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[Erster Jahrgang] Erstes Vierteljahr. 1781
Entstehung
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oder Wasser zu gebrauchen. Den ganzen Nachmitta-tranken unsre Vorfahren nichts: sie nahmen aber um 4Uhr, gleich wie des Morgens, ein Stück trockncs Brod,oder assen ein Stücklcin rohen Speck mit Salz dabei,bis des Abends, da nach verrichteter Feld- und andrerHand-Arbeit, und genossenen Milch - Speise, oder andrerdünnen Kost, sich der gemeine Mann, ohne zu trinken,bald nach Bett verfügte, der Reichere aber in Gesellschaftmit seinen Nachbarn eine Kanne gutes Bier austrank,ja darin» zuweilen etwas ausschweifte: so daß unsernVorfahren die Trunkenheit vom Bier, (denn der Weinwar damals bei uns sehr wenig zu haben,) so gar als«in gemeines Laster, zur Ungebühr, weil es nur von denwenigsten und selten geschah, vorgeworfen worden. Aufsolche Weise, nemlich mit sehr wenigem täglichen Trin-ken, leben noch heut zu Lage diejenige Völker, die wegenihrer Lage, mit dem ausländischen Commerz, und dendaraus entsprungenen neuen Gewohnheiten, weniger Ge-meinschaft haben: als in Böhmen , Baicrn, Franken,Thüringen , Hessen , Wetterau und die Alp-Schwerer.

-. Nachher ist ein erschröcklich böses Uebel im Trinkenaufgekommen, nemlich der sogenannte Fusel oder Brann-tewein. Die Araber haben ihn erfunden, und Anfangssehr geheim gehalten , nachher hat ihn RaymundLullius, dieser berühmte Polyhistor der damaligen Zeit,auf der Insel Majorka machen gelernt im Ende des drei-zehnten Säculi, und ihnAquavitä genannt. Um welcherKunst willen man dem Raymund schuld gegeben, erbesitze den Stein der Weisen, die allgemeine Medicin,