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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Jedenfalls hatten sie die Hauptarbeit der Regeneration zu leisten,neben der unter ihrem Einflüsse stehenden Herrschaft.

Aber diese Regeneration war nicht nur Reinigung und Hei-lung von Vorhandenem. Sie ging notwendiger Weise hierüberhinaus auf Wiedergewinnung des Verlorenen und auf Erweite-rung der Macht.

Wir werden in die Zeit der sich stets mehrenden Konfliktehineingeführt. Auf beiden Seiten ist Ruhelosigkeit, Machtgefühl,Vordringen. Ein Wetteifern und Kämpfen, das für Viele derBeteiligten auf den ernstesten Motiven, auf Bedürfnissen desinnersten Lebens ruht, das aber auch Aeusserung einer reinweltlich orientierten Politik sein kann.

Der konfessionelle Gegensatz ist jedoch nicht der einzige.Er ist noch jung, noch in w T enig Streit erwiesen und erprobt ge-genüber dem viel altern nationalen Gegensätze. Wir sind zurGenüge inne geworden, dass dieser nationale Gegensatz zu keinerZeit geruht hat in der Geschichte des Elsasses. Er verkündigtsich auch jetzt wieder.

Vom Einflüsse französischen Geistes und Lebens im Allge-meinen zu reden, ist hier überflüssig. Es ist eine Einwirkung, diegerade in diesem Jahrhundert sichtlich wächst; nur einige wenigeEinzelheiten mit besonderer Geltung für das Eisass mögen ausdem mächtig lebendigen Ganzen dieser Influenz hier aufgegriffenwerden.

Strassburg erscheint den Agenten König Heinrichs II. alseine deutschredende Stadt, zum Unterschiede von dem franzö-sisch parlierenden Metz . Schon mehrere Jahrzehnte früherhatte der Strassburger Rat Schulen für den Unterricht im Fran-zösischen eingerichtet, wie umgekehrt junge Franzosen ins Ei-sass kamen, um hier deutsch zu lernen, z. B. in Zabern . Auch andie deutsch -französischen Grammatiken und Wörterbücher istzu erinnern, die durch Oelinger, später durch Daniel Martin u. A.in Strassburg geschaffen wurden. Daneben sehen wir eine Füllefranzösischen Wesens sich im Eisass festsetzen. Im Süden desLandes finden sich in den Prioraten und Stiftern zahlreiche Fran-zosen; sie begegnen uns auch in Pfarreien, z. B. in Haslach 1572,wo die Gemeinde diesen wälschredenden und daher für sie unver-ständlichen Pfarrer beseitigt sehen und an seiner Stelle einen

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