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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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auch Domherren zu Strassburg , wurden aber, als sie im Jahre1584 hier ihre Pfründen einnehmen wollten, vom Kapitel nichtzugelassen. Da ergriffen sie die Offensive und brachten den«Bruderhof», d. h. die den Kapitelsaal, den Domschatz, das Ar-chiv und die Naturalienvorräte des Hochstiftes enthaltenden Ge-bäude in ihre Gewalt. Hier residierten sie; die katholischen Ka-pitulare sassen in Zabern . Endlose Verhandlungen folgten, unterEinmischung aller möglichen Potenzen. Es war ein Streit um die«Freistellung» der Religion am Hochstifte, wie er auch an an-dern Orten des Reiches geführt wurde. Während seiner Daueraber geschahen wiederholte Ergänzungswahlen bald durch dieprotestantischen, bald durch die katholischen Domherren, dieimmer mehr das Kapitel in zwei konfessionell geschiedene Körperauseinandertrieben.

Die Bischofswahl im Jahre 1592, nach dem Tode Johannsvon Manderscheid, konnte demzufolge nur eine zwiespältige sein.Das protestantische Kapitel wählte am 30. Mai den fünfzehnJahre alten Markgrafen Johann Georg von Brandenburg , Enkeldes Kurfürsten Johann Georg ; acht Tage später, in Zabern ,wählte das katholische Kapitel den Kardinal Karl von Loth­ ringen , zweiten Sohn des Herzogs Karl.

In dem hierüber ausbrechenden Kampfe ging der kleinereKapitelstreit zunächst unter. Aber der eine wie der andere Zwistwar von weit mehr als nur örtlicher Bedeutung und Wirkung. Inhöchst eindrücklicher Weise zeigen dies gerade damals an derWestgrenze des Reiches die Wirren in Jülich , Köln , Aachen , dieden Strassburger Streitigkeiten verwandt sind. Und überall bietensie auswärtigen Mächten Gelegenheit zur Einmischung in diedeutschen Verhältnisse.

Immer und immer wieder sehen wir die Geschichte des El-sasses unter dem Ungeheuern Einflüsse stehen, den der Grenz-landcharakter des Landes ausiibt. So ist jetzt im Streit um dasBistum der alte nachbarliche Widersacher Lothringen beteiligt.Dadurch ist aber auch die katholisch-spanische Partei in Frank­ reich , die Ligue, interessiert, während die das spanisch-österrei-chische Haus bekämpfende französische Krone in naher Bezie-hung zu denselben deutschen Fürsten Deutschlands steht, aus

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