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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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samt Hoh Barr und Maursmünster in die Gewalt Frankreichs .Auch wegen Colmars wird schon verhandelt.

Da bringt die Niederlage der Schweden bei Nördlingen am6. September 1634 eine Verschiebung der Macht überhaupt unddiesen elsässischen Angelegenheiten insbesondere ein beschleu-nigtes Tempo. Die Lage ist kritisch, da jetzt die siegreichen Kai-serlichen gegen das Eisass heranziehen. Richelieu lässt seiner-seits die französischen Truppen zur Deckung Vorgehen, und am9. Oktober, wenige Wochen nach der Schlacht, übergeben dieSchweden die von ihnen besetzten festen Plätze im Eisass (Col­ mar , Schlettstadt , Markolsheim , Rufach , Ensisheim , Kaisersberg ,Türkheim , Münster , Murbach , Gebweiler, Thann , Bollweiler,Ober-Bergheim, Masmünster, Hohlandsberg, Hohkönigsburg) denFranzosen. Sie stellen sie «sous la protection de Sa Majestetres-Chretienne». Es ist eine rasche, durch die Gefahr geschaf-fene Abrede, die aber Frankreich sofort in Vollzug setzt, unddie dann in dem zwischen Frankreich , Schweden und der Heil-bronner Union zu Worms geschlossenen Vertrage vom 1. No-vember ihre Bestätigung erhält.

Auf so kurzem Wege und ohne Kampf war der König vonFrankreich dazu gelangt, sich als Herrn beträchtlicher Teile desElsasses fühlen zu können. In diesem Gefühle legte er auch den-jenigen Territorien des Landes, die er noch nicht in der Gewalthatte, die Annahme seiner Protektion nahe. So z. B. den Herrenvon Rappoltstein. Und mit der Stadt Colmar , die hierauf eintrat,schloss er am 1. August 1635 zu Rueil einen dies Schirmverhält-nis deutlich bezeichnenden Vertrag. Wie in diesem, so war inden Verträgen von 1634 bestimmt erklärt, dass alle Rechte Vor-behalten sein und alle Abmachungen und alle Abtretungen nurbis zum kommenden grossen Frieden gelten sollten, «jusquäla pacification generale».

Jetzt endlich und auf solcher Grundlage trat Frankreich inden Kampf ein; am 29. Mai 1635 erliess es seine Kriegserklärungan Spanien und machte sich damit zugleich zum offenen FeindeOesterreichs .

Als Herr des Elsasses, freilich nicht als ungestörter undunbestrittener Herr. Nein in Furchtbarkeit tobte der Krieg weiterdurch das unselige Land. Stets neue Generäle, neue Heere brachte

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