Buch 
D. Iacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kräuter-Buch : darinnen uber 3000. Kräuter, mit schönen und kunstlichen Figuren, auch deren Underscheid und Würckung, samt ihren Namen in mancherley Sprachen, beschrieben : Desgleichen auch, wie dieselbige in allerhand Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehs, sollen angewendet und gebraucht werden, angezeigt wird / erstlichen durch Casparum Bauhinum D. und Profess. Basil. mit vielen neuen Figuren, nutzlichen Artzneyen, und anderem, mit sonderem Fleis gebesseret, zum andern durch Hieronymum Bauhinum, D. und Profess. Basil. mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, neuen Registeren und anderem vermehrt
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J.Habhern.

642 D. Jacobi Theodori Tabernaemontani-A

bern, AHabe, VE

, AZ.

Von dem Habern.A Nangeſehen daß der Habern bey den Alten nie

Hin ſolchen hohen Würden gehalten iſt worden

WM wie er heutiges Tags bey uns gehalten wird/und derſelbig bey ihnen/ wie Galen. lib.. alim.ſchreibet/ allein zu dem Gebrauch des Rindbiehes ge-ſaͤet worden ſeye/ haben wir nicht unterlaſſen woͤllen/denſelben hie in dieſem Capitel zu beſchreiben/ und inſeiner Wurden/ die er ſonderlich bey uns Teutſchenaus langwiriger Erfahrung und taͤglichem Gebrauchuͤberkommen/ dieſelbigen zu loben und zu ruͤhmen/ alseines vaſt nutzlichen Getraͤids/ deſſen wir ſo wenig als

des Weizens /Spelt und Korns und der Gerſten ent 1

rahten koͤnnen/ woͤllen derowegen dieſe Frucht erſtlich/fo viel die Geſtalt belangt/ und wie fie gefäet werdenſoll/ beſchreiben/ darnach auch deren nuͤßlichen Ge-

brauch beyde in der Speiß und Artzney anzeigen/ und

find aber deſſen zwey unterſchiedliche Geſchlecht.

J. Das erſt und gemeineſt Geſchlecht iſt mit feinenerſten Keimen/ Graßblaͤttern/ Haͤlmern und Gewerb-lein/ dem Weitzen gleich/ wie auch Dioſcorides lib. 2.

cap. 28. bezeuget. Die Aeher ſchlieffen aus den graß-

echtigen Scheiden/ thun ſich darnach aus einanderwie die Strauß oder Aeher am Rohr. Die langenſpitzigen Granen hangen ledig zwiſchen den aufgetha-nen Flügeln der Aehren/ je zwo Granen neben eingn-der/ und iſt deren eins gröͤſſer dann das ander/ die findaußgeſpreitet/ und mit ihren Fluͤgeln aufgethan/ an-zuſehen wie die Heuſchrecken. Dieſes Getraͤtd wirdbey uns gegen dem Lentzen/ im Ende des Hornungs/und im anfang des Mertzens/ geſaͤet. Man ſaͤet auchſolche Frucht nicht in gute ſondern in wilde Felder/ dieman mit der Tunge nicht wol erreichen kan/ als da findfelßechtige oder bergechtige Derter/ wie im Schwart-wald/ Waßgau/ im Heſſenland/ und in der Eiffel/ znſehen iſt/ dann dieſes Getraͤid maͤrgelt ein gut/ feiſt undwolgeduͤngt Erdreich in kurtzen Jahren aus/ wie ſol-ches auch T heophraſtus lib. 8. hiſtor. cap. 9 neben derAckerleut taglichen Erfahrung bezeuget und der PoerVirgil ius lib. i. Georg. gedenckt/da er alſo ſpricht:

. v0:

Nacketer Habern, Vena nuda,

H

NUrunt lethes perfuſa papavera ſomno.Es muß der Habern, ſoll er ſchoͤn/ vollkommenſſchund reichlich wachſen, zimlichen Regen haben/ denPfleger man zu maͤhen/ wann das Rockenkorn/ Wei-tzen/ Speltz und Gerſten eingeerndet hat. J

II. Das ander Geſchlecht des Haherns iſt dem jet n.

gemeldten/ fo viel das Gewaͤchs anlangt/ gleich/ allein Mutdaß die Körner mit der Farb der nackenden Gerſten SModer Weitzenſpeltz Ähnlich find/ und nicht alfo in Hůl

fen eingeſchloſſen wie der gemein Habern/ und iſt auchdieſes Geſchlecht nicht fo gemein/ ohnangeſehen daß es

beſſer und wolgeſchmackter ift/ als der gemein Habern.Von den Namen des Haberns.Dor Habern wird Griechiſch/ Bac S, oder Bpo-

; und Bu&, per tranſpoſitionem litera-rum, A xpsar e und gb σꝗsßLis, genannt. Katel=niſch⸗ iomus, Acroſpelus, Siphonium und Avena.Avena vulgaris feu alba, C. B. Avena, Brun. Matt.

Fuch. Tur. Ama. Dodon. Lac. Lon. Lobel. Caſt. Ad-Lugd.Sativa& prima Trago. veſca, Ad. Lob. Ger-mitior, Cæſ. frumentum, Sordo in Dioſc. Aveneprima ſpecies angu. Von Serapione lib. ſimp. a.wird er Arabiſch/ cHurtal genannt/ da der Doll metſcherihn auch faͤlſchlich Cartharmum verdollmetſchet hat/ wel-ches Wort eigentlich dem wilden Saffran gebůͤhret/von andern wird er auch Polmelarfich geheiſſen. Ita­ liaͤniſch / Vena, Lanena Gena, gpena, und Fiayd. MlſpaK niſch/ dyena. Frantzoͤſiſch/ reine und Axone. BoͤhmiſchWones. Ungeriſch/ Zab. Engliſch / Stes/ Dates undHaver. Flehmiſch und Brabaͤndiſch/ Haver/ und Hoch-teutſch⸗ Haber.;

II. Das ander Geſchlecht wird von den Kraͤutlern/dieweil es nicht wie der gemein Haber in den Hůlſenbeſchloſſen ligt/ ſondern bloß darinn waͤchſt/(Avenanudla. C. B. Adv. Lob. Dod. Ger.] genant. Engliſch /Naked oates. Flemiſch und Brabaͤndiſch/ naeckteHaver/ und Hochteutſch/nacketer Haber. Das Haber-

meel nennen die Frantzoſen/ arme daupine. La-teiniſch wird es Avenacea farina,geheiſſen.

Den

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