Strassennetz vielfach unter Benützung von längst vorhandenenprähistorischen Wegen geschaffen worden. Aus keltischem, ger-manischem, italischem Stoffe, aber auch aus Elementen allerWelt, die schon universal geworden sind, bildet sich hier imGemenge ein neuer eigenartiger Kulturzustand.
Dieses Leben des römischen Elsasses ist mit demjenigen desMoseltales, wie es uns durch Ausonius voll Behagen und Anmutgeschildert wird, nicht zu vergleichen. Das Eisass war Militär grenze ; dass bei solchem Charakter des Landes die Kultur nichtdie Fülle und die Feinheit erlangen konnte, die sie anderwärtshatte, ist natürlich.
Indem wir dieser Einschränkung bewusst bleiben, folgenwir den Spuren römischen Wesens im Eisasse. Sie sind zahllosvorhanden; im Unter-Elsass zahlreicher als im obern Landesteil.Sie vergegenwärtigen uns die verschiedensten Formen des Da-seins, die mannigfaltigste Tätigkeit. Von den Münzen, Inschrif-ten, Reliefs, Altären, Grabsteinen, Meilenzeigern, Wasserleitun-gen, Ziegeln, Gefässen, usw. bis zu den Kastellen, bis zu denVillen in Hartmannsweiler, Lupstein, Saaraltdorf usw., den Mo-saikböden in Bergheim und Domfessel, den Töpfereien in Selzund Ittenweiler, den Thermen in Niederbronn .
Zu den wechselvollen Szenen des Lebens, die beim Anschauendieser Trümmer sich zeigen, treten noch andere Bilder: der Ver-kehr auf den Strassen, der Menschen und Gedanken ins Landbrachte; der schon in alter Zeit durch die Kelten betriebene, nundurch die Römer erneute und gemehrte Handel; namentlich aberdie Grundlage alles Lebens und Geniessens: die natürliche Be-schaffenheit des Landes, sein mildes Klima und die Fruchtbar-keit dieser sequanischen Erde, die schon Cäsar als die beste vonganz Gallien pries. Gerade hiebei denken wir an die segensvolleWirksamkeit römischer Herrschaft. Was die Kelten und die Ger-manen nicht kannten, der Anbau besserer Getreidearten und Ge-müse, die Aufzucht edeln Obstes, das kam durch die Römer insEisass. Damit auch, als das Anmutigste, ein unvergleichliches Ge-schenk Roms: der Weinbau. Der Einführung dieser Kultur tratfreilich zunächst noch die Handelskonkurrenz in den Weg, dadie beiden grossen Rhoneemporien Arles und Lyon hauptsäch-lich vom Vertriebe der italiänischen Weine lebten; die Wein-
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