Band 
Dritter Theil
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Oesterreichischcr Printz zugleich erwählet werden solle, so solle derOesterreichische allezeit zu weichen verbunden seyn,und mitBayernniemals in einer com?«e2 stehen. KK) Die Oesterreichische hinge-gen haben einen gantz andern vergleich, und von den angeführtendurchaus unterschiedene Puncte an das licht gebracht.Es solle nem-lich dasReich künfftig von beyden verwaltet werden.Fridericus vonOesterreich solle eben die ehre ctls Ludwig von Bayern, und Lud-wig eben den --essest als jener gemessen. Alle tehens-und wichtigefachen sotten von beyden zugleich ausgemacht, und die hohen geeich-te des Reichs ebener Massen also bestellet werden. Endlich solle un-ter ihnen eine beständige freundschafft, ewiges bündniß und unzer-trennliche eintracht seyn. u) Wenn man die umstände der ganzenfache, diefrüchte des sieges, den elenden zustand Friderici, und dengrossen Vortheil, welchen Ludovicus durch seine waffen über ihn er-halten,wohl erwegetsso solle man in diesem stück ehe denBayerischenals Oesterreichischen geschicht-schreibern beyfall geben. Denn washätte Ludovico sein gantzer herrlicher lieg, was halte ihm die lang-wierige gefangenschafft, womit er seinen feind Fridericum vonOe-sterreich beleget, geholffen, wenn er ihn zum Reichs-gefahrlen frey.willig annehmen wollen ? oder warum hätte Ludovicus aufdie her-ansgebung derReichs-kleinvdien beyFriederici bruderLeopoldo vonOesterreich mit solchem eifer gedrungen , wenn er jenem diehelffle aller Kayf. gewalt, würde und macht von selbst hätte einrau-men wollen. Dieses ist zwar bekandt, daß FridericuS auch nach sei-ner gesangenschafft beständig denKönigs-titul geführet,und hierauskönte man vielleicht schliesset,,daß der von den Oesterreichcrn em-tevergleich nicht so schlechterdings verworffen werden mäste. Alleinman weiß auch wohl,daß dieses mehrll- tasto alsllc jur« geschehen,und Fridericus in diesem stück nicht so wol dem theuer beschwornenfriedens.schluß nachgelebet, als vielmehr seinem ehrgcitz gefolget.Deßwegen beklagen sich viele lcrwemen über den von chm hierunterbegangenen meyneyd, u) ob ihm gleich andere das lob des fest be,obachtcten Vergleichs beylegen, ,um) Deswegen gabihmauchLu-dovicus zuJnspruck versöhnlich eine villie, welche auf beyden theilennicht zum besten abgelausten seyn mag. Ja deswegen muste auchJohannes derKöniq in Böhmen auf desKayseSr ausdrücklichen be-fehl indasHertzogthumOesterreich einfallen,umFridericumzurab-legung des wieder angenommenen Kayserl. tituls zu zwingen, --->)Und obgleich Fridericus nachbero bald eines elenden todes starb,oo)so höreten doch seine brüder nicht aufLudovico sein leben so wol alsseine regierung sauer zu machen.Der Hertzog von OesterreichOtto,belagerte auf des Pabsts anstifflen Colmar , dem Kayser zum Ver-druß, und vertrug sich erst an.ij)i mit ihm,als der König vonBöh-men Johannes von Luxenburg sich ins mittet legete.??) Leopoldusder qlorwürdige aber legte die feinvfchafft, so er wider den Kayserhegte, nicht eher als mit dem leben ab. Er hielte es vielmehr mitdem Pabst Johanne XXII und Philipps Valesio demKönig vonFranckreich offenbahr,daher er auch mit dem letztem gar fleißige zu-sammenkünffte, sonderlich zu Bar, hielt, gg) und wider den Kaysergefährliche anschlüge schmiedete. Doch da die unruhen in Teutsch-land einiger müssen beygelegt waren,wendete sich unser Printz nachItalien,um die rechte und Hoheiten der Kayser mit macht daselbsthervor zu suchen.Galeacius Visconti,der Mayländischeoouvcrneur,scheinet ihm wol die erstegelegenheit zu diesem zuge gegeben zu ha-ben. Denn es wolteGaleacius den befehlen,welche PadstJohannesXXII gar häuffig an ihn ergehen ließ,keine weitere folge leisten,son-dern empsieng vielmehrvonLudovico IV die lehn,und begab sich un-ter seinen schu».----)Die üdrigen<stände desLongobardischenReichs,sonderlich die bcsitzervon Mantua,vonVerona,vonLucca,und über-haupt alle diejenigen, welche man Gibeüinen nennete, sehnten sichglcichfals nicht wenig nach diesem ihrem erlöser,weil sievon denCar-dinälen und bedienten Johannis XXII, die er in Italien gesetzt,( denn der Pabst selbst -ellllllte damals zu Avignon in Franckreich)«) viel drangsal ausstehen müssen. ») In Mayland ließ sich Lu-dovicus nebst seiner gemahlin Margaretha von Johanne dem Ertz-Bischoffe mit der ob wol fälschlich so genannten eisernen krönedes Lonqobardischen Reichs krönen,und eben daselbst nahm er aucheine nicht geringe Veränderung in regimcntsssachen vor. Denn erentsttzte Galeacium Visconti,der ihm die ersten anfthläge nachJta-lien zu kommen gegeben hatte, seines bisher geführten amts,führteihn mit sich gefangen hinweg nach Rom , und verordnete an seinestatt Henricum, Grafen von Montforl, einen Teutschen von ge-bührt, in Mayland zum 60-ive-n-ur. ->u)Man gab diesem letzterenschuld, daß er viele imrigucn und grosses gcld gemacht,auch nicht sowohlauf den Vortheil seines Herrn und Kaysers, als sein eigenesimcrellegesehen. Doch kan es seyn, daß Ludovicus nacher die Un-schuld Galeacii erkannt. Denn er setzte ihn aufvorbitle des Her-tzogs von Lucca,Castruccii,nicht nur wieder auf freyen fuß, sondernbefahl ihm auch, daß er versöhnlich zu ihm kommen, und seineVerantwortung führen solle. Aber es starb Galeacius als er ebenauf dem wege nach dem Kayser begriffen war, ohne zweistelaus kummer wegen des durch seine gefangenschaffc erlittenenschimpffs. also blieb Henrich von Montfort Statthal-

ter des Mayländischen cHgriÄ?, aber auf eine gar kurtze zeit.Denn es waren die Mayländrr eines Teutschen regiments un-gewohnt. Dahero jagten sie Henricum, so bald der Kayser denrucken gewendet hatte, fort, und ob dieser gleich nachher» Maylandbelagerte, richtete er dennoch wenig aus. xx) Als Ludovicus nachRom kam, sahe man unterschiedene bewegungen der gemüther.Ei-nige waren sehr froh,als dieGibellinen, sonderlich aber die von demHause Columna, welche Ludovicum nach Rom zu kommen am aller-meisten genötbiget;») andere ungemein bestächt,als dieQusssKen,und alle diejenigen, so es mit dem Pabst hielten. Gleichwie aberunser Printz nach Rom gegangen war, daselbst die Kaystr-crone zu

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empfangen,also erhub sich ein nicht geringer streit, wer ihm dieselbeaufsetzen solle. Kein Pabst war vorhanden, denn Johannes XXII hielt sich zuAvignon auf; und wenn er auch zugegen gewesen wäre,so wurde er dennoch wol schwärlich ohne den äussersten zwang sichentschlossen haben,denjenigen zu salben, welchen er für keinen recht,mäßigen Kayser erkannte, und mit dem bann schon offl beleget hat-te. Emige Cardinäle waren zwar in Italien , doch konten sie nicht,wie zu den zeiten Hennci VIl vonLurenburg geschahe,diese ccremg.-»-.wegen der zw,»rächt,so zwischen demKayser undPabst war,ver-richten. Also musten einige RömischeRaths-herren nebst demLou.verncur der stadl und Cantzler des Römischen volcks, Ludovico, dersich vorher durch rBischöffe einsegnen lassen,dieKayfer-crone aufse-tzen. Zwar wollte der Pabst diesen crönungs-aÄum. weil er nichtvon ihm verrichtet worden,und wider alle bisherige gewohnheik liess,umstoffen. Allein die Römer antworteten kurtz und gut: es stün-de dieses recht ihnen eben so wol als dem Pabst zu. Uberdem hät-ten sie ihn ja ersucht,daß er persöhnlich nach Rom kommen,und seinvermeintes amt Hiebey vertreten sollen. Da er aber nicht erschie-nen, sondern zu Avignon sitzen blieben, könte er auch ihnen nichts,sondern mäste sich alles selbst zurechnen. Ja es lagen die Römer,welche auf die veränderte, und in Franckreich aufgeschlagene -eil.a-mi- des Pabsts ungemein übel zu sprechen waren, dem Kayser be-ständig an, daß er Johannem XXII, welchen man ohnedem vielerketzereyen beschuldigte, ab,und an seine stelle einen neuen Pabst , derbeständig in Italien und zu Rom --LUi-en mäste, einsetzen möchte.Es war dieses eine erwünschte gelegenheit für Ludovicum, sich andem Pabst zu rächen. Deswegen ließ er alles, was man Johannivorwcrssen könte, verlesen, und öffentlich nachher ausruffen, ob je-mand Jacobum von Cahors (denn dieses war der eigentliche nameJohannisXXII,eheera»fdenPäbstl.stuhl gelangete)vertheidigenwolle. Als aber niemand auftrat, wurde Johannes ab, und einMönch,Petrus -l-Corbario nemlich,welcher sich nach diesemNicola,um V nennete,zumPabst eingesetzet. -r)Es ist nicht auszusprechen,was dieses lct»i,i>s in beyden ständen für eine ungemeine Verwirrungan allen orten verursachet hac.Johannes der XXII machte Cardi-näle, Nicolaus auch. Jener setzte Bischöffe, so ihm nicht gehorchenwollen,nach gefallen ab, und wenn sie anders sinnes wurde», wie-der einzdieser hingegen belegete alle diejenigen mit dem bann-fluche,welche es wider ihn und denKayser mitJohanne,als seinem gegner,hielten. Italien theilte sich gleichfals in r Partheyen, davon dieeine Johanni,die andere Nicolao und unserm Kayser anhänge. Obnun gleichPetrus 6- Corbario bald nach diesem in die bände einigerihm gehäßigenJtaliäner gerieth,welche ihn anJohanemXXIIaus-lieferten,zu dessen füssen er auch sofort die ihm von dem Kayser auf-getragene würde eines Pabstesnieberlegete, ->^-l)fo setzekees inJla-lien doch immer sehr viele nnruhen.Es hatteJohannes XXII nebstPhilippoValesio von Franckreich,denKönigRobectnm vonApulienaufgewiegelt, daß er Ludovico entgegen gehen, und dessen bisheri-gen siegreichen Waffen einhalt thun solle. Hätte Ludovicus diesemneuen feind sofort das Haupt gebothen, als sich ihm der meiste theilvonJtalien beretts unterworffen und seine soldaten muthzu fechtenhalten, würde es ihm Robertum über» Haussen zu werffen,vielleichtnicht schwär worden seyn. Denn dieser war bereits willens,Italien zu verlassen,und nach Provence zu fliehen, bbk) Aber es sehlete Lu-dovico an gcschwindiqkeit die anjchlägeins werck zu setzen,welche ersonst wol aussinnen konte. Er zauderte in der stadl Rom bey die?monat, ehe er sie verließ, welches ein grosser fehler war. Denn ermachte dieRömcr durch unsägliche auflagen schwürig,seine soldatenaber, welchen er allen muthwillen auszuüben verstattete, und eine solange zeit müßig gehen ließ,fast zum fechten untüchtig,und was dasmeiste war, fo gab »Roberto zeit,sich in eine solche ?»lnur zu setzen,daß man ihm nachher nicht beykommen kunte. Uberdem bestündedie armee Ludovici aus allerhand Teutschen völckern,welche wegender theilung des raubes und der gemachten beute dermaßen uneinswurden, baß Ludovicus kaum imk allem seinen ansehen dieses glim-mende feuer zu unterdrücken vermögend war. ccc) Zu diesem allemkam endlich fast das grösteUnglück, nemlich der geld-mangel.Denndieser war so groß, baß Ludwig viele vvrnehmeTeutscheHerren we-gen gemachter schulden als geisseln zurück lassen, und sich nicht nuraus Rom,sondern auch ausJtalien in höchster eil zurück ziehen,mu-ste.llclchZwar fünde sich bald nachher an. i; zoJohannes derKonigvon Böhmen in Italien ein, und viele städtc öffneten ihm auch dietbore, ohne zwciffel,weil sie sich, obwol fälschlich, überredeten, daßJohannes von demKayser alsStatthalter dahin gesendet wäre. Al-lein es war Ludovicus mit diesem unternehmen Johannis, weichernach eigenem belieben unterschiedene städle,sonderlich aberLuccaanFranckreich verkauffte, dermaßen übel zufrieden, daß er ihn auföffentlichem ReichS- tag vor den Fürsten als einen Reichs-feind an-klagte. Und dieses währete so lange, bis Johannes zu Regenspurgsich wegen dieses nach Italien vorgenommenen zuges mit genügsa-men gründen entschuldigte, und deswegen um Verzeihung bat. ----Mit den Päbsten hat Ludovicus gleichfals viel Händel gehabt,die zudieser zeit ein gewaltiges aufsehen gemacht. Denn es stunden demApostolischen stuhl die zeit über, da Ludovicus Teutschland regierte,; Päbste vor,Johannes XXII,Benedictus XII,und Clemens VI ,Johannes XXII bestieg a.izi6 denPäbstl.stuhl,K)und also 2 jährnachher alsLudovicus zumKayser erwählet worden.Nun hatten diePäbste sich schon von einiger zeit her dieses Vorrecht herausgenom-men,daß sie bey einer zwistigen Kayser-wahl dieselbe nicht allein un-tersuchen,sondern auch den ausschlag geben wollen,wer unter denenerwählten das scepter führen solte.ZZ8)Johanes XXII befahl deß«wegenFriderico,sonderlich aber Ludovico,zu Avignon sich zu stellen,und daselbst den richterlichen ausspruch zu erwarten.Ludovico kamdieses anmuthen des Pabstes nicht wenig fremde vor. Deswegen