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Gottfrid Arnolds unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie : von Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688
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m denen Katzeß-Geschichte«.

hermachen am ersten fertig und ihrer loß zu

werden verhosser?

7. Und ob bisweilen nicht die verderbteRegenten/Bischoffe/Gemeinden und anderedieses als die gewüntschteste gelegenheit ange-nommen / dieser und jener ihnen um der war-heit und gottseligkeit willen verhaften personförderlichst sich zu emschütten/und an deren stel-le Heuchler und schmeichlrr um und über sich zuhaben / auch auf diese und andere weise ihrenstaat desto mehr zu befestigen / und sich desgehorsams der übrigen zu versichem ?

8 . Ob nicht bey verjagung der kätzer/conKscationihrergüter/befoldungenund einkünff-te/der geitz und gewinnsucht derer inrereKr-ten sich osstnbarlich verrathen / welcher ihreurtheile und straffensogleich als ungültig undungerecht erklärt gehabt ?

9. Ob sich nicht viele bey entstehendem re-ligions-streit eben dadurch des Verdachts undanderer besorgten ungelegenheit entschüttenwollen/daß sie ihre eigene sonderbare Meynun-gen verschwiegen / hingegen auf andere mitioß gefallen und sie zu boden treten helffen? c

10. Ob mancher nicht aus natürlicher blö-digkeit und furcht vor dem schnauben und po-chen derer verkehrten eifferer und aus befin-dungseiner schwachheit/unglaubens und der-gleichen zu solchen Händeln mit eingestimmet/oder wenigstens still geschwiegen / wovon erdoch in feinem gewissen anders überzeugt ge-wesen ? Und ob man sich gleichwol nicht aufsolcher ftitodemorum beypstlchtung/zeugnüs-fe und bekraffcigung in verurtheilung der un-schuldigen bezogen?

11. Auch ob nicht einige aus unwissen-heit/verworrenen gemüths - affecte» und fal-Ichen berichten zum eiffer über die / so ge-rechter gewesen / bewogen worden / und ge-meynt / sie thaten GOtt einen dienst daran/wie bey vsrfolgung derer jünger Christi allezeitgeschehen^

12. Und ob also nichtdurchgehends so woldie fchrifftliche Widerlegungen und Verdam-mungen / als die wirckliche Verfolgungen beydenen unwissenden einen grossen schein undnamen des eiffers vor GOtt / und seine ehre /Wort und warheit/ der genauen wissenschasstin der religion/ der strengen gerechtigken/Wachsamkeit / arbeitsamkeit / treue und auffDichtigkeit gehabt / dahinter doch lauter an-tichristssche greuel in der that versteckt ge-wesen?

i z. Ob nicht hiedurch / so viel 1000 sielenin ihrer blindheit / eitelkcit /cheucheley und of-fenbahren gottlosigkeit kraffrig auffgehalcenund bestärktet worden/da sie gesehen/daß dievermeynrenseelsorger alles dieses selbst gethan/oder doch verfochten / dessen gegenrheil aberan so vielen zeugen der warheit verdammethaben?

14. Ob nicht solche katzermeisier so wohldurch besagte a&iones , als durch die darausentstehende argemüsse und andere böse fruch-te den gerechten zorn GOrtes und straffenauff sich geladen?

n. Ob sie nicht an statt der mit derwar-heitverknüpffcen gründlichen reinigung undHeiligung der hechen ihr eigen natürlich ver-derbniß durch hessrigen zorn/grinrm/geschrey/

bitterkeit und dergleichen bey solchen verkehr-ten eiffer nur gemehret/und also ihr elend nurmehr gehauffet / hingegen sich immer mehrvon aller gnade / licht und krafft entfernetund unwürdig gemacht?

16. Ob sie auch nicht in anderen eben diesefünden und lasier vermehret/ja in vielean sichselbst stille / liebreiche/ friedfertige und sanfft-mürhige gemürher den gifft der boßheit undumuhe durch ihre hefftigkeit eingeblasen undfestgesetzet?

17. Ja ob sie nicht offt grosse Herren/wel-che zur gütigkeit und friedfertigkeit/sonderlichverbunden / auch wol von sich selbst geneigtgewesen/mit gewalt und hefftigkeit wider sol-che angegebene kätzer zu verfahren unter demnamen der göttlichen ehre auffgereitzt/und al-so zu gleicher Verschuldung und straffe verlei-tet haben?

18. O nicht daraus so viel harte processe/matter und pein / blutvergiessen / leides-undlebens- straffen entstanden / da man wider dieangegebene katzereyen schärffer als wider dieallergreulichsten verbrechen mit schwerd undfeuer gewütet und noch dieses alles einen got-tesoienst / ja eine stuffe zum Himmelreich ge-nennet?

19. Obnicht durch daslarmblasin und frein-triguen derer falsch-geistlichen über ihrenschul-streit die regentenftlbst untereinander zerfallen/in grosse feindschafft und öffentlichen krieg ge-rathen/darin land und leute verderbt/ja gan«tze herrschafften und königreiche in gründ rui-niret worden?

20. Auch ob nicht so viel rebellionen/meyneyde / Mordthaten und dergleichen aussolchem gezancke entstanden /welche man alledenen unverständigen eifferem zu dancken ge-habt ?

21. Ob nicht die betrübtrsten denckmahlesolcherfrüchte deskatzermachens noch so wol inbüchern als in derthat selber voraugen liegen/daß hoheund geringe geschlechter/gesellschaff-ten/coilegjä, nachbam/ eheleute/ geschwisterund dergleichen durch eine ewige ftindschafftdeswegen zertrennet / und zwischen manchenümilien, hohen und niedrigen/kein vergleichnoch einigkeitüm solches alten grolls willen zumachen noch zu hoffen?

22. Ob nicht durch deiHleichm hanöelgan-tze länder und reiche erschöpffr / von einwoh-nern geschwächet oder entblösset / der münu-facturen und anderer nahrungs-Mittel berau-bet / und sonst übel zugerichtet / sonderlichaber derer göttlichen Gerichte schuldig wor-den?

23. Hingegen ob nicht durch GOttts weiftVorsehung solche plagen und Verfolgungen/denen vermeynten kätzern zur wahren demü-rhigung auch wohl vergelrung und züchti-gung wegen anderweitiger Sünden/oder zurreinigung und Vollendung dienen müssen/wenigstens zur verläugnung der weit und ihrerselbst/darinn sie wohl bey guten Tagen nichtso flüssig gewesen waren ?

24. Ob nicht damit/daß die eifferer so gar

freygebig und wohlfeil oder vielmehr liederlichund frech so wol mit dem namen der kätzer/als der Christen oder orthodoxen gewesen/siees dahin gebracht/daß sich redliche gemütherErster Theil. B 2 wegen