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Gottfrid Arnolds unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie : von Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688
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von denen Katzer-'Mfchichten-

solchen irrungen und streitigkeiten diejenigen/welche sich vorChristlicheObern und Lehrer ge-halten wissen wollen/ zu allen möglichstenglimpffund sanfftmuth verbunden gewesen/dieangeschuldigte Irrthümer zu untersuchen /nachbefinden dieselbe freundlich und gründlich dar-zulegen / zu bessern / durch liebreiches zuredenund conleriren auffeinenGottgefälligen zweckzu richten/oder aber in entsiehung dieses/undda der irrende auff seiner Meinung blieben wa-re/durchausschliessung von der gemeine ihn zubeschämen/ dabey doch sich aller gewalt-thätig-ungerechtig-und partheiligkeit zu ent-halten.

i?. Ob datt nicht auff solche art die meistenerfolgten schwere diLrentien und unruhenwürden gehoben/ja viel katzereyen wircklich un-terblieben /und alle der schade verhütet wordenseyn/ der die Christenheit gantz umgekehrt undruinirlhat?

14. Ob nicht die ersten Christen ebendieje-nigen beschuldigungen/ einwärffe und Verfol-gungen von denen Heiden erlitten/ welchedie an-tichnstische lehrer nochmals denennoch unterihnen übrigen wahren Chrijlen angelhan/wiees die gantze krrchen-histone ausweiset?

1 f. Oo nichr eben oiese Historie durchgc-hends mir unzehlichen handgreifflichen exem-pelndarlege/ oast man diejenigen mirfalschenbeschuldigungen/ Verleumdungen und ankla-gen/schwartz/verdächrig und jeoerman verhaftgemacht/ ihre bekanrnüffe unrecht gedeutet/verdrehet/ ungleichappliciret/ undsonst aufftausenderley art ihren guten leymund abge-schnitten?

16. Ob nicht solche abschneidung des gutennamensund vertrauensunterandem lemensol-chen Personen als ein mors civilis offt schädli-cher und empfindlicher gewesm / als wo man siemit der Hand gepeiniget oder todt geschlagenhätte?

17. Ob nicht dasjenige/was etwanochta-delhafft an ihnen gewesen/durch die kätzerma-cher auffs allerhöchste exaperiret worden/un-geachr sie selbst als mäckensauger und camel-schlucker entweder an sich oder andern auch diegrössesten balcken/der äussersten blindheirundgottlosigkeit vertuschet oder vor' geringe undunradelich ausgegeben?

18. Ob nicht viele aus geistlichem Hoch-muth und einbildung ihrer grossen Weisheit/oder auch aus sicherheitund blmoheitdaöjenigevorversuchungcndes teuffels/eigene wegeundfingulantüt/ melancholey/ mürrischen trauri-gen sinn ausgegeben/ was doch GOttes wahrewirckung gewesen / zumal wenn man sichs ka-tzereyen zu nennen nicht getrauet/oder noch gargnädig und gelinde handeln wollen?

19. Ob nichr diese und dergleichen falscheverurrheilungen dem Widerchrisi zugekom-men/ und von demEvangelischen wegeJEfuCHristi gantz entfernet gewesen / absonderlichda man andere solche beschuldigungen zu glau-ben überredet/und vornehmlich denen Grossendadurch weder selbst zu folgen noch andere zuleiden anlast gegeben?

20. Vielmehr ob die hesstigen zornigenschrifften/ katzer-register / schelt-und schmäh-worte/leÄirische schmähliche beynahmen undgreuliche ritel /spott-und stachel-rcden/ auffrei-

A.LrH. E

tzungen der Obrigkeit und des pöbels und der-gleichen unter dem weiten mantel des nützlicheneiffers über die Orthodoxie vor gescheiden ge-müthern bedeckt werden können ?

21, Ob die gemeine invemion, diesem undjene/welchem man sonst nicht beykomen könen/einen alten kätzer-namen zum prajudiz anzu-heben vor GOtt und menschen verantwort-lich und Christlich sey? Angleichen ob die-genhaffcen Historien und beschreibungen derka-tzer ohne weitere Untersuchung stracks anzuneh-men und nachzuschwatzenseyn?

22. Ob diejenigen processe der alten neuenPabsientzenden Clerisey im geringsten zu ent-schuldigen/ wenn man wider solche leute/ diesonst mit der göttlichen warheit würden durch-gebrochen haben / von seiner parthey einseitigconcilia , collocpiia oder conkerentzM angestel-let/ dieselben entwedernichtodernurfodazuge-lassen / daß sie als rei vor ihrem gegenpart alsrichtern stehen / von allen menschlichen bey-stand und zusiinrmung verlassen/und also noth-wendig verdammt werden müssen?

2Z. Ob nicht eben dieser proceß bey denmhernacheingefährtengeistlichengerichten/con-NÜorieN/ inquiNrioneN/ comnidlionen/ vilr-racionen und dergleichen mitausschliessung dergantzen gemeinden/ und beraubung ihres diß-falls vonGott habenden rechts/aufdie allerun-gerechteste arr an so vielen vorgenommen/undmir unersetzlichem schaden der warheit vollstre-cket worden?

24. Ob es recht/ daß man Hiebey überundneben der H. Schrifft noch gewisse Embola,bekäntnüffe/arrickel und satze aussgesetzet/die-selbe denen andem allen als kennzeichen derwahren kirche und normen des glaubens ange-priesen und aussgedrungen/durch VieObrigkeiralle diejenigen zur uncerschrifft genötiget/wel-che verdächtig geschienen/ deßwegen diegrau-samsten bannftüche und anathemata wider altedislenurcnbc hinan gehencket u.s. w.

2 s. Ob man jemals befugtgewesen nach ei-gnen gutdüncken und ineereilc eine gewisse an-zahl theologischer satze zu formirm/ dazu etli-che spräche aus derBibel als den beweist zuse-tzen/jo dann dieselben vor fundamental artickelund den unfehlbaren gründ des glaubens aus-zugeben/und sich also selbst inauslegung undapplication de/H.Schrifft zu einem unbetrieg-lichen richter/ hingegen alle/ so damit alsmenschlichen auffsatzen nicht zu frieden/zu ka-tzernzumachenund zuvcrbannen?

26. Obdieauff solche schriffcliche Handlun-gen erfolgte gewaltthätige executiones Nichtvom fatan selbst herstammen/ wenn dieCleri-fty ihre eigne dinge also mit list oder gewaltdurch unzehliche rancke und griffe canonibret/und also wie der Antichrist /sich in den tempelGOttes gesetzt und vorgegeben/sie sey GOtt /dem man allein ohnegnugsame Prüfung glau-ben müsse?

27. Wenn sie ferner die Verantwortungenund andere schrifften derer bedrängten undnothleidenden unterdrückt/conlckcirt/verbrant/und sonst den leuten listiglich aus den Handengespielt/ unter dem vorwand/ man sorgte vor-der leute seeligkeit/in der that aber ausfurcht/sie möchten daraus klug und eines bestem kun-dig werden?

sterTheri. B L8.OH