J.Habhern.
642 D. Jacobi Theodori Tabernaemontani-A
bern, AHabe, VE——
, AZ.
Von dem Habern.A Nangeſehen daß der Habern bey den Alten nie
Hin ſolchen hohen Würden gehalten iſt worden
WM wie er heutiges Tags bey uns gehalten wird/und derſelbig bey ihnen/ wie Galen. lib.. alim.ſchreibet/ allein zu dem Gebrauch des Rindbiehes ge-ſaͤet worden ſeye/ haben wir nicht unterlaſſen woͤllen/denſelben hie in dieſem Capitel zu beſchreiben/ und inſeiner Wurden/ die er ſonderlich bey uns Teutſchenaus langwiriger Erfahrung und taͤglichem Gebrauchuͤberkommen/ dieſelbigen zu loben und zu ruͤhmen/ alseines vaſt nutzlichen Getraͤids/ deſſen wir ſo wenig als
rahten koͤnnen/ woͤllen derowegen dieſe Frucht erſtlich/fo viel die Geſtalt belangt/ und wie fie gefäet werdenſoll/ beſchreiben/ darnach auch deren nuͤßlichen Ge-
brauch beyde in der Speiß und Artzney anzeigen/ und
find aber deſſen zwey unterſchiedliche Geſchlecht.
J. Das erſt und gemeineſt Geſchlecht iſt mit feinenerſten Keimen/ Graßblaͤttern/ Haͤlmern und Gewerb-lein/ dem Weitzen gleich/ wie auch Dioſcorides lib. 2.
cap. 28. bezeuget. Die Aeher ſchlieffen aus den graß-
echtigen Scheiden/ thun ſich darnach aus einanderwie die Strauß oder Aeher am Rohr. Die langenſpitzigen Granen hangen ledig zwiſchen den aufgetha-nen Flügeln der Aehren/ je zwo Granen neben eingn-der/ und iſt deren eins gröͤſſer dann das ander/ die findaußgeſpreitet/ und mit ihren Fluͤgeln aufgethan/ an-zuſehen wie die Heuſchrecken. Dieſes Getraͤtd wirdbey uns gegen dem Lentzen/ im Ende des Hornungs/und im anfang des Mertzens/ geſaͤet. Man ſaͤet auchſolche Frucht nicht in gute ſondern in wilde Felder/ dieman mit der Tunge nicht wol erreichen kan/ als da findfelßechtige oder bergechtige Derter/ wie im Schwart-wald/ Waßgau/ im Heſſenland/ und in der Eiffel/ znſehen iſt/ dann dieſes Getraͤid maͤrgelt ein gut/ feiſt undwolgeduͤngt Erdreich in kurtzen Jahren aus/ wie ſol-ches auch T heophraſtus lib. 8. hiſtor. cap. 9 neben derAckerleut taglichen Erfahrung bezeuget und der PoerVirgil ius lib. i. Georg. gedenckt/da er alſo ſpricht:
. v0:
Nacketer Habern, Vena nuda,
H
NUrunt lethes perfuſa papavera ſomno.Es muß der Habern, ſoll er ſchoͤn/ vollkommenſſchund reichlich wachſen, zimlichen Regen haben/ denPfleger man zu maͤhen/ wann das Rockenkorn/ Wei-tzen/ Speltz und Gerſten eingeerndet hat. J
II. Das ander Geſchlecht des Haherns iſt dem jet n.
gemeldten/ fo viel das Gewaͤchs anlangt/ gleich/ allein Mutdaß die Körner mit der Farb der nackenden Gerſten SModer Weitzenſpeltz Ähnlich find/ und nicht alfo in Hůl
fen eingeſchloſſen wie der gemein Habern/ und iſt auchdieſes Geſchlecht nicht fo gemein/ ohnangeſehen daß es
beſſer und wolgeſchmackter ift/ als der gemein Habern.Von den Namen des Haberns.Dor Habern wird Griechiſch/ Bac S, oder Bpo-
; HÖ und Bu&, per tranſpoſitionem litera-rum, A xpsar e und gb σꝗsßLis, genannt. Katel=niſch⸗ iomus, Acroſpelus, Siphonium und Avena.Avena vulgaris feu alba, C. B. Avena, Brun. Matt.
Fuch. Tur. Ama. Dodon. Lac. Lon. Lobel. Caſt. Ad-Lugd.Sativa& prima Trago. veſca, Ad. Lob. Ger-mitior, Cæſ. frumentum, Sordo in Dioſc. Aveneprima ſpecies angu. Von Serapione lib. ſimp. a.wird er Arabiſch/ cHurtal genannt/ da der Doll metſcherihn auch faͤlſchlich Cartharmum verdollmetſchet hat/ wel-ches Wort eigentlich dem wilden Saffran gebůͤhret/von andern wird er auch Polmelarfich geheiſſen. Ita liaͤniſch / Vena, Lanena Gena, gpena, und Fiayd. MlſpaK niſch/ dyena. Frantzoͤſiſch/ reine und Axone. BoͤhmiſchWones. Ungeriſch/ Zab. Engliſch / Stes/ Dates undHaver. Flehmiſch und Brabaͤndiſch/ Haver/ und Hoch-teutſch⸗ Haber.;
II. Das ander Geſchlecht wird von den Kraͤutlern/dieweil es nicht wie der gemein Haber in den Hůlſenbeſchloſſen ligt/ ſondern bloß darinn waͤchſt/(Avenanudla. C. B. Adv. Lob. Dod. Ger.] genant. Engliſch /Naked oates. Flemiſch und Brabaͤndiſch/ naeckteHaver/ und Hochteutſch/nacketer Haber. Das Haber-
meel nennen die Frantzoſen/ arme daupine. La-teiniſch wird es Avenacea farina,geheiſſen.
Den
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