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Geschichte des Elsasses / von Rudolf Wackernagel
Entstehung
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Gottfried Stösser, Johann Georg Kulpis, Friedrich Schrägdie Heimat und nehmen Dienste im Reich. Der im Jahre 1635in Rappoltsweiler geborene Philipp Jacob Spener , der Führerdes Pietismus, wirkt nach kurzer Tätigkeit in Strassburg als Pre-diger in Frankfurt , Dresden und Rerlin und stirbt hier im Jahre1705. Der strassburgische Professorssohn Johann ChristophRartenstein sodann tritt zur katholischen Kirche über und ge-langt als geheimer Staatssekretär zu einer «fast allmächtigenVertrauensstellung» im Dienste Kaiser Karls VI. und der Maria Theresia . Endlich Johann Heinrich Lambert , im Jahre 1728 ge-boren in Mülhausen , im Jahre 1777 gestorben in Rerlin als Mit-glied der Akademie, grosser Mathematiker, Physiker, Astronomund Philosoph, auf allen diesen Gebieten durch grundlegendeArbeiten ausgezeichnet. Diesen zivilen Rerühmtheiten treten andie Seite die in deutschen Armeen dienenden Elsässer ; aus ihnenerwähnen wir hier nur den Grafen Dagobert Sigismund vonWurmser, der zuerst im französischen Heere gefochten hat, dannin kaiserliche Dienste tritt, Feldmarschall wird und im Jahre1797 stirbt.

Diese Alle sind freilich nicht gewöhnliche Menschen, sie habensinguläre Entwicklungen. Aber neben ihnen vollzieht sich Un-zähliges und Alltägliches ähnlicher Art, das einen allgemeinenZustand bezeugen kann. Was diesem zu Grunde liegt, ist einBewusstsein von Kulturverwandtschaft und Kulturgemeinschaft;daher die Baronin Oberkirch in der Pariser Akademie beim An-hören einer Rede von Condorcet dessen Auseinandersetzungenschwach und dürftig findet en comparaison de «nos» philosophesallemands.

Wie Vieles ging noch nebenher und schuf ein Leben der Ge-meinsamkeit: Handel und Verkehr und tägliches Leben, diegrossen und kleinen Geschäfte der Reichsständeterritorien, dierechtsrheinischen Familienverbindungen des Adels. Den deut-schen Studenten in Strassburg entsprach der elsässische Hof-meister und Informator im vornehmen Hause Deutschlands undentsprach noch mehr die elsässische Zuhörerschaft an deutschen Universitäten; in der mosellanischen Landsmannschaft zu Jena z. B. bildeten die Elsässer den Mittelpunkt.

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