Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
JPEG-Download
 

quartier der VIII. Legion, die von da an drei Jahrhunderte langhier stationierte.

Wie bei allen castra, so bildete sich auch hier neben demfesten Lager, in dem militärische Jurisdiktion galt und eineZivilbevölkerung nicht vorhanden war, eine Aussenstadt. An-fangs eine nur provisorisch aus Bretterbuden, canabae, erstellteMarkt- und Wohngelegenheit für die dem Heere folgenden Händ-ler, Wirte u. dgl. Wurde die Legion stehend, so auch die Buden-stadt; die leichten canabae wurden ersetzt durch solidere Häuser;die Ansiedelung erhielt städtischen Charakter. Auch die Soldaten,die nach vollendeter Dienstzeit Veteranen geworden waren, sie-delten sich in ihr an.

Aus der Verbindung der Händlerstadt mit dem keltischenOrte und dem römischen Castrum erwuchs dann das mittelalter-liche Strassburg .

Andere Ortschaften im römischen Eisass waren: Larga, Ari-albinum, Cambete (Kembs), Mons Brisiacus (Breisach ), Argento-varia, Helellum (Ehl), Brocomagus (Brumat), Saletio (Selz),Tabernae (Zabern ).

Als eine der charakteristischen Eigenschaften des römischenElsasses erscheint, dass es aufgebaut ist auf einer Mehrheit ver-schiedener Nationalitäten.

Von der Urbevölkerung vermögen wir nicht zu reden, sobestimmt auch ihre Existenz sich in allerhand Spuren undUeber-bleibseln bezeugt; solche sind z. B. die bei Egisheim und Boll-weiler gefundenen Knochen des Diluvialmenschen, Scherben,Hausgruben, Gräber, Steinwälle auf Gebirgshöhen usw.

Wohl aber kommen in Betracht die Kelten, die Germanen,die Römer. Drei Nationen, drei Kulturen. Die sich aber nichtgleichgestellt sind. Nur eine Nation und nur eine Kultur hat dasHerrscherrecht die römische.

Ausschliesslich gilt das jedenfalls für alle Dinge der staat-lichen Obergewalt und des Heeres.

Das Latein war obligatorisch für alles Offizielle. Die einge-bornen Sprachen durften dem gewöhnlichen Verkehre weiterdienen.

Wie überhaupt der Grundsatz gegolten zu haben scheint,das Autochthone zu schonen und weiter gewähren zu lassen.

18