Buch 
D. Iacobi Theodori Tabernaemontani Neu vollkommen Kräuter-Buch : darinnen uber 3000. Kräuter, mit schönen und kunstlichen Figuren, auch deren Underscheid und Würckung, samt ihren Namen in mancherley Sprachen, beschrieben : Desgleichen auch, wie dieselbige in allerhand Kranckheiten, beyde der Menschen und des Viehs, sollen angewendet und gebraucht werden, angezeigt wird / erstlichen durch Casparum Bauhinum D. und Profess. Basil. mit vielen neuen Figuren, nutzlichen Artzneyen, und anderem, mit sonderem Fleis gebesseret, zum andern durch Hieronymum Bauhinum, D. und Profess. Basil. mit sehr nutzlichen Marginalien, Synonimis, neuen Registeren und anderem vermehrt
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. i. ſunde Speiß für das Gruͤn in der Nieren/ die Harn-

Das Erſte Buch/ Von Kräutern.

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A Von der Natur⸗ Krafft/ Wirckung und Eis F ter und Saltz darzu, laſſens wol mit einander ſieden/

genſchafft des Haberns.Dr Habern iſt ein wenig kühler als die Gerſt/ undhat auch etwas ſtopffende Art und ligenſchaff-alſo daß fie auch die Bauchflůß ſtopffet. Sie trücknerauch darneben und zertheilet maͤſſiglich. Galenus ſagtin der Speiß ſeye er warmer Natur/ und in der Artzneyfaltet Complexion/ und wird er innerlich und aͤuſſer-lich zur Speiß und Artzney nutjlich gebraucht.Innerlicher Gebrauch des Haberns.Linius lib. iS. cap. i. ſchreibet/ daß die Teutſchenlein ander Gemuͤß oder Brey eſſen dann Habern-hrey/ welches falſch iſt/ dann obwol der Habernbrey eingemeine Speiß iſt, und mehr in unſerm Teutſchland

ſo wird es auch lieblich zu eſſen. Andere waͤſchen dieHaberkern und klauben ſie ſauber aus/ ſetzen die mitguter friſcher geſottener Milch zu /laſſens wol ſieden/ ſowird ein gute anmůhtige Speiß daraus, die ſehr wolſpeiſet und nehret.

Die Reuter und Kriegsvolck wann fie zu Feld zie-hen/ ſo ruͤſten fie ſich mit Habermeel/ roͤſchten es wol inButter /ſchlagens alſo in ein Faͤßlein ein/ wann fie nunetwan in ein Ort kommen/ da nicht viel uͤbriger Pro-viant iſt/ fo koͤnnen ſie auf ein Eil ein paar Eſſen ausHabermeel bereiten. Erſtlich nemmen ſie ein Loͤffel volloder vier Habermeel/ das alſo in Buttern geroͤſchtet iſt/thuns in ein Pfann oder Hafen/ gieſſen Waſſer zu/ laſ-ſens wol ſieden/ ſaltzens daß genug iſt/ fo haben fie ein

Bz ſonderlich in Waßgau/ Odenwald / Algau⸗ Torgau/ G gute Suppen/ die eſſen fie mit Brot. Woͤllen fie dann

Schwaben und andern vielen Orten/ da fie dieſe Breyſonderlich wol zu kochen und bereiten wiſſen/ genoſſenwerden/ fo gebrauchen fie doch auch darneben Grieß-meel/ Heidenkornmeel/ Weitzen und Speltzenmeel/daraus fie dann auch gute Brey zu machen pflegen.Sonſt iſt nicht ohne/ daß zu unſern zeiten das Haber-meel und Haberkern alſo in ein guten Ruff/ als eingeſunde Koſt kommen/ daß nicht allein das Baurs-volck/ Handwercksleut und gemeine Buͤrger/ ſondernauch die vom Adel/ ja auch Grafen / Fuͤrſten und Hereren des Haberkerns und Habermeels in ihren Küchennicht entrahten wollen/ ſonder laſſen koͤſtliche und guteSuppen/ Brey und Muͤßlein daraus machen/ die nitallein die gefunden Menſchen eſſen/ ſondern auch dieC Krancken vielfaltig genieſſen.Der Haberkern oder Habermeel in der Speiß ge-

Sitig-, noſſen/ es ſey gleich in Suppen oder Breyen/ oder wiemnranhet, der immer mag gebraucht werden/ dienet ſonderlich inWicht, dem hitzigen Haubtwehethum/ und ſonſt auch in allen

g der Rranckhelten des Haubts und der Augen von Hit

rm ö derurſachet/ deßgleichen den Hirnwuͤtigen und Tob-ier nn, ſüͤchtigen/ denen ſo mit dem Schwindel beladen find,

. und die das Parlyß geruͤhrt hat/ bekom̃t über die maß

Menjgen. wol den Huſtenden/ und denen fo mit innerlichen Apo-

Gliedluht, ſtemen oder Seiten wehe behaftet ſind/ deßgleichen den

|. Leberſuͤchtigen und Miltzſüchtigen/ und alteriert die

il mn hizige Entrichtung gemelter Glieder/ dienet auch dendri. ontracten Menſchen/ deßgleichen den Gliedſuͤchtigen/Hamnpinß. Podagraͤmiſchen/ und denjenigen fo das Tertian oder

D Quartan Fieber haben/ iſt auch ein fuͤrtreffenliche ge-

winde und das ſchwerlich harnen/ dient für die Heiſſe-rigkeit/ alle Gebrechen der Bruſt von Hitz verurſacht/

und iſt ſonderlich heilſam denen/ ſo Eyter außwerffen/und ein gebenedeyte Speiß und Artzney in allen hitzt-gen und peſtilentziſchen Fiebern.

EN Die Haberkern kocht man mit Rindfleiſchbruͤh oder

elner Haberbruͤhen/ dünn oder dick/ wie es einem jedengefaͤlt/ und ſtreuet Peterleinkraut/ oder andere wolrie-chende und gute Kräuter klein geſchnitten darüber/ diefind beyde gut und ein koͤſtliche gute Speiß/ beyde fürgeſunde und krancke Leut/ dann fie ſtaͤrcken und gebenſehr gute Nahrung.Die Breylein oder Slipplein von Habermeel wer-E den auch auf viel weg bereitet. Etliche bereiten dasHäbermeel mit ein wenig Butter, gieſſen darnach

Waſſer zu/ laſſens wol ſteden/ ſalzens das genug iſt/

und gebrauchens für ein Suͤpplein/ etliche thun einwenig Eſſigs oder Agreſts darzu daß es ein wenig(aufs

muüthnte Dei werde, ſonderſſch abet, wann fie dleſe Su plein

den Febricitanten geben woͤllen.

Etliche roͤſchten das Habermeel/ wie oben gemeldet/und machens an mit einer Erbesbrůͤhen, gchens alſoden Rrancken/ oder machens ein wenig fauerlechtigmit Agreſt oder Eſſta.

Etliche nem̃en Haberkern/ quellen die und waͤſchendie ſauber aus/ ſezen die zu mit Erbeshrůuͤhen/ hun Bu⸗-

auch ein guten Brey machen/ ſo nemmen ſie des Ha-bermꝛels mehr/ gieſſn Waſſer/ laſſnns darnach zu ei-nem Brey ſieben/ fo haben fie zwey guter Gerücht/ darran fie ſich wol ſaͤttigen koͤnnen/ und thun ſolche Spei-ſen den Kriegsleuten manchmal ſehr wol.

Die gemeinen Haußleut pflegen ihre Haberbreyauch obgemeldter maſſen zu bereiten/ und ſpeiſen ihreKinder und Haußgeſind darmit/ und iſt in der War-heit ein gute und geſunde Koſt/ die ſehr wol nehret undſtaͤrcket/ welches die taͤgliche Erfahrung bezeuget/ ohneangeſehen daß der Habern bey den Alten darfür nichtgehalten/ ſondern allein für ein Speiß und Futter derPferd und des Rindviehs iſt gebraucht worden. Aberwir haben aus taͤglicher Erfahrung/ daß die Kinder

H und Jugend/ die mit Haberkern und gekochtem Ha-

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bermeel geſpeiſet werden/ ſehr ſtarck und wol gefärbtdar von werden/ wie ſolches auch die fremden Natio­ nes , die zu uns kommen/ bezeugen muͤſſen/ ſonderlichaber die Engellaͤnder/ die ihre Kinder allein mit Habergeſpeiſet/ und ihnen Morgens und Abends zur Spaßund Nahrung einen guten dünnen Haberbrey laſſenmachen/ darinn fie die Broſam von Rockenbrot ge-riebelt/ und darmit dick gemacht/ das haben die Kinderzum Morgen und Nachtimbiß eſſen und ſich darmitſaͤttigen muſſen darvon fie dann fo ſtarck und ſchoͤnfind worden/ wie Milch und Blut gefaͤrbet/ daß ſichauch der fuͤrtreffenliche und Hochgelehrte Mann/Doctor Guilielmus Turnerus, daruͤber verwundernmüſſen/ welcher auch feine Kinder mit ſolcher Speißerzogen/ und dem Haber deßwegen auch ein beſondernPreiß und Lob zugeſchrieben und denſelben mehr alszuvor in ſondern Wuͤrden gehalten.

Wil man aber die Haberbrey beſſer haben/ ſo magman die mit guter Huͤnerbrey/ oder aber mit Dchſen-fleiſchbruͤhe ſieden und abbereiten/ fo nehren fie viel-mehr/ und ſtaͤrcken beſſer.

Etliche ſieden das Habermeel mit friſcher Milchvaſt wol zu einem Brey/ das nehret auch ſehr wol/ iſtalten und jungen Leuten/ inſonderheit aber den Kin-dern ein liebliche und heilſame Speiß und Nahrung/die ihnen nicht mag verbeſſert werden.

Etliche ſieden ſolche Breylein mit guter Mandel-milch fuͤr die krancken und außgematten Menſchen/deßgleichen auch für die Febricitanten/ und kraͤfftigen

K ſie ſehr wol.

Galenus der berühmte Griechiſch Artzt/ lib. 1. alim.ſchreibt/ daß man zu ſeiner zeit die Haberkern mit Waſ-fer gekocht habe/ und die mit ſuͤſſem Wein/ oder geſot-tenem Moſt/ oder aber mit Honigwein geeſſen hab.

Etliche aber zu unſerer Zeit machen einen herꝛlichenBrey aus dem Habermeel für geſunde und kranckeLeut/ der treffliche gute Nahrung gibt/ ſehr wol ſpeiſetund kraͤfftiget. Sie nem̃en Habermeel wenig oder viel/ſchuͤtten darüber guten weiſſen Wein/ und gute feiſteOchſenfleiſch⸗ H ammelfleiſch⸗Huͤner/ oder Capaunen-bruͤhe/ was fie jederzeit bey der hand haben/ jedes gleichviel/ hun Butter und Salt jedes fo viel genug iſt/ dar-

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