faft nichtsgegessen. Sein einziger Wunsch ift nur, daß Du waslernen möchteft, und [das] hoffe ich von Dir. Leb wohlmein lieber Sohn.
Deine Dich liebende MutterGoethe.
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Jena den 29. Mai 1808.
Lieber Auguft!
Wie gehtDir’s denn, in dem Heidelberger Fasse? — Ichbin nun schon seit 16 Tagen hier in Jena, wo man feinenStudenten-Zuwachs erhalten hat, und darüber froh ift, so
daß man jetzt 426 Mann zählt.
Dein Vater befindet sich wohl im Carlsbade, in allerRuhe und Bequemlichkeit, so lange, bis der Herzog dahinkömmt. — In banger Erwartung der Dinge die da kommensollen, leben wir immer noch dahin, und wissen nicht, waswir denken und sagen sollen. Gott schütze uns! Die Buch-händler klagen sehr! Das geht mir auch an’s Herz.