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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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so erzwang sich in Strassburg zur selben Zeit das strenge Luther-tum die Herrschaft.

Mit Capito, Bucer, Fagius, Hedio, zuletzt im Jahre 1553 mitJacob Sturm , war die ganze Generation der ersten Führer derStrassburger reformierten Kirche ausgestorben, und statt ihrerhatten nun Männer wie Johannes Marbach die Leitung der kirch-lichen Dinge. Durch sie wurde diese Kirche zu einer streng luthe-rischen gemacht. «Das Vierstädtebekenntnis ist ebenso abgetan,wie die einheimischen Katechismen verschwunden sind, undwas einst an dieser Stätte an Eigenem und Ursprünglichem her-vorgetreten war, ist verfehmt oder vergessen».

Auch die Schule, Strassburgs berühmte Akademie, musstesich diesem neuen Willen beugen. Vor einem Menschenalter wardiese Schule geschaffen und gestaltet worden, um den vir bonuset doctus, den orator, wie für den Staat so für die Kirche mituniversaler Bildung auszurüsten. Jetzt hat das reine Luthertumdas Wort «mit dem auf sein festes Bekenntnis und seinen Amts-begriff gegründeten Verlangen, die Ausbildung der Theologenzur Sache der Kirche zu machen und dem Humanismus keinenEinfluss auf die Kirche zu lassen». Es war eine grundsätzlicheVerschiedenheit der Anschauungen, ein Kampf über die höch-sten Fragen geistigen Lebens. Dieser Kampf dauerte lange. Aberzuletzt siegten die Pfarrer. Johannes Sturm musste weichen; aufAntrag des Kirchenkonvents erhielt er im Jahre 1581 den Ab-schied.

Aus den übrigen protestantischen Gebieten des Elsasseshaben wir Aehnliches nicht zu erwähnen. Sie scheinen an dengrossen Bewegungen und Kämpfen, die das Reich erfüllten, nurwenig beteiligt gewesen zu sein. Sie standen abseits, und was inihnen geschieht, durch die Hanauer, die Lützelsteiner, die Zwei-brücker usw., hat an jenen grossen Vorgängen gemessen nur denCharakter hausväterlichen Waltens.

Jedenfalls aber haben wir es bei diesem protestantischenEisass mit keinerlei Kircheneinheit zu tun, sondern mit einerMehrheit von Territorialkirchen, deren jede für sich allein dasteht.

Ganz anders stellt sich das katholische Eisass dar mit seinenzwei Bistümern und seiner Herrschaft Oesterreich .

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