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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Im Frühling 1629 hatte der französische Agent diesen Rap-port erstattet; schon zwei Jahre später war die Haltung Strass-burgs, wohl unter der Wirkung des kaiserlichen Restitutions-ediktes und der ihm folgenden Verfügungen, eine andere ge-worden.

Am 23. Januar 1631 schloss König Gustav Adolf von Schwe­ den einen Bund mit Frankreich zum Zwecke «der Restitutionder unterdrückten Reichsstände»; er verpflichtete sich zur Auf-stellung eines Heeres und Kriegführung auf deutschem Boden,Frankreich verpflichtete sich zu Subsidien in Geld.

Mit einer solchen Geldhilfe begann in eben diesem JahreFrankreich auch seine bestimmt orientierten Beziehungen zuStrassburg ; «de la fagon la plus gracieuse» gewährte es die vomRate der Stadt Strassburg erbetene Anleihe.

Und nun sehen wir Alles sich drängen und zur Katastropheeilen. Am 13. September 1631 schlägt Gustav Adolf den Tilly beiBreitenfelde ; dann zieht er durchs Reich, überall Sieger und Er-oberer, und steht um die Jahreswende am Oberrhein. Von derandern Seite her aber regt sich das gewaltige Frankreich . AmRheine will Richelieu den Schweden Halt gebieten, Frankreich allein soll hier auf dem linken Ufer der Ueberwältiger Habsburgs sein. In Lothringen , im Trierischen treibt Richelieu seine Trup-pen vor, im Juli 1632 dringen diese über die Vogesen ins Eisass.Eben jetzt hat auch die Stadt Strassburg ihre Stellung geklärtund Partei ergriffen, durch ein Bündnis mit den Alliierten Frank­ reichs , den Schweden .

Das Eisass aber ist erfüllt von Kriegslärm und Gewalttat.Die Franzosen ziehen von Strassburg rheinabwärts durch einGebiet, in dem schon kaiserliche und lothringische Truppenstehen; dann im August kommen die furchtbaren schwedischenScharen unter Horn und dem Rheingrafen über die StrassburgerRheinbrücke herein. Sieggewohnt, unwiderstehlich, ziehen siedas schöne sommerliche Land hinauf, überall die Bischöflichenund die Kaiserlichen werfend. In wochenlanger Belagerung über-wältigen sie die Festung Benfeld ; Markolsheim , Gemar, Mols­ heim öffnen ihnen die Tore; sie erobern Kestenholz; Sclilettstadtkapituliert, und nun fällt ein Ort um den andern in ihre Gewalt:Kaisersberg , Türkheim , Ensisheim , Rufach . Auch das starke

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