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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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wie sie aber auch in den eidgenössischen Bund aufgenommen zuwerden sucht und, da dies wegen des Widerstandes der katho-lischen Orte nicht zu Stande kommt, im Jahre 1588 mit Zürich und Bern ein Bündnis schliesst. Die Dekapolis der zehn ElsässerReichsstädte erneuert im Jahre 1577 ihren Bund. Und unge-wöhnlich häufig treten jetzt auch die elsässischen Landtage zu-sammen.

Das sind einzelne aktive Regungen. Im übrigen aber erlebtdas Eisass schon jetzt, was sich nach einem Menschenalter nochviel mächtiger und schmerzhafter wiederholen wird: das passiveUntergehen in der allgemeinen Verwirrung. Bei allem leiden-schaftlichen Miterleben bleibt ihm nur das Duldenmüssen, weilihm die einheitlich zusammengefasste und beseelte Kraft zu eige-nem Handeln fehlt. Es ist Tummelplatz für die Andern, Durch-zugsgebiet all der wilden Söldner scharen, des «NavarrischenKriegsvolks», der Wälschen, der Schweizer , der Deutschen usw.,die durch die französischen und niederländischen Religions-kriege in Bewegung gesetzt sind. Ihre Märsche, ihre Musterungenund Einquartierungen, die Einfälle der sich ihnen entgegen wer-fenden guisischen und lothringischen Truppen bringen demEisass, zumal dem Unterlande, furchtbare Leiden.

Mitten aus dieser Erregung und Not heraus klingt zu uns dieDichtung Johann Fischarts. Nicht mit dem genialen Neuschöpferdes Rabelaisischen Gargantua haben wir es hier zu tun, nicht mitdem staunenswerten Meister der deutschen Sprache, sondernmit dem Publizisten, der gleich Rabelais für die Freiheit desGlaubens und des Denkens kämpft. Mit dem Fischart, der einHasser des Papsttums ist, aber auch des zelotischen Luthertums.Im selben Jahre 1581, da Johannes Sturm vor den Pastoren dasFeld räumen muss, verlässt auch Fischart Strassburg . Ein Jahr-zehnt später stirbt er, als Amtmann zu Forbach , kaum vierzig-jährig. Der letzte grosse Elsässer Autor. Feuer und jugendlicheLeidenschaft leben, wie in seinem Gargantua, so in seinen zor-nigen Satiren wider die Mönche, die fleischliche Geistlichkeit,die Jesuiten . Sie lassen ihn die Freiheit preisen in seinem schö-nen Lobspruch auf den Bund Strassburgs mit den Schweizer-städten.

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