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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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alle Leiden der Gefangenschaft, alles Zureden und Bedrohenvermochten nichts über ihn; zuletzt wurde er wieder nach Strass­ burg zurückgebracht und hier bis kurz vor seinem Tod in Haus-arrest gehalten.

Die Arbeit, die so planmässig, so rücksichtslos und so imGrossen geschah, hatte Erfolg. Mit Befriedigung notierten dieSchlettstädter Jesuiten in ihre Jahrbücher als Ergebnis einervierzehntägigen Predigtunternehmung mehr als 4000 Conver-sionen. In Strassburg allein sollen im Jahre 1686 4060 Seelen ge-wonnen worden sein. Als diese Stadt französisch wurde, gab esin ihr keinen katholischen Bürger; im Jahre 1697 enthielt sie5119 Katholiken neben 21362 Protestanten; im Jahre 1778 aberhatten die Katholiken (23690) die Lutheraner (20150) überholt.Im Jahre 1590 wurden durch ganz Eisass 480 lutherische undreformierte Gemeinden gezählt; am Ende des siebenzehntenJahrhunderts waren ihrer noch 401.

Zur richtigen Würdigung dieser Zahlen gehört, dass wirnicht nur an Conversionen denken, sondern auch an die offiziellbegünstigte katholische Einwanderung.

Mit dem sonstigen Verhalten des neuen Landesgouverne-ments verglichen, erscheint diese so energisch eingreifende Re-katholisierung wie eine Sache für sich. Sie ist von einem andersgearteten Geiste geweckt und geleitet. Sie ist vor allem das Werkder Kirche selbst. Unter den Männern der Regierung wird sie,neben König Ludwig , hauptsächlich dem finstern und hartenLouvois zu danken sein. Mit dessen Tod im Jahre 1691 scheintsich ein Nachlassen zu zeigen; die erlassenen Ordonnanzen aller-dings bleiben in Kraft und Wirkung.

Im Uebrigen aber, durch das ganze sonstige Gebiet dieserBeherrschung und Verwaltung des Elsasses hindurch, erweistsich die französische Regierung als höchst geschickt in ihrerMethode der Zurückhaltung. Dieser Politik liegt jedenfalls zuGrunde ein bestimmtes Gefühl, dass der rechtliche Grund derHerrschaft vielfach ein schwacher sei; namentlich aber dieklare Einsicht in das völlige Fremdsein dieses Landes und Volkes.Der Abstand ist so gross, dass eine rasche Assimilierung nur er-möglicht würde etwa durch das Gewaltmittel einer Veränderungder Einwohnerschaft, das in spätem revolutionären Zeiten ein-

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