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und auf diese Weise zu einem diplomatischen Krieg führen, dermir desshalh so lange dauert, weil er nicht mit den Wallen aus-gefochten wird.
Die Pest war in Marseille am 26. oder 28. Juli 1720 aus-gebrochen und hatte die folgenden Monate durch entsetzliche Opfergekostet. Mau fürchtete auch für Lyon , das für den schweizeri-schen und deutschen Handel fast noch wichtiger war als Marseille und die Furcht vor Weiterverbreitung der Seuche wurde nochgrosser als bekannt wurde, es hätten sich aus Marseille 2 Galeeren-sträflinge, welche zur Peinigung der Stadt und Wegschaffung derin den Strassen liegenden unbeerdigten Leichen verwandt worden,geflüchtet und hätten sich an den Grenzen von Burgund sehenlassen. Die gesanmite Polizei Europas machte Jagd auf diese zweiCorpora delicti, welche die Welt in solchen Schrecken versetzten,sie wurden steckbrieflich verfolgt und ihr Signalement überall an-geschlagen.
Nun kamen aus Marseille gegen Ende December 1720 bessereNachrichten: die Seuche sollte um Dreiviertel altgenommen habenund Briefe von Neuenbürg zeigten an, dass Lyon , welches nichtiulicirl war, im Begriff sei, die Gorrespondenz mit Marseille wiederzu eröffnen, besonders da man in Marseille ein sicheres Mittel ge-funden, die Pest zu heilen (du vin emetique avec du sucre et dujus de eitronj. Lyon stand schon in Verbindung mit Marseille ,bevor in letzterer Stadt die Seuche erloschen! Der Gedanke er-schreckte alle Gennither und die angrenzenden Staaten erklärtenauch gegen Lyon die Sperre, ja gegen ganz Frankreich und dieösterreichische Begierung dehnte sie sogar auf Genf , das Waadt-land, und alles, was am Genfersee liegt, aus, auch auf Burgund wegen der zwei entwichenen Galeerensträflinge. Desshalh bittetBern in einem Schreiben vom 25. Oktober 1720 die kaiserlicheBegierung zu Innsbruck , den Bann gegen das Waadtland und Genf aufzulieben, da die heroische Begierung etliche Compagnien F’iisi-liere zu strenger Wache an den Grenzen der Waadt aufgeboten.Ferner schlägt Bern , da die Tagsalzung am 24. November 1721der Pest wegen sieb in Baden versammeln soll, auf den 3. Juli1721 eine Vorconferenz der Stände Freiburg , Solothurn , Neuen-burg, Bern zu Aarberg vor; Einladungen ergingen auch an Biel und den F'ürslbischof von Basel , die Conferenz durch einfache