Band 
Dritter Theil
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wäre auch der Czaar bedacht, wie er seinem feind in der Ukraine al-len unterhalt abschneiden könte, und zu dem ende suchte er die Co-saken an. 1709 durch ein pubiicirres mamtek wiederum auf seinefeite zu bringen, als welche der König in Schweden vorhin aufgleiche weise von ihme abgezogen hatte. Ein anderes m^mkeik gäbeer wider Mazeppa aus, da er den einwohnern der Ukraine von demanschlag der feinden, sie unter Polen zu bringen, Nachricht ertheilte.Ungeacht nun die Schwedische armer theils durch öfftere schar-mützel, theils auch durch viel beydseitiges hin- und her-marschirenschon mercklich geschmalerel war, so nähme doch Carolus den vor«hin proMi'rten einbruch in Groß-Rußland neuer dingen vor dieHand, ward aber von dem Rußischen General Rönne bey Holka soübel empfangen, daß er seiner eigenen person halber in höchster ge-sahr stunde, und 12 feiner trabanten ihme an der feite niederge-macht wurden, deßwegen auch die Cosaken wiederum von ihme ab-fielen und sich an den Czaaren ergaben, Carolus muste also seinereciracie wiederum nach der Ukraine nehmen, da hingegen der Czaaralle vorsorg gethan, ihme die ausflucht nach Polen und über denDnieper abzuschneiden, so daß sich endlich jener mit seiner armerbey Budißin gantz eingeschlossen fände. Von dar brache er immajo wiederum auf, und entschlösse sich auf einrathen des Mazep-pa, Pultava (welcher ort an dem fluß Worksla, 16 stunden vondem Borysthenes, anderwerks Dnieper genannt, gelegen, und mitzooo mann besetzt wäre) zu belagern, in welcher zeit der Czaardem König sehr vortheilhaffte friedens-vorschläge thäte, welcheaber bey diesem keinen eingang fanden, als der den Czaaren durch-aus von dem thron stossen, und dieses kriegs halber von den Russenmit ;o Millionen schadloß gehalten seyn wolle. Dem seye aberwie ihm wolle, so wurde Pultava so hitzig angegriffen, daß derFürst Menzrkoffdes orts halber in sorgen stunde, aber gar bald mit-te! fände,unter bedeckung eines bey nacht erregten blinden lermens,1200 mann über den morast in die stadt zu dringen. Hieraufwurde beyderseits der schluß gefaßt, der fach durch ein Haupt-tref-fen den ausschlag zu geben, obwohlen die Russen an zahl, muth undallem vorrath denen Schweden unstreitig weil überlegen waren,alswelche letztere fast nichts mehr als ihren degen und ^ H,

rer beschützung übrig hatten. Den r; junii nähme auch der Un-stern Schwedischer seits schon damit seinen ansang, daß derKönig,als er eben, um die feindliche armer zu recoZnoiciren, über das Was-ser setzte, durch einen schuß sehr gefährlich an dem dein verwundetward. Deme ungeacht geschahe der erste angriff von Schwedischerseits mit grosser hitz, so baß sich auch die Rußische crvaUeri- hinterihr recrencvemenr zurück ziehen muste,allein bey dem zweyten angriffwandte sich das blat gar bald, und wurde da die Schwedische armeegäntzlich geschlagen. In diesem treffen liessen Jhro Czaar. Maj.eine vortreffliche probe ihrer dapferkeit und kriegs-erfahrenheit se-hen,erwiesen auch ihre großmuth darinnen,daß sie nach erhaltenemsieg zu erhaltung des Königs in Schweden ausdrückliche orllre stell-ten- Jn^verfolgung der Schwedischen Materie geriethen die Ge-neralen Stakelbergünd Hamilton,der Feld-Marschall Renschildt,zusamt den, Printzen von Darmstadt in Rußische Hände. DerKönig in Schweden , so inzwischen unter bedeckung einiger csvsl-1 -rie an das Ufer des Borysthenes gebracht worden, erklärte sichzwar von dar aus durch den General Meyerftldt zu annehmungdes vorhin angebotenen friedens,und begehrte in ermanglung des-sen , daß ihme frey stehen solle, aus dem land hinweg und nach Po-len zu ziehen, wozu aber der Czaar nunmehro keine obren hatte,undjenem wissen liesse, es wäre an deme, daß er seine jäger aussendenund den vogel, alldieweilen er in dem gärn wäre, greiffen lassenwolle,wobey auch der General Meyerftldt,aus besondern Ursachen,gefangen zurück behalten wurde. Sobald der König dieses ver-nommen, übergab er dem Grafen Löwenhauvt das commsnllo sei-ner truppen, liesse sich alsofort über den lluß bringen, und nähmeseinen weg nach der Türckey, als worauf sich auch Löwenhauvt anden Fürsten Menzikoff mit accord ergeben muste. Die zahl dertodten belieffe sich Schwedischer seits biß 8000, und der gefange-nen, worunter nebst den schon genannten, auch der GrafPiper sichbefände, waren 2880, da hingegen Rußischer seits nur 88; todteund 226; blessirte gefunden wurden. Nachdeme verfügte sich derCzaar nach Perewolosna, und gäbe da gantz besondere Kennzeichenseiner großmuth gegen die gefangene von sich, belohnte auch die sei-nige mit stattlichen befürderungen, worunter die wähl zu einemOsn--L!-ki2joren aufihne selbst fiele, als der da selbst einen Schwe-dischen Generalen gefangen genommen, und mir einer kugel durchden Hut geschossen 'worden, wornach sich auch die rebellische Co-saken unterwarffen, und auf des ältern Mazeppa kopff royoorublen gesetzt wurden. Hierauf geschahe die abtheilung der Rußi-schen armee in ; besondere Haussen, deren der eine 40000 mannstarck unter den Feld- Marschallen Scheremetoff und Menzikoffnach Liesiand, der andere aus ;oooo mann bestehend unter denen6-,iersi-l.ieucen3M8 Galliczin und Baur, nach Polen zu gehen, undder dritte unter Venen Generalen Repnin und Aüard, auf dengräntzen von Rußland zu bleiben, auch die Russische flotte zuArchangel sich in den Liefländischen meer-busen zu begeben, befthlerhielten. Nunmehro wäre der Czaar entschlossen,sich nach Polen zu demGeneralGoltz und demGroß-FeldherrnSiniauwski zu erhe-ben,erkranckte aber zuKiow,und muste deswegen einige zeit daselbstbleiben, da mittlerweile Augustus und Stanislaus zu bebauptungder Polnischen kröne ihre manifesten ausgehen liessen. Von Kivwgienge der Czaar weiter nach Thoren, woselbst er mit dem KönigAuqusto zusammen kraft, und von deme sowohl als den PolnischenGrossen die glückwünschungen empfienge. Von Tborn begaben sichJhro Czaar. Maj. nach Marienwerder,allwo sie mit demKonig inPreussen eine mündliche Unterredung hielten, welcher auch da die

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xrojeÄ.rte giligmr mit denen Königen Augusts und in Dänemarrkbestätigte, und dem Hertzogen von Curland, als seinem nefen, be.hüifflich wäre, daß er nicht allein von dem Czaaren in sein Hertzog.thum wiederum eingesetzt, sondern auch ihme noch dazu diePrintzeßin Anna Jwanowna eine nefin des Czaarn zur gemahlingegeben ward. Von dar aus gienge der Czaar nach Mietaw,allwoer mit jeincn Generalen über die vorhabende kriegs-t^crgrioner diefernere aiiordnung machte. Seine armee, so aus 120000 mannbestünde, wurde da in 6 unterschiedliche Haussen abgetheilet, undzwar so solle sich diese gantze armee zuerst vor Riga , so damals un-ter des Generals Stromberg -amm-ollo stunde, einsinden; woraufdiese auch würcklichm Liet-und Curland einzöge, und dem von er-meldtem Genera! Stromberg wider diese ausgegangenen wLuiteltvon Rußsscher seits ein anderes entgegen gesetzt, auch in selbigemdiesen landen die Wiederherstellung und beschützung ihrer freyheitenverheißen wurde. Den 25 oct. käme demnach der Czaar selbst vorRiga an, und machte mit eigener Hand den ansang der vorhabendendombardirung. Aber auch hier bliebe er nicht lange,sondern nähmeseinen weg durch Lieffand überDerpt nach Petersburg , bestellte dadas nöthige zu dem bevorstehenden feldzug, und thäte dem König inDänemarck den nöthigen Vorschub, um mit Nachdruck widerSchweden zu sZlren. Endlich hielte ex auf den neu«jabrs-tag an.1710 seinen triumphirenden und über die Massen prächtigen einzugzu Moscow , woselbst er auch mit grossem frolocken und vielen lob-reden empfangen wurde. In gleicher zeit langte auch Klr. Wjch--worth als außerordentlicher Abgesandter von der Königin Annaaus Engelland an, und leistete dem Czaaren auf das feyerlichste diebehörige llEElon wegen des schimpffs, so dessen Abgesandten inEngelland von einigen kauffleuten durch anlegung eines arresisum ausstehender schulden willen angethan worden, wobey der Ab-gesandte zugleich ein verbindliches schreiben von der Königin selbsteinlieferte, sodann wegen völliger ausführung dieser latiskLilon sowohl als der erneuerung guter freundschafft zwischen den beydennationen fernere Handlung gepflogen, und auf gewisse artickel be-schlossen wurde. Um dieselbige zeit empfienge Ih. Czaar. Maj.ferner die angenehme Nachricht von der einnähme der festen stadtElbingen durch dero General Nostitz. Im ftbruario reisete er wie-derum von Moscau über Petersburg nach Polen ab, allwo sich auchder Czaarewitz befände. Während dieser zeit hatte König Au-gustus einen Reichs-tag zu Warschau gehalten, da die noch immerinPolen stehende Rußische truppen den meisten Grossen zum schein-baren vorwand und Mittel, um die Zwiespalt in der Republic zu un-terhalten, dienen müssen, da hingegen der Czaar diese seine truppenum eben dieser mißhelligkeiten willen allda gelassen, der zugleichauch die fruchte seiner congu-cen, worunter die Vertreibung Sta-nislai die vornehmste wäre, damit behaupten wolte, als dessen par-they unter denen Grossen noch immer in starcker anzahl wäre, unddie enrftrnung der Rußjschen truppen nur allein suchte,um selbigemwiederum aufzubeißen. Der Rußische Abgesandte Dolgoruki musteauch deßwegen viel bitteres einschlucken; er wüste aber alles, nachdemMazarinischcn sprichwort:Laßt sie nur imerfort reden/sofern sie uns nur immerfort machen lassen/ trefflich auszuhal-ten , als welcher auch in einem der Versammlung übergebcnen me-moriLli stgrck darauf dränge, daß die Schwedisch -gesinnte als fein-de der Republic erkannt werden sollen, wogegen auch die Reichs.Versammlung dem Abgesandten in verschiedenen Puncten zustelltewas ihr in ansehung des Czaaren angelegen. Inzwischen wäredieser wiederum zu Petersburg angelangt, und machte sich fertig indas Groß-Hertzogthum Finnland einzubrechen. Der ansang wur-de gemacht mit belagerung Wyburg, der Haupt-stadt im Schwedi-schen Carelien, so zugleich ein wichtiger haftn an dem Finn.ländlichen meer«busen ist. Im ansang des aprils käme der Ad-miral Apraxin vor die stadt, deme auch Jhro Czaar. Maj. mit ei-nem theil ihrer flotten bald nachfolgte,um die Munition und ->niii°ri»dahin zu trsnsportiren; welches 1; Schwedische schiffe vergeblichzu bindern suchten. Doch dauerte die belagerung biß den 12 junii,da der ort mit accord übergienge. Bey Riga vermochte die Schwe«dische flotte ebenfalls den vorhabenden entfatz nicht zu vollbringen,dannenhero sich endlich der daffge Louv-rn-ur Stromberg auf St.Peters tag ebener maßen zur eLpimlsclon anböte, und erfände sichnach geschehener übergab, daß die g-rmion währender belagerungvon 12000 biß;ooo, meistens krancker mannschaffl, herunterge.bracht, auch biß 60000 burger durch Hunger und pest aufgeriebenworden; worauf ferner die wichtige vestung Dunamünde, so dennPernaw,Kexholm,Arnsberg und Revel in weniger zeit erobert wur-den, an welchem letztem ort, so den y oct. cspuuiiret, die pest aus ei-ner zahl von zoooo einwohnernkümerlich zooo übrig gelassen hatte.Nach diesem wäre der Czaar bemühet,denen Liefländern ihre Privi-legien,wie auch die vestungen,das commercium und die zahl der ein-wohnern in diesem durch Hunger und krieg verwüsteten lande wie-derum herzustellen, und endlich muste auch das gedächtniß des beyPultava erfochtenen sieges an dem nemlichsn ort durch erbauungeiner prächtigen Arche zu ehren 8.Petrt und 8. Samsons gestiffret,und der verlaufdieses treffens nach art der Römern an einer säuleaufgezeichnet werden. M>tlerweile,da die fachen inNorden also ge-führet wurden, hatte der König in Schweden , so sich zu Bcndesaufhielte, zusamt dem Frantzösifchen Abgesandten und demTar«tar-Cbam nichts unterlassen um die Pforte zu einem krieg gegenMvftvw zu bewegen, wogegen der Czaarische r^iniker Tolstoy sichaufdas stärckste aesetzet, und es dahin zu bringen gesucht, daß derKönig aus denen Türckischen landen weggeschafft werden möchte;als aber endlich solches auf eine dem Czaaren sehr unbeliebige weisezu thun beschlossen wurde, »emlich so, daß derKönig gleichsam imtriumpb unter Türckischer elcon- durch Polen nach Hause gebracht

III Theil. Tittk werden