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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Krieg im Reiche geschaffen. Wir sehen uns nach der BeteiligungStrassburgs bei diesen Dingen um.

An allen Reichstagen ist die Stadt vertreten. Sie stellt sichin die Reihe der protestierenden Reichsstände von Speyer imApril 1529. Aber ihre Deputierten sind im Oktober dieses Jahresauch beim Religionsgespräch in Marburg anwesend, und hiersehen wir die Geister auseinander gehen. Wir vernehmen dieAbsage Luthers an Zwingli in der Abendmahlslehre; und «alseiner der Strassburger Gesandten, Martin Bucer , fragte, obLuther sie als Brüder annehmen wollte, oder ob er meinte, dasssie irrten, da schlug Luther die Antwort rund ab und befahlsie dem Gerichte Gottes.»

Nach allen Seiten hin gehen die Versuche, die Unternehm-ungen. Die UeberZeugungen werden formuliert, Gruppen bildensich. Am 5. Januar 1530 schliesst Strassburg das christlicheBurgrecht mit Zürich , Bern und Basel : einen Defensivbund ge-gen Angriffe auf den evangelischen Glauben oder die Freiheitenund Rechte. Es ist das Jahr der Confessionen: des grossen Augs-I burger Bekenntnisses vom 25. Juni und neben diesem der Con-! fessio Tetrapolitana vom 11. Juli, in welcher Strassburg die: mit ihm in der Abendmahlslehre von Luther dissentierendenI Reichsstädte Konstanz, Lindau und Memmingen zu einem se-: paraten Bekenntnisse zusammengebracht hat. Am 18. Novembereben dieses Jahres schliesst sich Strassburg auch dem christ-lichen Verständnis der Städte Zürich und Basel mit Landgrafj Philipp von Hessen an. Aber seine weitergehenden Bemühungen,i auch im Dogmatischen eine Union mit den Schweizern zui Stande zu bringen, sind vergeblich; den Schweizern ist die! Tetrapolitana zu sehr vermittelnd, und sie lehnen den An-schluss an sie ab. So ist schliesslich die Scheidung perfekt, und' die oberdeutschen Städte wenden sich von den Schweizern wegi nach Norden. Im Jahre 1532 wird die Stadt Strassburg in den1 schmalkaldischen Bund aufgenommen; und hier bringt sie end-i lieh, nach langen Mühen, im Jahre 1536 eine Beilegung desAbendmahlsstreites zwischen den Sachsen und den Süddeutschenzu Stande: die Wittenberger Concordie; nochmals versucht siedabei eine Union mit den Schweizern, aber diese lehnen auchdie Annahme der Concordie ab.

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