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Biblia das ist: Die gantze heilige Schrifft / durch D. Martin Luther verteutscht: mit D. Pauli Tossani hiebevor aussgangnen Glossen und Ausslegungen
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SKICH HERR NACH DEJNEM WORT: damit Diefelbe zuverstehen geben/Daß ein Fürst alsdann wolregiere/ wann er sich von Gott vnd seinem Wort leßt regieren.2nd fomt solch Symbolum E. Churfl. Gn. mit dem gebett Salomonis 1.Reg.3.7.fein vber-eyn/ daer spricht: Nu HERR/ mein Gott / du haft deinen knecht zum könige ge-macht an meines vatters Davids stat/ so bin ich ein kleiner knabe/ weiß nitweder meinen außgang noch cyngang: So woltestu deinem knecht geben eingehorsam herk/ daß er dein volck richten möge/ vnd verstehen/ was gut vndböse ist/ 2c.

Und diesveil dieses E. Churfl. Gn. einiger wunsch ist/ daß Gott der HERR Sie inallem ihrem thun vnd fürnemen nach seinem heiligen wort regiere/ welches/ wie David lehret Pfal. 119.105.vnserer füssen leuchte ist/ vnd ein liecht auff vnserm wege: So istkein zweiffel/ daß E. Churfl. Gn. an demselben eine sonderliche luft haben/ vnd dasselbe gernvnd offt lesen: wie vorzeiten der König Alphonfus gethan/ von welchem in der beschreibungfeines lebens gemeldet wird/ daß er ihm die Bibel allezeit hab vortragen lassen/ vnd daß erdieselbe vierzehen mal vom anfang bis zum ende sampt den erklärungen Lyre vnd Burgen-fis gelesen.

Als der fürtreffliche Keyser Carolus V. am dreyzehenden tag nach seiner geburt die H.Tauff empfangen/ sind ihm von vnderschiedlichen Herzen/ die zu Gevattern gestanden/ vnDerschiedliche verehringen geschehen: Sein Her? Watter Philippus hat ihm das Herzog-thumb Luzemburg geschenckt: Carolus, Her? von Croy vnd Chymay schenckte ihm einenfilbernen Helm/ mit einem güldenen Phenir: Der Herz von Bergen ein güldenes schwert:Margaretha von Britinnien einen güldenen becher voll köstlicher edelgesteinen: Margare-tha Rensers Maximiliani tochter ein guldene schuiffel voll Perlen: Die statt Gend/ inwel-cher er geboren/ ein fillernes Schiff: Aber die Geistliche daselbsten schenckten ihm das Altvnd New Testament, mit dieser vberfchrifft/ SCRVTAMINI SCRIPTVRAS, das ist/SVCHET IN DER SCHRIFT: Bey welchem geschenck Er sich erinnern solte/daß Er Jhm Gottes vort vnd die Christliche Religion vor allen dingen solte laffen ange-legen seyn.

Also laß ich nun indere/ denen es stands vnd vermögens halben zustehet/ E.Churfl.Gn. mit gold/ filber/ pelen vnd andern dergleichen köstlichen sachen verehren: Jch/ der ichein zeitlang in Churfl. Pfalz ein vnwürdiger Kirchendiener gewesen/ vnd jezund einesTheologi stelle in E. Churfi. Gn. Kirchen Rath vertrette/ bringe Deroselben eben dieselbegab vnd vberschrifft/ di weiland Keyser Carln von den Geistlichen zu Gend ist gebrachtworden/ nicht zwar/ alavann E.Churfl. Gn. jetz erst die Bibel solte anfangen lesen/ oderverstehen lerne/ in welche Sie schon lang zuvor in Ihrer zarten jugend Sich fleissig geübt/vnd von Ihren Ephoritäglich sind vnderzichtet worden: Sondern damit ich durch E.Churfl.Gn. löbliches eempel andere hohes vnd nidrigen stands personen zu fleissiger le-fung vnd betrachtung es Worts Gottes reißen vnd ermunteren möchte dazu/ wie ichHoffe/ die von mir beygesigte Außlegungen des Terts ihnen nicht wenig dienlich vnd be-hülfflich seyn werden.

Celfus, der Jurist pricht: Scire leges non eft verba tenere, fed vim& poteftatem:Das ist: Das heißt nicht die gesätze wissen/ wann man die wort daher erzehlenfan/ sondern wann mun sie recht verstehet/ vnd weiß/ was sie in sich halten vndbegreiffen: Also ist es ncht gnug/ daß man die Bibel in seiner muttersprach hab/ vnd diewort verstehe: wann nun nicht auch weiß/ was durch die wort bedeutet werde/ vnd wasdie rechte mennung des 5.Geistes sey. Der kämmerer der fönigin Candaces/ da er denPropheten Jesaiam las/ erstand zwar die wort vnd die sprach wol/ aber die meynung desPropheten war ihm verlorgen/ vnd wußte er nicht/ von wem Jesaias in dem Zert/ den ervor sich hatte/ redete/ bis Philippus zu ihm kommen/ vnd ihm solches nach notturfft außge-legt vnd zu verstehen gegesen hat. Gott wolle daß ich vielen gutherzigen Christen/ dieofftmals/ wann sie die F.Schrifft lesen/ im verstand der selben stecken bleiben/ ein Philip-pus seyn möge/ vnd daß dis mein werck/ welches ich fürnemlich den Kirchen vnd Schulenin Churfl. Pfalz zum besten auff mich genomen hab/ den von mir gewünschten zweck/ nem-lich/ die fortpflanzung der hren vnd warheit Gottes/ aufferbawung seiner ChristlichenGemein/ erzeichen möge. Denselbigen getrewen Gott bitte ich von grund meines Herzens/daß er E.Churfl.Gn. neben glückseliger regierung vnd langem leben/ vermehrung seinergaben vnd fürnemlich der seligmachenden erkantnus seines heilige worts verleyhen wolle/Amen. Geben Heydelberg den 30. Decembr. 1616.

E. Churfl. Gn.onderthenigst

gehorsamster

PAULUS TOSSANUS D.

An