walt eines andern, eines höher gearteten Staatsganzen, unter dieMacht der Franken .
Was hier am Oberrheine geschieht, hängt zusammen mitden Erlebnissen des Weltreiches.
Die Westgoten unter König Alarich fallen in Italien ein. Umdieses und die Kaiserstadt Rom zu retten, zieht der Reichsfeld-herr Stilicho die römischen Truppen aus Britannien und Gallien heran und überlässt die Verteidigung dieser Provinzen den mitRom verbündeten Germanenvölkern. Die Goten überwindet er inglänzenden Siegen, in den Jahren 402 und 405.
Aber nun ergiesst sich über das wehrloser gewordene Gal lien eine Völkerflut. Alanen und Vandalen, auch Sueben, Bur-gundionen usw. stürmten von Osten heran. Sie überschritten denRhein zwischen Mainz und Strassburg und eilten in das reicheRömerland. Auf dem Schlachtfelde überwältigten sie die für Rom kämpfenden Germanen. Dann ward die weite blühende Provinzihre Beute. «Nirgends mehr regte sich die Spur eines Wider-standes. Mit fatalistischer Ergebung erwartete die Bevölkerungder gallischen Städte bei den Freuden des Zirkus ihren Unter-gang».
Damals, als diese wilden Scharen das Rheinland durchzogen,sind Mainz und Worms durch sie zerstört worden, auch Strass burg ist ihnen zum Opfer gefallen.
Und nun war Niemand mehr, der das Eisass vor der altenGier der Alamannen auf die Dauer behüten konnte. Jetzt erhobensie sich und begannen das Land vollends einzunehmen. Um dieMitte des fünften Jahrhunderts finden wir sie als Herren desganzen Landes zwischen Rhein und Vogesen. Sie vollbringen,was ein halbes Jahrtausend früher König Ariovist geplant hatte.Sie nehmen den Rhein und sein Tal in ihre Gewalt.
Einst, im Jahre 98, nach der Wahl des in Germanien wei-lenden Trajan zum Kaiser, hatte Martial im Namen des Tiber den Rhein — Nympharum pater amniumque — aufgefordert,den neuen Herrscher den Römern zuzusenden, und ihn dabeigepriesen als Romanus utraque ripa, als den auf beiden Ufernrömischen Rhein .
Jetzt im fünften Jahrhundert lässt sich wieder ein römi-scher Poet vernehmen: Sidonius Apollinaris . Er richtet seine
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