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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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erbot sich, bis zum Entscheide die Reunionen suspendieren zuwollen. Die Korrespondenz über die Bestellung der Schiedsrichter,über die Wahl des Kongressortes usw. zog sich in gewohnterschleppender Weise hin; daneben beriet der Reichstag ostentativeine Reichskriegsverfassung und die Aufstellung eines stehendenReichsheeres. Da kam ihm am 3. Oktober 1681 die Nachrichtvon der Kapitulation der Stadt Strassburg .

Strassburg hatte nicht zur Dekapolis gehört und daher demVerfahren von 1673 nicht mitunterworfen werden können; auchdas Reunionsverfahren hatte bei dieser Stadt nicht anwendbargeschienen; eine neue Form war erforderlich.

Nachdem Frankreich ganz Eisass genommen hatte, musstees auch Strassburg nehmen. Diese Ergänzung und Vollendungdes Begonnenen war unvermeidlich.

Die Stadt, um die es sich handelte, war eine Individualitäteigener Art. Reich an altem Ruhme, zurückschauend auf ein tau-sendjähriges Dasein und auf nicht gewöhnliche Leistungen.

Welche Fülle des Lebens war auch jetzt noch in ihr! Dasstets hochbewegte Wesen der Grenz- und Transitstadt, die zu-gleich das städtische Zentrum des ganzen Oberrheingebietes war;die reiche Mannigfaltigkeit und Mischung ihrer Einwohnerschaft,in der neben Elsässern wie Ulrich Obrecht und dem jungenPhilipp Jacob Spener sich Deutsche auszeichneten wie Schilterund Franzosen wie Charles Patin .

Von Bedeutung war aber namentlich die politische Haltungder Stadt.

Mit Ausnahme der wenigen Jahre der schwedischen Allianzhatte sich Strassburg die gewaltige Zeit des DreissigjährigenKrieges hindurch neutral gehalten; dadurch allerdings den Leidenenthoben, die das übrige Eisass trafen, aber auch auf jedes Grosseund Heldenhafte verzichtend.

Auch dem Reiche gegenüber wurde diese Neutralität beob-achtet. Strassburg machte bewusst und konsequent seinen frei-städtischen Charakter geltend, der Recht und Freiheit gab undnur unerhebliche Reichspflichten. Diese vorsichtige, den eigenenBestand schonende Haltung wurde jedenfalls erleichtert und inden Augen Vieler gerechtfertigt durch den konfessionellen Ge-gensatz, der die Stadt vom kaiserlichen Hause Habsburg schied.

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