Absicht, innerhalb einer protestantischen Gemeinde selbst Fuss zufassen und von da aus allmählich das Ganze zu erlangen, dientdie Vorschrift, dass in jedem Dorfe, wo mindestens sieben katho-lische Familien wohnen, diesen der Chor der Kirche eingeräumtwerden müsse. Wobei an die naheliegenden Mittel zur Bildungdieser Siebenzahl gedacht werden mag. In Orten, deren prote-stantische Bevölkerung unter ein Drittel der Gesamtheit herab-gesunken ist, müssen Kirche und Schule den Katholiken aus-schliesslich zugewiesen werden.
Auch jetzt wieder, wie vor hundert Jahren, sind die Jesuiten die brauchbaren und tätigen Organe dieser Gegenreformation.Im Jahre 1684 erhalten sie in Strassburg , im alten Bruderhofedes Domstiftes, eine Station als College royal; im Jahre 1698setzen sie sich in Colmar im Priorat St. Peter fest. Neben ihnenarbeiten immerzu, populär und einflussreich, die Kapuziner ;stark mehren sich ihre Niederlassungen, in Landser 1654, inSchlettstadt 1655, in Molsheim 1659, in Strassburg und in Colmar gleichzeitig mit den Jesuiten 1684 und 1698, in Weissenburg 1686usw. Strassburg erhält auch, im Jahre 1683, ein Priesterseminarals bischöfliche Anstalt, und im Jahre 1702 wird die MolsheimerJesuitenakademie dorthin verlegt.
Auf Einzelheiten des grossen, an Erlebnissen aller Art über-reichen Verlaufes dieser Beaktion einzugehen, ist hier untunlich.Da der grösste Teil der obern Lande von der österreichischenZeit her schon katholisch war, so galt die Bekehrungs- und Ver-nichtungsarbeit vor allem dem Unter-Elsass. Dieses vielgeprüfteLand hatte nun auch noch Solches durchzumachen. In Strass burg nahm jetzt das Domkapitel wieder seine Besidenz; nebenJesuiten und Kapuzinern Hessen sich Franziskaner , Antoniter ,Augustiner-Chorherren , Schwestern der Heimsuchung usw. hiernieder. Das Münster war sofort nach der Kapitulation dem altenKultus zurückgegeben worden. In Kurzem stieg die Zahl derkatholischen Pfarrkirchen auf sechs. Unter denjenigen, die«changierten», standen der Professor, spätere Prätor Ulrich Obrecht und der Stadtsyndikus Güntzer in der vordersten Beihe.Der alte Ammeister Dominicus Dietrich dagegen, der an denköniglichen Hof befohlen wurde, widerstand dort der Zumutungder Conversion; er wurde deswegen nach Gueret verbannt; aber
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