Unterdessen aber brach der französische König Heinrich II. in das deutsche Reich.
In verhängnisvoller Weise war ein französisch-protestan-tisches Bündnis zu Stande gekommen; auf der Gemeinsamkeitantihabsburgischer Interessen. Im Jahre 1551 begannen die Vor-bereitungen; am 15. Januar 1552 wurde zu Chambord der Ver-trag geschlossen, durch welchen die gegen den Kaiser verschwo-renen deutschen Fürsten dem französischen König gestatteten, fürdie von ihm zu leistenden Subsidien die Städte Metz , Toul undVerdun einzunehmen und als Vicarius des Reiches zu behalten.Zu solcher Abtretung waren die Fürsten keineswegs berechtigt.Aber Frankreich setzte den Vertrag, der seinen alten Aspirationendiente, sofort in Vollzug. Am 12. April öffnete ihm Toul die Tore,am 12. Juni Verdun ; Metz wurde durch Ueberrumpelung ein-genommen.
Im Anschlüsse hieran hoffte nun König Heinrich als «Rächerder deutschen Freiheit» auch Strassburg zu gewinnen.
An den Verhandlungen der deutschen Fürsten mit demKönig hatte diese Stadt nicht teilgenommen; sie blieb in derdurch ihre Unterwerfung unter den Kaiser gegebenen Stellung.Im Monat März kamen ihr die ersten beunruhigenden Kundenzu: dass der König in Frankreich ein grosses Heer aufstelle, dassein zweites durch den Oberst Schertlin bei Basel gesammeltwerde, und dass auch die* mit Frankreich verbündeten Fürstenins Eisass ziehen und sich bei Strassburg mit den Franzosen ver-einigen würden. Aber es blieb zum Teil bei diesen Gerüchten; dieTruppen der Fürsten kamen nicht, und Schertlin unterliess aufVerlangen Basels den Einbruch ins Eisass; durch die bischöf-lichen Gebiete zog er dem französischen Heere zu.
Dieses kam, in ansehnlicher Stärke, am 3. Mai über dieZaberner Steige ins Eisass. Schon vorher hatte der König Be-gehren an Strassburg gesandt, jetzt wiederholte er sie von Zabern aus, wo er lagerte. Er verlangte Lieferung von Proviant, Einlassseiner Truppen, Gestattung freien Verkehres. Keinen Augenblickzweifelte der Rat an der Absicht des Königs, mit diesen Begehreneinen Vorwand zur Ueberwältigung der Stadt zu suchen, undschlug sie ab. Nur dazu wollte er beholfen sein, dem franzö sischen Heere draussen im Lande Proviant zu schaffen.
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