Jahrgang 
10 (1889)
Seite
170
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Abhandlungen.

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treter der lutherischen Rechtgläubigkeit (wie Fresenius)aber durchweg einen pietistischen Anflug hatten. Nur inLaienkreisen fand sich Sympathie für die Absonderungvon der Kirche, so dass in dieser Hinsicht allerdingsmanche Maßregeln in den Protokollen des Predigercon-vents berichtet werden. Die Richtung der Aufklärung da-gegen, die in vieler Hinsicht den Pietismus abgelöst hat,war bis zu dem Jahre 1772, in das uns der vorliegendeStreit versetzt, weder innerhalb der Geistlichkeit ver-treten (während es in Hamburg, Berlin u. s. f. schonlängere Zeit der Fall war), noch hatte sie in den bürger-lichen Kreisen der alten Reichsstadt mit ihrem conser-vativen Gepräge viel Eingang gefunden. Noch Senior Mosche( 1 773H 9 1 ) war e ' n Repräsentant des Supranaturalismus,wenn auch in mildem Sinne, und erst dessen NachfolgerHufnagel führte den eigentlichen Rationalismus in demPredigerministerium ein, wie denn um dieselbe Zeit auchin der Bürgerschaft ein entsprechender Umschwung erfolgte.

Welche Haltung nahm nun Senior Johann Jacob Plitt 1(geb. 27. Februar 1727, f 7. April 1773), der Hauptgegnerder Frankfurter Gelehrten Anzeigen, gegenüber den theo-logischen Richtungen der Zeit ein? Nach den Äusserungenseiner Widersacher sollte man annehmen, dass er etwaden Standpunkt des auch in diesen Streit verwickeltenHamburger Hauptpastors Johann Melchior Goeze vertretenhabe. Und doch war er ein Schüler des Philosophen Wolfund hatte, als er 1762 mit 35 Jahren das durch denTod des auch in weiteren Kreisen bekannt gewordenenJohann Philipp Fresenius erledigt Seniorat übernahm, zu-nächst mit manchen Hindernissen zu kämpfen, da mandem bisherigen Rinteler Universitätsprofessor theilweise(vermuthlich in den pietistischen Kreisen) wenig Vertrauenentgegenbrachte. Übrigens war es dem »grossen, schönenund würdigen Manne«, wie ihn sein ehemaliger Gegnerspäter in Dichtung und Wahrheit schildert, bald gelungensich allgemeine Anerkennung zu erwerben, 2 als man sichüberzeugte, dass er die philosophische Methode seinesMeisters nur dazu arrwendete, um den Inhalt der lutheri-schen Dogmatik mit ihrer Hülfe zu beweisen. Er -warvon der Berechtigung und dem Erfolge dieses apologetischen

1 Genaueres in meinem Artikel in der Allg. deutschen Biogr.,Bd. XXIV, S. 307 fg.

2 Gottfried Guaita rühmt in seinem Verzeichniss der evangelischenPrediger in Frankfurt mehrfach seine Sanftmut!) und sagt u. a. von ihm :»Wie seine Lehre, so war auch sein erbauliches Leben. Er war einFeind des Hochmuths und gegen Jedermann ein liebevoller Jonathan«.