Buch 
D. Iacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kräuter-Buch : darinnen uber 3000. Kräuter, mit schönen und kunstlichen Figuren, auch deren Underscheid und Würckung, samt ihren Namen in mancherley Sprachen, beschrieben : Desgleichen auch, wie dieselbige in allerhand Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehs, sollen angewendet und gebraucht werden, angezeigt wird / erstlichen durch Casparum Bauhinum D. und Profess. Basil. mit vielen neuen Figuren, nutzlichen Artzneyen, und anderem, mit sonderem Fleis gebesseret, zum andern durch Hieronymum Bauhinum, D. und Profess. Basil. mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, neuen Registeren und anderem vermehrt
Entstehung
JPEG-Download
 

Das Erle Buch/ Von Kräutern:

47

A durchſtochen/ als wann es die Würm durchbiſſen het, F der Magſamen/ doch kleiner/ der hangt im Augſt⸗ und

ten/ und ſollen die Blaͤtter dem Raucken oder weiſſenGenffblaͤtern gleich ſeyn/ und vergleichẽ ſich die Bluman der Farb dem Saffran/ und hab dieſelbige breiteBlaͤtter. Was dann erſtlich der Thunisblumen Blaͤt-zer anlanget/ hat ſolche nicht wenig ſondern viel/ find

auch den Blaͤttern des weiſſen Senffs nicht gleich/

ſondern dem Neynfahrn oder Baldrian, zu dem ſind

ſöe nicht durchſtochen. Was dann die geele Blum ans

langet die breite Blätter haben ſoll⸗ kan darauß nichtsgewiß geſchloſſen werden/ daß darum dieſes GewaͤchsOthonna der Alten ſeyn ſolte Sintemal man derKraͤuter vielmehr findet/ die Saffrangeele Blumenhaben, und breite Blaͤtter, find aber darum nicht

Irhonna. Dieweil dann nun auch dieſes Kraut/ mit

B der zweiffelhafftigen Beſchreibung Dioſcoridis nicht

CTraubeti-

Nraut.

überein ſtimmet/ iſt deſtoweniger der Meynung An-dreæ Lacunæ beyzufallen. Othonna heiſſetkzriechiſchauch OR.

Das IX. Cap.Von dem Traubenkraut oder Tuͤrcki-ſchem Beyfuß.

Traubenktraut.

Botrys.

Jeweil das Traubenkraut/ beide von den al-Iten und neuen Aertzten/ vor ein Beyfuß Ge-ſchlecht gehalten wird/ haben wir demſelben

mhhie auch ein Plaß einraumen wollen. Traubenkraut

E hat ein weiß ausgebreite Wurtzel/mit vielen Zaſeln oder K

Nebenwuͤrtzeln behenckt/ aus deren komt im Frühlingherfür ein einziger runder/ rothlechter/ gekruͤmbter undrauher Stengel eines Kinds Fingers dick/ und iij.

G

3

Herbftmonat ſo dick in einander/ wie die Trauben/ iſtGeelfarb/ wie auch das gantz Gewaͤchs/ eines ſtar cken/und doch lieblichen anmuthigen Weingeruchs und bit-tern Geſchmacks. Wann der Saamen zeitig wird/ ſowerden die Blätter gar fahl/ und fallen ab. Iſt einSommergewaͤchs/ und muß jaͤhrlich wiederum vomSaamen auffgezielet werden: Wiewol/ wo es einmalhingepflantzet wird, waͤchſt es vor ſich ſelbſt wider vondem außgefallenen Saamen. Es waͤchſt gern bey Waſ-ſergraͤben/ Regenbaͤchen und andern feuchten Orten.Bey uns in Teutſchland wird es in den Luſtgaͤrten ge-pflantzet/ aber in Franckreich/ Italien und Boͤhmer-land/ waͤchſt es vor ſich ſelbſt.Von dem Namen dieſes Krauts.

Es iſt dieſes Hewaͤchs bey dem Dioſcoride lib. 3. c=

117. wie auch bey dem Plinio lib. 27. cap. 8. Deß-gleichen auch von Paulo Ægineta, auch wie zu unſernZeiten unter die Geſchlecht des Beyſuß gezehlet wor-den. Dann es gemeiniglich von den Kraͤutlern heuti-ges Tages Artemiſia Turcica, und Tůrckiſcher Bey-fuß genant wird. Theodoricus Dorſtenius in ſeinemBotanico, macht aus dem Botri der Alten/ und Am-broſia ein Ding/ und das nicht ohn ein kleinen Irꝛ-thum/ dann es zwey unterſchiedliche Kraͤuter ſind/und von den Alten auch ein jedes beſonder beſchriebenworden: Und wiewol Dioſcorides und Plinius lib-27. cap. 4. ſchreiben/ daß das Kraut Ambroſia, auchvon etlichen Botrys genant wird/ ſolget darum nichtdarauß/ daß Ambroſſa Botrys ſeye. Noch ein groͤſſernIrꝛthum begehet Dorſtenius, in dem daß er die wildeSalbey vor Botrim und Ambroſiam(wie er dieſe bey-de Kraͤuter confundirt) haltet/ welche dann mit denengenanten Kräutern gar kein Gleichnuß hat/ welchesein jeder leichtlich ab beiden Beſchreibungen der Krauster Botryos und Ambroſiæ, bey dem Dioſcoride abenehmen kan/ der ſie gegen denſelben examiniret. Botrysheiſſet Griechiſch Böteus das iſt/ Uva herba, Latei-niſch Herba Botri, Muercula peregrina, oder Quer-cula Turcica, und auch von dem Dioſcoride.. 5Mia Kern mad cui, das iſt/ Ambroſia Cappodocia,damit er dieſes Gewaͤchs von dem wahren Ambroſiaunterſcheidet. Italiaͤnſſch heiſſet es Bor, und zu Berezel Morma. Frantzöſich/ Millegrains und kyment, in Sa-voien aber la Mugraine. Hiſpaniſch/ Biengranada. Boͤ-hemiſch/ Hroznowa bylina. Engliſch / ke of Hieruſa-lem. Flemiſch und Niderlaͤndiſch / Piment und Druy-vencruydt. Hochteutſch aber Traubentraut/ Schwaben -kraut/ Krottenkraut/ und Tuͤrckiſcher Beyfuß. Etliche

nennens von wegen der Geſtalt der Blaͤttern/ fo es mit

oder viet Spannenlang/ mit vielen Nebenaͤſtlein, etz

nem Staͤudlein gleich. Unten an dem Aeſtlein wach-fen herfur langlechte Blaͤtter/ die find gekerfft undeieff eingeſchnitten/ der Wegwarten Blaͤtter/ oder vielmehr dem Eichenlaub ahnlich/ die find klebrechtig oderhartzechtig. An den Stengeln und Neben zweygleinwachſen oben zwiſchen den Blaͤttern viel kleiner geelerBluͤmlein herfuͤr/ der Trauben oder Weinrebenbluͤtnicht ungleich/ darauß wird viel kleiner Saamen/ wie

dem Eichenlaub hat/ Welſch Eichenlaub. IBotrysAmbroſioides vulgaris C. B. Botrys Trag. Matth .Fuch. Tur. Ang. Dod. Lac. Cord. hiſt. Geſ. hort. Ad-Lobel. icon& obs. Ca. Cæſ. Lugd. Ger. Cam. cui&Patientia Italor . Artemiſia Turcica, Eyſt. AlteraAmbroſiæ ſpecies, cujus ſemen Amomum officin,quibuſclam, Cord. in Dioſc.

Von der Krafft/ Eigenſchafft und Wirckungdes Traubenkrauts.Dez Traubenkraut iſt warm und trucken im andernGrad/ es hat ein Krafft und Eigenſchafft/ zu er-waͤrmen/ zu truͤcknen/ durchzudringen/ zu ſaͤubern undoͤffnen/ und wird heutiges Tages mehr in der Artzney/dann bey den Alten gebraucht.

Innerlicher Gebrauch des Trau-. benkrauts.Eiche Apothecker oder Materialiſten brauchen denSaamen dieſes Krauts vor das àmomum, undgeſchicht ſolches zum theil aus Unverſtand/ zum theilauch aus falſchem Betrug.Dioſeorides Plinius und ,,,lebe-