Buch 
Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
JPEG-Download
 

sischen Krone, um im Kreise der deutschen Fürsten eine franzö-sische Partei zu bilden; wir sehen auch den niederländischenAufstand und seine Beziehungen zu Deutschland und den Hu-genotten .

Inmitten dieser Spannungen und Bewegungen steht das Ei-sass, von allen Seiten her in Anspruch genommen und bedroht.In den Jahren 1568 und 1569 ist es Prinz Wilhelm von Oranien ,der ihm zu tun gibt; er wünscht in Strassburg Geld zu erhaltenfür den niederländischen Krieg; seine Truppen und diejenigendes Pfalzgrafen Wolfgang sammeln sich im Eisass und stossenschon hier auf die französischen Vorhuten. In den Jahren 1574und 1575 wiederum suchen Gonde und seine Anhänger Zufluchtin Strassburg und werden lästige Gäste. Das Jahr 1579 endlichbringt den misslungenen Versuch des Herzogs Heinrich vonGuise, Strassburg durch Ueberrumpelung in seine Gewalt zubringen.

Lauter aufregende Episoden, in ihrer Gesamtheit die da-malige Lage des Elsasses aufs deutlichste charakterisierend, einejede für sich aber mit einer Menge einzelner Züge, Vorfälle undAeusserungen ausgestattet, die voll frischesten Lebens sind.

Es ist ein prächtiges Spiel der Kontraste, eine Fülle von Ge-stalten. Aber auch Sorgen und Aufregungen aller Art im Ueber-mass.

Bei der Stadt Strassburg im Besondern handelt es sich umihre Aspiration, als Freistadt völliger Unabhängigkeit gegenüberdem Kaiser zu geniessen, und zugleich um ihre protestantischeOpposition wider das die katholische Propaganda führende HausHabsburg. Es ist im Grunde natürlich, dass die Politik diesesdoppelten Gegensatzes die Beziehungen Strassburgs zu Frank-reich immer aufs neue wach erhält, zu diesem Frankreich , dasder Hauptwidersacher der habsburgischen Macht ist; es ist einePolitik, die auch den Gedanken einer eigentlichen AnlehnungStrassburgs an Frankreich kann als geboten erscheinen lassen;sie verzichtet deswegen nicht auf das stets notwendige Misstrauenund die natürliche Abneigung.

Jedenfalls ist für die allgemeine Stimmung bezeichnend,wie die Stadt Strassburg in diesen Jahren ihre Mauern verstärkt,

249