Daher die alte Landesreligion geduldet wurde. Daher auch dieBestimmungen über Mass und Gewicht mit Schonung der über-lieferten Institutionen des Landes getroffen wurden. Insbesondereblieben die Gemeinden in der Verwaltung ihrer kommunalenAngelegenheiten und in der Bewirtschaftung ihres Bodens un-gestört.
Diesen Grundsätzen der Politik gegenüber ist allerdings zufragen, ob durch sie zu hemmen oder zu leiten waren die Gewalteiner ohne weiteres überlegenen Kultur und die aus dem Be-wusstsein der Weltherrschaft fliessende Art des Handelns imEinzelnen. Auch sollten wir wissen, wie mächtig, rein äusserlichbetrachtet, das römische Element im Lande war.
Jedenfalls handelt es sich auch hier um Entwicklung. Nichtnur der Natur der Sache gemäss, sondern auch entsprechendbestimmten Gestaltungen des Regiments. Die Diocletianische Ein-teilung z. B. schuf zahlreiche kleinere Bezirke und damit ver-mehrte Beamtenschaft, vermehrte Berührungen.
Auch daran ist zu erinnern, dass hier an der Grenze derstete Verkehr der Legionen mit den Eingebornen und die hiervorzugsweise geschehende Rekrutierung dem römischen Wesenraschen Eingang gab.
Eines freilich stand der Assimilierung im Wege: die Ver-schiedenheit der Sprache. Wie zähe ein Volk dem Eroberer undHerrscher gegenüber an seiner Sprache als an seinem Letzten,nach allen sonstigen Einbussen, festhält, zeigt gerade Gallien ,wo noch im sechsten Jahrhundert keltisch gesprochen wurde.
Dennoch war die allmählige Romanisierung des Elsassesunausweichlich. Sie hatte auch ihre unvergängliche historischeBedeutung, indem sie die autochthonen und die eingewandertenBarbaren der antiken Zivilisation teilhaft machte.
Aber wir wissen wenig vom Gang dieses merkwürdigenProzesses.
Nur von einem Stück Romanisierung kann geredet werden:von der Einführung des Christentums im Eisass.
Die Anfänge des Christentums in den Rheinlanden sind fürKöln und vor allem für Trier reich bezeugt; auch aus Metz habensich wichtige Zeugnisse erhalten. Nicht so aus dem Eisass.
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