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srm'Ios villious in Nnrs) noch mit Conrad von Mure oder mit einemMönch von Muri in irgend welcher Beziehung. Der Herr von derMure scheint seinen Namen eher von dem Fluß in Steiermark zu haben-oder es ist an eine Namenbildung wie „in dem gemür", „auf der Mauer" rc.zu denken. Nach dem Manessischen Gemälde müßte er später die Mönchs-kutte genommen haben. Wappen: In hellblauem Felde ein silberner, vonder Rechten schräg niedergehender Streifen mit zwei goldenen Sternen.Die drei der ältesten Gruppe zugehörigen Lieder dieses Dichters werden-ebenfalls bloß durch die Pariser Handschrift überliefert.
Wir schließen diese Darstellung mit dem bedeutendsten Minnesingerdes alten Zürich, mit dem seit neuester Zeit berühmt gewordenen Jo-hannes Hadlonb. Bis jetzt bleibt es über diesen bürgerlichenSänger bei der alten, dürftigen Notiz, nach welcher 1302 ein JohannesHadelavbe ein Haus am Neumarkt gekauft hat. 1310 und 11 kommturkundlich noch Peter Hadloup, Bürger zu Zürich, vor.
Am liebsten möchte man mit Gottfried Keller daran denken, daß derjunge Hadlonb, möglicherweise von Conrad von Mure in die Schule ge-nommen, von den Manessen, von dem Bischof Heinrich von Klingenbergoder von dem edlen Regensberger als Schreiber beschäftigt wurde, unddaß über dem Abschreiben alter Liederbücher der Nachahmungstrieb er-wachte und sich unvermerkt in eigenes Dichten verwandelte.
Wenn also jede nähere historische Kunde über den wackern Meisterfehlt, so bieten uns dafür seine Lieder, von denen in der ManessischenSammlung einige fünfzig stehen, eine Fülle lebensvoller, individuellerZüge, die fast selbstverständlich zur Nachdichtung des Romans seinesLebens einluden. Und gerade dadurch unterscheidet er sich beinahe vonallen Dichtern der Zeit und auch von seinen einheimischen Sangesgenossen,die nur in verblaßten allgemeinen Umrissen kenntlich sind, während inHadloub uns eine Gestalt zum Greifen entgegentritt.
Mit reizender Naivetät erzählt er seine Liebesgeschichte. Schon alsKind liebt er ein Mädchen hohen Standes. Herren, die das wußten, daß