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. i. ſunde Speiß für das Gruͤn in der Nieren/ die Harn-
Das Erſte Buch/ Von Kräutern.
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A Von der Natur⸗ Krafft/ Wirckung und Eis F ter und Saltz darzu, laſſens wol mit einander ſieden/
genſchafft des Haberns.Dr Habern iſt ein wenig kühler als die Gerſt/ undhat auch etwas ſtopffende Art und ligenſchaff-alſo daß fie auch die Bauchflůß ſtopffet. Sie trücknerauch darneben und zertheilet maͤſſiglich. Galenus ſagtin der Speiß ſeye er warmer Natur/ und in der Artzneyfaltet Complexion/ und wird er innerlich und aͤuſſer-lich zur Speiß und Artzney nutjlich gebraucht.Innerlicher Gebrauch des Haberns.Linius lib. iS. cap. i. ſchreibet/ daß die Teutſchenlein ander Gemuͤß oder Brey eſſen dann Habern-hrey/ welches falſch iſt/ dann obwol der Habernbrey eingemeine Speiß iſt, und mehr in unſerm Teutſchland
ſo wird es auch lieblich zu eſſen. Andere waͤſchen dieHaberkern und klauben ſie ſauber aus/ ſetzen die mitguter friſcher geſottener Milch zu /laſſens wol ſieden/ ſowird ein gute anmůhtige Speiß daraus, die ſehr wolſpeiſet und nehret.
Die Reuter und Kriegsvolck wann fie zu Feld zie-hen/ ſo ruͤſten fie ſich mit Habermeel/ roͤſchten es wol inButter /ſchlagens alſo in ein Faͤßlein ein/ wann fie nunetwan in ein Ort kommen/ da nicht viel uͤbriger Pro-viant iſt/ fo koͤnnen ſie auf ein Eil ein paar Eſſen ausHabermeel bereiten. Erſtlich nemmen ſie ein Loͤffel volloder vier Habermeel/ das alſo in Buttern geroͤſchtet iſt/thuns in ein Pfann oder Hafen/ gieſſen Waſſer zu/ laſ-ſens wol ſieden/ ſaltzens daß genug iſt/ fo haben fie ein
Bz ſonderlich in Waßgau/ Odenwald / Algau⸗ Torgau/ G gute Suppen/ die eſſen fie mit Brot. Woͤllen fie dann
Schwaben und andern vielen Orten/ da fie dieſe Breyſonderlich wol zu kochen und bereiten wiſſen/ genoſſenwerden/ fo gebrauchen fie doch auch darneben Grieß-meel/ Heidenkornmeel/ Weitzen und Speltzenmeel/daraus fie dann auch gute Brey zu machen pflegen.Sonſt iſt nicht ohne/ daß zu unſern zeiten das Haber-meel und Haberkern alſo in ein guten Ruff/ als eingeſunde Koſt kommen/ daß nicht allein das Baurs-volck/ Handwercksleut und gemeine Buͤrger/ ſondernauch die vom Adel/ ja auch Grafen / Fuͤrſten und Hereren des Haberkerns und Habermeels in ihren Küchennicht entrahten wollen/ ſonder laſſen koͤſtliche und guteSuppen/ Brey und Muͤßlein daraus machen/ die nitallein die gefunden Menſchen eſſen/ ſondern auch dieC Krancken vielfaltig genieſſen.Der Haberkern oder Habermeel in der Speiß ge-
Sitig-, noſſen/ es ſey gleich in Suppen oder Breyen/ oder wiemnranhet, der immer mag gebraucht werden/ dienet ſonderlich inWicht, dem hitzigen Haubtwehethum/ und ſonſt auch in allen
g der Rranckhelten des Haubts und der Augen von Hit
rm ö derurſachet/ deßgleichen den Hirnwuͤtigen und Tob-ier nn, ſüͤchtigen/ denen ſo mit dem Schwindel beladen find,
. und die das Parlyß geruͤhrt hat/ bekom̃t über die maß
Menjgen. wol den Huſtenden/ und denen fo mit innerlichen Apo-
Gliedluht, ſtemen oder Seiten wehe behaftet ſind/ deßgleichen den
|. Leberſuͤchtigen und Miltzſüchtigen/ und alteriert die
il mn hizige Entrichtung gemelter Glieder/ dienet auch dendri. ontracten Menſchen/ deßgleichen den Gliedſuͤchtigen/Hamnpinß. Podagraͤmiſchen/ und denjenigen fo das Tertian oder
D Quartan Fieber haben/ iſt auch ein fuͤrtreffenliche ge-
winde und das ſchwerlich harnen/ dient für die Heiſſe-rigkeit/ alle Gebrechen der Bruſt von Hitz verurſacht/
und iſt ſonderlich heilſam denen/ ſo Eyter außwerffen/und ein gebenedeyte Speiß und Artzney in allen hitzt-gen und peſtilentziſchen Fiebern.
EN Die Haberkern kocht man mit Rindfleiſchbruͤh oder
elner Haberbruͤhen/ dünn oder dick/ wie es einem jedengefaͤlt/ und ſtreuet Peterleinkraut/ oder andere wolrie-chende und gute Kräuter klein geſchnitten darüber/ diefind beyde gut und ein koͤſtliche gute Speiß/ beyde fürgeſunde und krancke Leut/ dann fie ſtaͤrcken und gebenſehr gute Nahrung.Die Breylein oder Slipplein von Habermeel wer-E den auch auf viel weg bereitet. Etliche bereiten dasHäbermeel mit ein wenig Butter, gieſſen darnach
Waſſer zu/ laſſens wol ſteden/ ſalzens das genug iſt/
und gebrauchens für ein Suͤpplein/ etliche thun einwenig Eſſigs oder Agreſts darzu daß es ein wenig(aufs
muüthnte Dei werde, ſonderſſch abet, wann fie dleſe Su plein
den Febricitanten geben woͤllen.
Etliche roͤſchten das Habermeel/ wie oben gemeldet/und machens an mit einer Erbesbrůͤhen, gchens alſoden Rrancken/ oder machens ein wenig fauerlechtigmit Agreſt oder Eſſta.
Etliche nem̃en Haberkern/ quellen die und waͤſchendie ſauber aus/ ſezen die zu mit Erbeshrůuͤhen/ hun Bu⸗-
auch ein guten Brey machen/ ſo nemmen ſie des Ha-bermꝛels mehr/ gieſſn Waſſer zů/ laſſnns darnach zu ei-nem Brey ſieben/ fo haben fie zwey guter Gerücht/ darran fie ſich wol ſaͤttigen koͤnnen/ und thun ſolche Spei-ſen den Kriegsleuten manchmal ſehr wol.
Die gemeinen Haußleut pflegen ihre Haberbreyauch obgemeldter maſſen zu bereiten/ und ſpeiſen ihreKinder und Haußgeſind darmit/ und iſt in der War-heit ein gute und geſunde Koſt/ die ſehr wol nehret undſtaͤrcket/ welches die taͤgliche Erfahrung bezeuget/ ohneangeſehen daß der Habern bey den Alten darfür nichtgehalten/ ſondern allein für ein Speiß und Futter derPferd und des Rindviehs iſt gebraucht worden. Aberwir haben aus taͤglicher Erfahrung/ daß die Kinder
H und Jugend/ die mit Haberkern und gekochtem Ha-
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bermeel geſpeiſet werden/ ſehr ſtarck und wol gefärbtdar von werden/ wie ſolches auch die fremden Natio nes , die zu uns kommen/ bezeugen muͤſſen/ ſonderlichaber die Engellaͤnder/ die ihre Kinder allein mit Habergeſpeiſet/ und ihnen Morgens und Abends zur Spaßund Nahrung einen guten dünnen Haberbrey laſſenmachen/ darinn fie die Broſam von Rockenbrot ge-riebelt/ und darmit dick gemacht/ das haben die Kinderzum Morgen und Nachtimbiß eſſen und ſich darmitſaͤttigen muſſen darvon fie dann fo ſtarck und ſchoͤnfind worden/ wie Milch und Blut gefaͤrbet/ daß ſichauch der fuͤrtreffenliche und Hochgelehrte Mann/Doctor Guilielmus Turnerus, daruͤber verwundernmüſſen/ welcher auch feine Kinder mit ſolcher Speißerzogen/ und dem Haber deßwegen auch ein beſondernPreiß und Lob zugeſchrieben und denſelben mehr alszuvor in ſondern Wuͤrden gehalten.
Wil man aber die Haberbrey beſſer haben/ ſo magman die mit guter Huͤnerbrey/ oder aber mit Dchſen-fleiſchbruͤhe ſieden und abbereiten/ fo nehren fie viel-mehr/ und ſtaͤrcken beſſer.
Etliche ſieden das Habermeel mit friſcher Milchvaſt wol zu einem Brey/ das nehret auch ſehr wol/ iſtalten und jungen Leuten/ inſonderheit aber den Kin-dern ein liebliche und heilſame Speiß und Nahrung/die ihnen nicht mag verbeſſert werden.
Etliche ſieden ſolche Breylein mit guter Mandel-milch fuͤr die krancken und außgematten Menſchen/deßgleichen auch für die Febricitanten/ und kraͤfftigen
K ſie ſehr wol.
Galenus der berühmte Griechiſch Artzt/ lib. 1. alim.ſchreibt/ daß man zu ſeiner zeit die Haberkern mit Waſ-fer gekocht habe/ und die mit ſuͤſſem Wein/ oder geſot-tenem Moſt/ oder aber mit Honigwein geeſſen hab.
Etliche aber zu unſerer Zeit machen einen herꝛlichenBrey aus dem Habermeel für geſunde und kranckeLeut/ der treffliche gute Nahrung gibt/ ſehr wol ſpeiſetund kraͤfftiget. Sie nem̃en Habermeel wenig oder viel/ſchuͤtten darüber guten weiſſen Wein/ und gute feiſteOchſenfleiſch⸗ H ammelfleiſch⸗Huͤner/ oder Capaunen-bruͤhe/ was fie jederzeit bey der hand haben/ jedes gleichviel/ hun Butter und Salt jedes fo viel genug iſt/ dar-
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