Die Edikte der 1660er Jahre über minderjährige Convertiten,über die Pflicht auch der Protestanten zur Verehrung der «reli-gion de leur Souverain», zur Mitfeier der katholischen Feste usw.leiten diese Vergewaltigung des Elsasses ein. Die Annexion derzehn Städte gibt auch auf diesem Gebiet Anlass zu Eingriffen.Bis dann mit dem grossen Erlasse vom November 1680, der diegemischten Ehen verbietet, die planmässige andauernde Bekäm-pfung der protestantischen Häresie, der «religion pretendue re-formee», einsetzt. Von einer grande Campagne, einer grande mis-sion kann bei dieser Tätigkeit des staatlichen Gouvernementsund der Kirche im Eisass geredet werden. Sie erfüllt dieselbenJahre, die dem übrigen Frankreich die Aufhebung des Ediktesvon Nantes und die Hugenottenverfolgungen bringen. ZahlreicheOrdonnanzen stellen die Grundsätze auf, geben die festen For-men: alle Beamten, auch die der protestantischen Herrschaften,die Amtleute, Einnehmer, Schreiber, Schultheissen, Fiskale,müssen Katholiken sein. Die Räte und Gerichte in den protestan-tischen Städten und Dörfern sind zur Hälfte mit Katholiken zubesetzen. Auch in das Ritterschaftsdirektorium dürfen nur katho-lische Edelleute gewählt werden. Die Bastarde von Lutheranernsind in der katholischen Religion aufzuziehen. Katholischen Kin-dern ist der Besuch lutherischer Schulen verboten. Kein Katholikdarf seine Religion aufgeben, kein lutherischer oder calvinisti -scher Pfarrer die Conversion eines Katholiken annehmen.
Neben die Erlasse tritt dann die Propagandatätigkeit selbst,unwürdig, oft brutal. Mit allen Mitteln wird das Convertierenbetrieben, durch persönliche Einwirkung, durch Predigt. VonTagesanbruch bis in die Nacht, ununterbrochen, wird bisweilengepredigt, werden die Gewissen betäubt, die Seelen erregt; manwill Conversionen in Masse. Kirchen werden den Protestantengenommen, Schulen geschlossen, Geistliche eingekerkert undverbannt. Bald wird bekehrt mit dem erprobten Zwangsmittelder Dragonaden, bald mit den Verführungen des Geschenkesund der Begünstigung. Den Uebertretenden w T ird dreijährige Ein-quartierungs- und Steuerfreiheit zugesichert; auch dürfen sie dreiJahre lang nicht mit Schuldklagen verfolgt werden. Zahlungen,Gratifikationen, Pensionen erleichtern und belohnen Vielen denUebertritt zur katholischen Kirche . Dies gilt Einzelnen. Aber der