Das Erle Buch/ Von Kräutern:
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A durchſtochen/ als wann es die Würm durchbiſſen het, F der Magſamen/ doch kleiner/ der hangt im Augſt⸗ und
ten/ und ſollen die Blaͤtter dem Raucken oder weiſſenGenffblaͤtern gleich ſeyn/ und vergleichẽ ſich die Bluman der Farb dem Saffran/ und hab dieſelbige breiteBlaͤtter. Was dann erſtlich der Thunisblumen Blaͤt-zer anlanget/ hat ſolche nicht wenig ſondern viel/ find
auch den Blaͤttern des weiſſen Senffs nicht gleich/
ſondern dem Neynfahrn oder Baldrian, zu dem ſind
ſöe nicht durchſtochen. Was dann die geele Blum ans
langet die breite Blätter haben ſoll⸗ kan darauß nichtsgewiß geſchloſſen werden/ daß darum dieſes GewaͤchsOthonna der Alten ſeyn ſolte Sintemal man derKraͤuter vielmehr findet/ die Saffrangeele Blumenhaben, und breite Blaͤtter, find aber darum nicht
Irhonna. Dieweil dann nun auch dieſes Kraut/ mit
B der zweiffelhafftigen Beſchreibung Dioſcoridis nicht
CTraubeti-
Nraut.
überein ſtimmet/ iſt deſtoweniger der Meynung An-dreæ Lacunæ beyzufallen. Othonna heiſſetkzriechiſchauch OR.
Das IX. Cap.Von dem Traubenkraut oder Tuͤrcki-ſchem Beyfuß.
Traubenktraut.
Botrys.
Jeweil das Traubenkraut/ beide von den al-Iten und neuen Aertzten/ vor ein Beyfuß Ge-ſchlecht gehalten wird/ haben wir demſelben
mhhie auch ein Plaß einraumen wollen. Traubenkraut
E hat ein weiß ausgebreite Wurtzel/mit vielen Zaſeln oder K
Nebenwuͤrtzeln behenckt/ aus deren komt im Frühlingherfür ein einziger runder/ rothlechter/ gekruͤmbter undrauher Stengel eines Kinds Fingers dick/ und iij.
G
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Herbftmonat ſo dick in einander/ wie die Trauben/ iſtGeelfarb/ wie auch das gantz Gewaͤchs/ eines ſtar cken/und doch lieblichen anmuthigen Weingeruchs und bit-tern Geſchmacks. Wann der Saamen zeitig wird/ ſowerden die Blätter gar fahl/ und fallen ab. Iſt einSommergewaͤchs/ und muß jaͤhrlich wiederum vomSaamen auffgezielet werden: Wiewol/ wo es einmalhingepflantzet wird, waͤchſt es vor ſich ſelbſt wider vondem außgefallenen Saamen. Es waͤchſt gern bey Waſ-ſergraͤben/ Regenbaͤchen und andern feuchten Orten.Bey uns in Teutſchland wird es in den Luſtgaͤrten ge-pflantzet/ aber in Franckreich/ Italien und Boͤhmer-land/ waͤchſt es vor ſich ſelbſt.Von dem Namen dieſes Krauts.
Es iſt dieſes Hewaͤchs bey dem Dioſcoride lib. 3. c=
117. wie auch bey dem Plinio lib. 27. cap. 8. Deß-gleichen auch von Paulo Ægineta, auch wie zu unſernZeiten unter die Geſchlecht des Beyſuß gezehlet wor-den. Dann es gemeiniglich von den Kraͤutlern heuti-ges Tages Artemiſia Turcica, und Tůrckiſcher Bey-fuß genant wird. Theodoricus Dorſtenius in ſeinemBotanico, macht aus dem Botri der Alten/ und Am-broſia ein Ding/ und das nicht ohn ein kleinen Irꝛ-thum/ dann es zwey unterſchiedliche Kraͤuter ſind/und von den Alten auch ein jedes beſonder beſchriebenworden: Und wiewol Dioſcorides und Plinius lib-27. cap. 4. ſchreiben/ daß das Kraut Ambroſia, auchvon etlichen Botrys genant wird/ ſolget darum nichtdarauß/ daß Ambroſſa Botrys ſeye. Noch ein groͤſſernIrꝛthum begehet Dorſtenius, in dem daß er die wildeSalbey vor Botrim und Ambroſiam(wie er dieſe bey-de Kraͤuter confundirt) haltet/ welche dann mit denengenanten Kräutern gar kein Gleichnuß hat/ welchesein jeder leichtlich ab beiden Beſchreibungen der Krauster Botryos und Ambroſiæ, bey dem Dioſcoride abenehmen kan/ der ſie gegen denſelben examiniret. Botrysheiſſet Griechiſch Böteus das iſt/ Uva herba, Latei-niſch Herba Botri, Muercula peregrina, oder Quer-cula Turcica, und auch von dem Dioſcoride.. 5Mia Kern mad cui, das iſt/ Ambroſia Cappodocia,damit er dieſes Gewaͤchs von dem wahren Ambroſiaunterſcheidet. Italiaͤnſſch heiſſet es Bor, und zu Berezel Morma. Frantzöſich/ Millegrains und kyment, in Sa-voien aber la Mugraine. Hiſpaniſch/ Biengranada. Boͤ-hemiſch/ Hroznowa bylina. Engliſch / ke of Hieruſa-lem. Flemiſch und Niderlaͤndiſch / Piment und Druy-vencruydt. Hochteutſch aber Traubentraut/ Schwaben -kraut/ Krottenkraut/ und Tuͤrckiſcher Beyfuß. Etliche
nennens von wegen der Geſtalt der Blaͤttern/ fo es mit
oder viet Spannenlang/ mit vielen Nebenaͤſtlein, etz
nem Staͤudlein gleich. Unten an dem Aeſtlein wach-fen herfur langlechte Blaͤtter/ die find gekerfft undeieff eingeſchnitten/ der Wegwarten Blaͤtter/ oder vielmehr dem Eichenlaub ahnlich/ die find klebrechtig oderhartzechtig. An den Stengeln und Neben zweygleinwachſen oben zwiſchen den Blaͤttern viel kleiner geelerBluͤmlein herfuͤr/ der Trauben oder Weinrebenbluͤtnicht ungleich/ darauß wird viel kleiner Saamen/ wie
dem Eichenlaub hat/ Welſch Eichenlaub. IBotrysAmbroſioides vulgaris C. B. Botrys Trag. Matth .Fuch. Tur. Ang. Dod. Lac. Cord. hiſt. Geſ. hort. Ad-Lobel. icon& obs. Ca. Cæſ. Lugd. Ger. Cam. cui&Patientia Italor . Artemiſia Turcica, Eyſt. AlteraAmbroſiæ ſpecies, cujus ſemen Amomum officin,quibuſclam, Cord. in Dioſc.
Von der Krafft/ Eigenſchafft und Wirckungdes Traubenkrauts.Dez Traubenkraut iſt warm und trucken im andernGrad/ es hat ein Krafft und Eigenſchafft/ zu er-waͤrmen/ zu truͤcknen/ durchzudringen/ zu ſaͤubern undoͤffnen/ und wird heutiges Tages mehr in der Artzney/dann bey den Alten gebraucht.