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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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deren Mitte der protestantischerseits gewählte Bischof von Strass­ burg hervorgegangen ist.

Das für uns zunächst Wichtige aber ist, dass die StadtStrassburg in diesem bischöflichen Kriege nicht neutral bleibt,sondern mit dem protestantischen Domkapitel sich verbündetund dann auf die Seite des Brandenburgers tritt. Sofort nachdessen Wahl nimmt sie die bischöflichen Festen Kochersberg,Dachstein und Geispolsheim ein. Da erst sammeln sich die ka-tholischen Domherren zur Erhebung Karls; gleichzeitig aberfallen die lothringischen Truppen in das städtische Gebiet ein.Es wird ein Krieg zwischen der Stadt Strassburg und dem Her­ zogtum Lothringen . Mit Brand und Gewalttaten, mit Raub undPlünderung, fährt jetzt dieser erbitterte Krieg durch die Gebietedes Bistums und der Stadt sowie in die angrenzenden Territorien.Die grosse Heimsuchung und Vernichtung dieses herrlichenStückes deutscher Erde beginnt, die von da an, nur wenig unter-brochen, ein halbes Jahrhundert hindurch dauert und den tiefenschmerzenreichen Einschnitt in der Landesgeschichte bildet. Esist kein Krieg mit grossen Taten, aber ein endloses Streifen,Scharmützeln, Ueberfallen, Brandschatzen usw. Die Stadt Strass­ burg wirbt Truppen, Brandenburg und Baden schicken Hilfs-völker; Fürst Christian von Anhalt-Bernburg erhält den Ober-befehl. Aber auch König Heinrich IV. von Frankreich beteiligtsich, zu dem Strassburg schon seit langem Beziehungen hat; errückt siegreich in Lothringen ein. Am 25. November 1592 kapi-tuliert das bischöfliche Molsheim nach monatelanger Belage-rung, und jetzt gelingt auch dem Reiche endlich die Vermittlungzwischen den Kämpfenden. Im März 1593 wird ein Waffenstill-stand geschlossen.

Zu dauerndem Frieden kam es noch nicht. «Vorläufig stan-den die beiden Prätendenten, jeder im Besitze eines Teils desStiftes, einander gegenüber, weiterer Kämpfe gewärtig».

Unter den deutschen Fürsten sehen wir jetzt auch den Her-zog Friedrich von Würtemberg dieser Strassburger Sache nähertreten. Schon als Inhaber von Horburg u. a. hat er Interesse fürdas Eisass gewonnen; jetzt hofft er auf irgend einem Wege dasumstrittene Bistum seinem Sohne zu gewinnen. Er will auf KönigHeinrich von Frankreich einwirken, damit dieser in seinem