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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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hier, in der «Hauptstadt des oberdeutschen Protestantismus»,seine Germania illustrata vollende.

Wir haben dasWesen dieser Schule zu betrachten auchauf demHintergründe der Zeit. Ihre Führung wie ihr Gedeihen stehenunter den Impulsen, die von jener mächtigen kirchenpolitischenTätigkeit Strassburgs ausgehen, und stehen unter der Herrschaftderselben Gedanken. Die Schule ist in der Hauptsache das Ge-schöpf derselben Männer, die auch dort arbeiten. So ist auch ihrWachstum bestimmt durch die Entwickelung jener allgemeinenZustände.

Der Kampf, den die im schmalkaldischen Bunde vereinigtenReichsstände mit der zentralen Reichsgewalt, dem Kaiser, führ-ten, war zugleich der Kampf der neuen Lehre mit der altenKirche. Er ward zum offenen Kriege, sobald Kaiser Karl , nachBeendigung seiner auswärtigen Unternehmungen, sich zu diesemReligionskrieg im Reiche stark genug fühlte. Karl gewann sichdie Hilfe des Papstes, des Herzogs von Bayern , des Herzogs Moritz von Sachsen , und der Krieg begann, im Sommer 1546.

Auch Strassburg rüstete für diesen Krieg. Auf die vom Ge-sandten des Kaisers, Lazarus von Schwendi , gebrachte Aufforde-rung, neutral zu bleiben, antwortete die Stadt mit einem Hin-weis auf ihre Pflicht als Glied des schmalkaldischen Bundes. Siestellte 2000 Mann und 12 Geschütze zur Bundesarmee.

Aber der Feldzug, durch die Schmalkaldener schlecht ge-führt, endete rasch mit dem Siege des Kaisers. Schon im Herbst1546 hatte er den Süden Deutschlands bewältigt. Ulm , Augsburg,Frankfurt unterwarfen sich ihm.

In dieser Not Strassburgs meldeten sich auch wieder die Be-ziehungen zu Frankreich . Schon die Bundesgenossen hatten dortHilfe gesucht; einer ihrer Gesandten zum französischen Königewar Johann Sturm , der Schulrektor von Strassburg , gewesen.Jetzt im Winter 1546/47 kam es auch zu Verhandlungen der StadtStrassburg mit Frankreich . Von einem Darleihen des Königswurde geredet, dann auch vom Abschluss eines Bündnisses. Zu-letzt aber wurde nach dieser Seite hin überhaupt gar nichts ver-einbart. Das Vertrauen fehlte. Die Stadt zog vor, sich ihremKaiser zu unterwerfen, Frieden mit diesem zu schliesen. Es warein Friede unter harten Bedingungen: Strassburg hatte eine hohe

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