Jahrgang 
10 (1889)
Seite
328
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Bibliographie.

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Ironische Bemerkungen Lichtenbergs gegen Goethe in den 70erJahren, persönliche Bekanntschaft 1791 ff.; zwei Briefe Lichtenbergs anGoethe. Letzterer zürnt, dass Lichtenberg in der neuen Ausgabe eines physi-kalischen Werkes seiner optischen Versuche nicht erwähnt. Hebt diedurch v. Loeper bereits erwähnte Verwandtschaft von Goethes und Lichten-bergs Schriften hervor. Will nachweisen, dass Lichtenbergs scharfeSatiren gegen die Schöngeister und speciell gegen Goethe (»Macht derLiebe« 1777), läuternd auf diesen gewirkt habe. Will in GoethesGedichten (»Zahme Xenien« u. a.) mehrfache Anregungen Lichtenbergsentdeckt haben, die aber nicht recht schlagend sind; sieht in dem»Weisen«, dessen Worte im »Faust« angeführt werden, unter dem mangewöhnlich Herder versteht, Lichtenberg; die Schilderung der »Walpurgis-nacht« soll Goethe einem Aufsatze Lichtenbergs »Dass Du auf demBloxberge wärst« entlehnt haben; auch zu manchen einzelnen Stellenaus dem 2. Theil des »Faust« findet er in Lichtenbergs Schriften Anklänge.Eine wirklich wörtliche Übereinstimmung ist nur folgende. Bei Goethe(Faust, Gartenscene): »Es sagens aller Orten | alle Herzen unter demhimmlischen Tage | Jedes in seiner Sprache | Warum nicht ich in dermeinen«. Lichtenberg »Amintors Morgenandacht«: »Dankgebet, dasalle Creatur darbringt, jedes mit seinem Gefühl und in seiner Sprachenach seiner Art wie ich in der meinigen«. Das Faustfragment ist 1790,Lichtenbergs Aufsatz 1791 erschienen; Reichel möchte gern, dass Goetheden Aufsatz schon im Manuscript gekannt; das heisst doch die Sachenetwas gewaltsam umdrehen.

L. Erbach: Felix Mendelssohn bei Wolfgang von Goethe.(»Musikalische Jugendpost« No. 7.)

J. Michelet: Mon journal 182023. Paris, C. Marpon etE. Flammarion. XXV und 398 SS.

In der »Liste de mes lectures du 15 juin 1818 au I er janv. 1829«findet sich verzeichnet Febr. 1828: »Wilhelm Meister«. Mai: Gedichte,Iphigenie, Hermann und Dorothea. Jan. 1829: Götz von Berlichingen.(Kant, Herder, Schiller, Lessing sind weit reicher vertreten; Luther hatMichelet übersetzt.)

Dan. Sanders: Goethe und K. Ph. Moritz. Moritz als Wort-forscher von Goethe. (Zeitschrift für deutsche Sprache,2. Jahrg., H. 2, 3. S. 64 70, S. 106112.)

In Heft 2 werden Goethes Bemerkungen über Moritz und Stellenaus Moritz Briefen über Goethe mitgetheilt; Stellen aus »Anton Reiser«über sein Wortforschungsspiel, das von wirklicher Wort- und Wurzel-forschung sehr verschieden ist. In Heft 3: Goethes Aufsatz: Moritzals Etymolog (Sanders verdeutscht schon im Titel und ebenso imAufsatz selbst die von Goethe gebrauchten Fremdwörter, z. B. »Abece«für »Alphabet«, »Schichten« für »Regionen« u.s.w.) aus der »ItalienischenReise« mit Erläuterungen und Anmerkungen.

H. Dechent: Pfarrer Passavant, der Jugendfreund Goethes17511827. (Archiv für Frankfurts Geschichte undKunst, 3. Folge. 1. Band, S. 2054.)

Vergleiche G.-J. IX, S. 343 und Allgemeine deutsche BiographieXXV, 196198. Die sehr sorgfältige, meist nach handschriftlichen Quellengearbeitete Biographie gibt ein hübsches Lebensbild des GoetheschenJugendgenossen. Freilich von und über Goethe erfahren wir nichts