In den 1590er Jahren beginnt sichtbar eine neue aggressiveTendenz des Katholizismus. Die Kirche fühlt sich regeneriert undkann auf Wiedergewinnung, ja auf Eroberung ausgehen.
Seit den Tagen Ferdinands II. sind die Fürsten aus demHause Habsburg mit den Geschicken dieser kämpfenden undtriumphierenden Kirche im Eisass verbunden: Ferdinands SohnAndreas der Kardinal, seine Neffen Maximilian und Leopold,sein Grossneffe Leopold Wilhelm . Aber hinter diesen einzelnenFührern treiben und wirken die ganz allgemeinen Mächte derKirche. So in dem jahrelangen Kampfe, den die elsässischeReichsritterschaft für die Religionsfreiheit führt; höchst bezeich-nende Einzelvorfälle dabei sind die Rekatholisierungen des And-lauer Tales und des Ratsamhausenschen Dorfes Fegersheim u.dgl. m. Auch der sogenannte Finingerhandel der Stadt Mül hausen gehört in diesen gegenreformatorischen Komplex. Dennwas diesem Hausstreite Leben und Pathos gibt und ihn zu einerallgemein interessanten Sache macht, ist der konfessionelle Ge-gensatz; er beherrscht das Handeln der Tagsatzung gegenüberder zugewandten Stadt; er führt im Jahre 1586 zum kurzenSiege der katholischen Minorität in Mülhausen und dann imJahre 1587 zu dem schweren, durch die evangelischen Ständevollzogenen Strafgerichte; er bestimmt von da an auf lange hin-aus die Beziehungen Mülhausens zur Eidgenossenschaft.
Wichtiger waren die Strassburger Ereignisse: der Kapitel-streit und der bischöfliche Krieg.
Zum Vordringen des Protestantismus in der Zeit nach demReligionsfrieden gehörte auch, dass Bischofswürden und Dom-kanonikate an Protestanten gelangten. Da dies im StrassburgerDomkapitel wie an andern Orten geschah und da dieses Kapitelmit demjenigen von Köln die hohe Vornehmheit, die Exklusivitätder Rekrutierung aus mindestens reichsfreiherrlichen Geschlech-tern teilte, so ergaben sich mehrfache Personalunionen zwischendiesen beiden Kapiteln. Der Streit, der im Hochstifte Köln überdem Vorhaben des Erzbischofs Gebhard ausbrach, sich zu ver-mählen und sein Erzbistum in ein weltliches Fürstentum zu ver-wandeln, musste in Folge hiervon auch nach Strassburg hin-übergreifen. Drei Kölner Domherren waren wegen ihrer Partei-nahme für Gebhard im Jahre 1583 gebannt worden. Sie waren
251