Jahrgang 
auf das Jahr 1883 (CFM 1132)
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Stein am Rhein sollte im Jahr 1478 durch den HegauischenAdel, der beim Benediktinerkloster eindringen wollte, besetzt werden. Dermit den Feinden verschworene Bürgermeister sollte den Söldnern, dieeines Abends spät, in Salzfässer versteckt, den Rhein Herabgefahren kamen,nach Mitternacht das Thor öffnen und ein verabredetes Zeichen geben,versäumte aber den Termin. Ein Bäcker, der in der Frühe ani Rheinauf und ab ging, hörte aus einem der Fässer die Frage:Jst's nochnicht Zeit?" und antwortete rasch besonnen: No e Wile! Er machtesofort Anzeige, und die Schiffsladung wurde von der Bürgerwehr in denRhein geworfen. Seit diesem Ereigniß mußte der Stadtwächter jedenMorgen rufen: No e Wile! (Jllustrirte Schweiz 1874, S. 27.) DieseSage scheint der von Rheinfelden und Zosingen nachgebildet.

Eine aargauisckie Sage (bei Rochholz II, S. 23) erzählt: Die Re-formation hatte auch im Surbthale zahlreiche Anhänger gefunden.Ein Befehlshaber reformirter Truppen in Dettingen wollte alle dort ge-bliebenen Katholiken ausrotten und befahl den Neugläubigen, in einerbestimmten Nacht ihre Fensterladen offen zu halten und in der Stubebrennende Kerzen aufzustellen. Aber das Vorhaben wurde verrathen;,auch die Katholiken brannten Lichter und konnten also nicht erkannt wer-den. Der unselige Geist jenes Obersten muß seither in Hundesgestaltumgehen.

Nach der Rapperswyler Chronik von Rikenmann (Mittheilungen derAntiquarischen Gesellschaft in Zürich VI, 235. Vgl. Rikenmann, Gesch.von Rapperswyl, 2. Aufl., S. 8183) verabredeten die Zürcher mitHermann Geßler, Vogt zu Grüningen und Rapperswyl, daß erihnen den letztem Ort auf St. Thomas Abend vor Weihnacht 1388(nach Tschudi und Müller 1385) übergeben sollte. Sie hatten zweiRöhrli" (Fäßchen) mit Harnischen und Mordäxten in die Stadt ge-schafft und gerüstete Schiffe hielten in der Nähe verborgen, um auf ge-gebenes Zeichen zu landen. Zufällig ritten am selben Abend die Herrenvon Landenberg mit Gefolge in Rapperswyl ein, weil sie mit dem Ratheeine andere, dringende Angelegenheit zu verhandeln hatten. Als zu diesem