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1918 - 13. Jahrgang
Entstehung
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Hr. We. Vijcher, Peter Merian Straße 25. Baſel

EI JUGEND

RPGAN 8 D9. UG Rb n Gn d SCHWEIZ

Zürich, den 19. Januar 1918 Erſcheint alle 14 Tage 13. Jahrgang Nr. 2

Redaktion u. Adminiſtration: Zürich 4, Bäckerſtr. ZU:: Jahresabonnenent. Inland Sr. 3 3.60, Ausland KL Ds Verlag: E. Arnold, Däcerſr 20, Zürich .

An die ſozialiſtiſche Jugend von Curopa und Amerika !

Faſt über alle Länder der alten und neuen Welt erſtreckt ſich heute die Organiſation der ſozialiſtiſchen Jugend. Dieſe internationale Organiſation hat die ſchweizeriſche Regierung anzugreifen gewagt unddamit den berechtigten Proteſt der Jugendgenoſſen aller Länder herausgefordert.

Im Bureau der Internationalen Sozialiſtiſchen Jugendorganiſation iſt eine polizei-liche Hausſuchung vorgenommen worden und ihr Archiv befindet ſich gegenwärtig inden Händen der Zürcher Polizei. Wilhelm Münzenberg , der Sekretär unſeres Yureaus,befindet ſich im Zürcher Gefängnis, von einem Ausweiſungsbefehl des Bundesrates betroffen.

Münzenberg, gebürtiger Deutſcher und Refraktär, wird nichtsdeſtoweniger von derſreien Schweiz auf Grund der Anklage, zur Dienſtverweigerung aufgefordert zu haben,ausgewieſen. Münzenberg , als Propagandiſt der Deſertion? Seit wann? Seine ganzeſchriftſtelleriſche und redneriſche Wirkſamkeit beſtätigt gerade das Gegenteil davon, undbeſonders die Verhandlungen des letzten Kongreſſes von Solothurn widerlegen die Behauptung des Bundesrates. Münzenberg verwirft die Grundſätze Herves, da er einAnhänger der Anſchauungen Lenins und daher aus Prinzip gegen eine ſyſtematiſchePropaganda der Deſertion iſt. Wo kann man aber den wahren Grund ſeiner Landesverweiſung ſuchen?

Eine ſolche Ausweiſung bedeutet nicht allein die Verletzung des Aſylrechtes, dasdurch die ſchweizeriſche Verfaſſung geheiligt iſt, ſondern vor allem die direkte Auslieferungunſeres Genoſſen an die militär- und zivilgerichtliche Staatsgewalt Deutſchlands undzwar während des Krieges. Wie doch das Wort von Karl Marx:Zürich unterwirftſich den Befehlen von Berlin auch heute wieder zur Wahrheit wird!

Genoſſen in Europa und Amerika ! Unſer Sekretär der internationalen Jugend-organiſation, der in der deutſchen Schweiz als ein Agent der Entente und in der franzöfiſchen Schweiz als ein Agent der Zentralmächte verdächtigt wird, iſt ein Opfer deralles mit ſich fortreißenden reaktionären Flut, die am 17. November 1517 das Blut vonProletariern in den Straßen von Zürich vergoß. Er darf nicht an die deutſche Regierungausgeliefert werden, welche ſicherlich die Gelegenheit benutzen wird, ſich für die Arbeiteiner fruchtbaren internationalen Propaganda zu rächen, die von unſern politiſchen Organen ſowohl in Deutſchland wie auch in allen kriegführenden und neutralen Ländernveranſtaltet wurde.

Retten wir ihn alſo ans den Klauen der reaktionären Beſtie; befreien wir ihn! Laßt uns öffentliche Verſammlungeu einberufen! Proteſtieren wir gegen die Verletzung der individuellen Freiheit! Geben wir unſerer Solidarität mit dem Betroffenen Ausdruck!Wenden wir uns an die wirtſchaftlichen und politiſchen Organiſationen des Proletariates aller Länder, damit ſie Hand in Handmit nus ihr möglichſtes tun, ſeine Befreinng durchzuſetzen.

Die internationale ſozialiſtiſche Jugendorganiſation ladet die Töchter-Organiſationen aller Länder ein, das ſoeben begonneneWerk durch raſche, kräftige und geſchloſſene Aktionen zu unterſtützen. Schon haben ſich die Internationale Sozialiſtiſche Kommiſſion,die ſozialiſtiſche Jugend Schwedens, die ſozialiſtiſche Jugend Italiens angeſchloſſen und durch Proteſtreſolutionen und öffentlicheDemonſtrationen ihrer Solidarität mit dem Genoſſen Münzenberg Ausdruck gegeben. Mögen die Proteſte zu einem einzigen warnenden Rufe werden, daß man das frivole Spiel nicht übertreibe.

Genoſſen und Genoſſinnen! Einem weitern Kämpfer wurden für ſeine junge Tatenluſt und Ueberzeugung die Ketten enger geſchnürtund er feiner individuellen Freiheit beraubt. Es iſt der Genoſſe Andres Saborit Colonier, der Vorſitzende der ſozialiſtiſchen Jugendorganiſation Spaniens , der in letzter Inſtanz durch das Kriegsgericht zu 18 Jahren ſchweren Kerkers verurteilt wurde, weil er zuſammenmit den Genoſſen Angnianuo, Beſteiro und Largo Caballero alle drei zu lebensläuglichem Zuchthaus verurteilt das revolutionäreKomitee während der letzten antimonarchiſchen Bewegung leitete.

Unſere internationale Vereinigung iſt, wie ihr ſeht, während dieſes Krieges am härteſten betroffen worden. Der Organiſatorunſeres erſten internationalen Kongreſſes, Karl Liebknecht, ſchmachtet im Zuchthaus. Der Gründer der öſterrejchiſchen ſozialiſtiſchen Jugendorganiſation, Leopold Winarskn, iſt tot. Der Gründer der ſozialiſtiſchen Jugendorganiſation Spaniens , Thomas Meabe, iſt tot,das Opfer der Reaktion. Ein Sekretär der ſozialiſtiſchen Jugendorganiſation Italiens , Amedeo Cataneſi, fiel im Krieg; ein andererwurde des Landes verwieſen, ein dritter liegt im Gefängnis. Der Sekretär der ſozialiſtiſchen Jugendorganiſation Griechenlands ,Iſaac Saragozzi, befindet ſich ebenfalls in Haft. Der einſtige Sekretär der ſozialiſtiſ chen Jugendorganiſation Frankreichs , F. Strago,büßt ſeine Tätigkeit mit zeitweiliger Haft in den republikaniſchen Gefängniſſen. Der Führer der ſchwediſchen ſozialiſtiſchen Jugend,Zeth Höglund, iſt mit einem Jahr Gefängnis beſtraft worden. In neueſter Zeit wurde in Mailand der Genoſſe Bruno Fortichiari ,die ſchöpferiſche Seele der ſozialiſtiſchen Jugend verbindung der Lombardei , verhaftet.

Ueberblicken wir die Reihe der in dieſem Kriege gebrachten Opſer, ſo gedenken wir beſonders derer der ruſſiſchen Revolution,der tauſend andern in den Gefängniſſen ſchmachtenden Genoſſen, an die Ermordung des Genoſſen Jean J aurês und an das heroiſcheOpfer Friedrich Adlers. Aber das iſt unſer Stolz, das iſt unſer Ruhm. Leuchtende Wegweiſer ſollen ſie uns fein für unſern Vormarſch!

Freunde und Freundinnen! Laßt eure Begeiſterung entflammen an dem Schwung und dem Opfermut unſerer Organiſation,die lebt und vorwärts treibt und die man nicht töten kann durch Brutalität und Riedertracht. Im Gegenteil; neue Stoßkraft undWucht wird unſere Bewegung empfangen aus all dem Opfermut, aus all der Selbſtverleugnung und Glaubenskrajt unſerer Genoſſen.