Hiezu tritt nun noch eine mächtige von aussen kommende Wir-kung. Seit der Annexion durch Frankreich geht die alte Herr-schaft Strassburgs über die Ober-Rheinschiffahrt unverkennbardahin. Widerstände und Konkurrenzunternehmungen aller Artzeigen sich, von Mainz , Speyer , Freiste«, Kehl , Breisach her; wirsehen die Strassburger Schiffer unermüdlich aber sieglos für ihraltes Recht kämpfen.
Diesem Ruin der elsässischen Handelsschiffahrt gleichzeitigvollzieht sich die schon erwähnte Abnahme des Transits auf derAchse; ihr entspricht ein Wachsen des Verkehrs auf den rechts-rheinischen Strassen.
In Zusammenhang mit dem Allem ist unverkennbar ein Still-stand gewerblichen Lebens überhaupt. Aber auch die Lähmungmunizipaler Kraft und Regsamkeit. Die schwächende dörrendeWirkung des grossen zentralisierten Staates auf das Dasein derProvinz trifft nicht nur einzelne Gebiete, sondern das ganzeLeben. Der Zustand des Elsasses bildet sich, der einen Reisendenausrufen lässt: «Herrlich von der Natur ausgesteuertes Land,dass du als kleine Provinz eines grossen Königreichs nie werdenkannst, was du als einziges Land eines Fürsten, wie der Mark-graf von Baden, werden könntest!» Inzwischen aber wachsendiese Nachbarstaaten heran. Karlsruhe und Mannheim ent-wickeln sich. Die Orte des rechten Uferlandes werden für dasoberrheinische Leben Sammelpunkte auf Kosten seiner bisherigenStätten im Eisass.
Hier haben wir nun zu fragen, in welcher Weise diese Ver-kümmerung des elsässischen Daseins auch darin sich zeige, wasgeistiges Wesen und Tun heissen kann. Wir suchen dieses gei-stige Leben kennen zu lernen.
Die elsässischen Klöster waren einst zum guten Teil Stättenwissenschaftlicher Arbeit gewesen. Noch jetzt besassen mancheihre alten ansehnlichen Bibliotheken; in Lützel, das viele Ver-heerungen erlitten hatte, stellte der Abt Girardin (1751—1790)die Bibliothek sogar in grossem Stile neu her. Aber geistigesLeben, das des Rühmens wert wäre, fand sich nur ganz verein-zelt in dieser späten Klosterwelt. In Königsbrück , Münster ,Hohenburg mühte man sich um die Hausgeschichte, bei den Je suiten mehr um die Theologie; im Einzelnen mögen der Fran-
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