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Gottfrid Arnolds unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie : von Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688
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von denen Kätzer-Geschichten.

(o) Camerarius Vita Melanchth.prajf. & p.j^S. edit.

nova; Lips. (p) Brunnemannus 1 .c. Lib.I, c.6.

§. 27-p.ii9- Cq) Idem Lib.I.c.i. §. 'J. p. y.

21. Neben dieser verkehrten art ist auch nichtunbemercket blieben/wie man öffters unschul-digen leuten durch üble auslegungen und Ver-drehungen ihrer Worte schaden thun wollen/sel-bige falsch angezogen / verstümmelt oder ver-mehret und dergleichen practicken mehr began-gen/ daher kommen die beschwerungen: Svol-tze ausfgeblafene gr-tster grübeln mande-rer golehrden büchern und sthriffrett/ su-chen mit grossem flerß/ob sie etwas findenmögen das man schändlich depravire« /corrumpiren / und etwa bey den haarenaufi einen wrederwäreigen verstand zie-hen Sonne- XVcnn sie dann etwas fin-den/daß sie calumnirett Wtfcdep ravire« kön-nen/ob mans gleich candide verfielen Sonste ; so sind sie doch bald fertig mit-tzernamen/mit verdammen und verban-nen/ und ist ihre graste lust/ wenn sie je-mand dem keuffel geben mögen. Gleichals wenn es eine besondere eugettd undkuryweil wäre / andere dürstrglich zu ver-dammen/ ohnangesehn daß sie es ostr inihrenheryenund gewissen anders wissen/und verstehen / nur allein daß sie vor rein-ste zelote« und eysstrer wollen gehaltenseyn (r)

(r) t). Srgfrid Saccus (Sptlfel'/SJJrefc. p.15.

22. Deswegen haben andere bedächtigeregewärmt: Man könne leichtlich andernunrecht thun/und die Zuhörer mit einerungegründeten relation betrügen / wel-ches der gröste schade in der kirche ist.Wernundiewiedersacher anklagen wil/der muß vor allen dingen zusehen/ daß erden irrthum nicht aus einem blossen ge-schrey vernommen habe / sondern aus le-sung der auctorum selbst / damit sie davonrecht urtheilen können- wer dazu kei-ne Mittel hat/der lasse sich begnügen/ daßer andere stücke seines amks chue/ und dieWiderlegung geübten überlaste, (s) Vondiesen und denen übrigen arten der verkatze-rung/ wie sie in Worten bestanden/sonderlichvondem offtgewöhnlichen bannstuch ertheilenübermal die eintzeln hier befindlichen begeben-heiten sattsame Nachricht. Und daß es auchunter denen eiffrigsteN an so grossen Unrichtig-keiten nicht gemangelt habe/ werden die katzer-geschichtedarleghZugeschweigen/daßvonvie-lengemeinen katzer-registern mehr als zu wahr

ist/ wasVoNdeM bekannten CatalogoHäiretitorum Gonrädi Schliiflelburgii eM gelehrterman gedencket:Wieer ncmlich zuweilen dremaß überschritten/und denen wiedersa-chern etwas angedichtet / oder auch alzu-harte consegusmiengemachethabe. (t)

en/ welche wider jene zwar dißfalsprotestiret,so offt sie es selbst betroffen/imübrigen aber anandern dergleichen wider ihre eigene principi«ausgeübet haben. Die exempel hievon wer-den die Historien dieses und des vorigen sceuüdarlegen: hier mögen nur etliche observationesvoranstellen/und zwar solcher die hierinnen un-partheyifch gewesen. Denn da sind bekanntgantze schrifften so hievon herausgekommen/

als des Lalduini Disputation: Wie diekä-tzer zu bezwingen styn?Des Ibummü ira.«lkat: Daß man die kätzer nicht tödten sol-le. DesHeerbrands: Ob die kätzer am le-ben zu straffend Des Justilvleieri Frage: Obdie Protestanten nach dem Rayserlichenreche kätzer / und am leben zu strasstnseyn? Und viel andere dergleichen. Wieauch unterschiedliche ausführungen der frage:Ob auch einem kätzer treu und glaubenzuhalten i davonsonderlich D.Damelis Cra-meri Tractat bekannt ist.

24. Insonderheit wird von verständigenüberhaupt wohl erinnert/man finde beyde-»nen Aposteln nur die macht das Evangelium»zu verkündigen/auch ohneconsens der Dbrig-"keit/sonsi aberweder herrschafft noch zwang/ »2. Gor.X. 6 . VI. 4. segg. VlII. 8 .Lo 1 oIs. 1 . 23 '«

as.Daßauch ferner sie nicht einmahl oblique <«oder indirecte sich einiger herrschafft anmassen»dürffen/weil solche Verfälschungen ihnen nichteinmahl in sinn kommen mögen/ i.Oor. ix.

16. Ferner: daß alle herrschafft wider die na-"tur der Christlichenreligion streite/daß/wennman die streitigkeiten verbieten wolle/ man»nurmchr Heuchler und heimliche kätzer mache/»nichtaberrechtglaubigeChristen. Derglau-»be müsse durch die gnade desH. Geistes erwe-"cket werden / und bestehe in einer vollen zuver-»sieht des hertzens/ welcher denn durchzwängeoder befehle in einen äusserlichengehorsamder^zungeverwandelt/womit die Worte zu abwen-"düng zeitlicher straffe sormiret werden/ wel-"che doch vom hertzen gantz entfernet seyn."Dkan könne nichts ausrichten durch gewalt»odermenschliche straffen/noch dieerleuchtungdes gemürhs und den innerlichen beysallfol-»cher lehren/die über die vernunfft steigen/zu"wege bringen. Hingegen sey dieses nichts»wenigerals eine religion/ wenn man seine mei-'nungenim hertzen behält/und ein anders mit"dem munde bekennet/oder durch gewisse cere.--monim und stellungen des leibes darleget.»Dadurch werde die kirche nur mit Heuchlern"und mit solchen leuten erfüllet / die brandmah-"le in ihren gewissen haben/und deswegen in»steten ängsten dahingehen/ weitste mit"uneinigen hertzen und tippen GOtt gespottetthaben, (lc)

(k) PuiFendorffius de Hab.Reiig.p. 72,76. iSo. 21Ö,seqq.

(s) ßalduinus difc.TheoI. de Mathatnatisin. th. 27.(t) Sagittarius Introd.Hist. Ecci. p.Sip.

23. Von diesem wort-streit ist es offt zurwurcklichen wiederlegung oder vielmehr ge-waltsamer Unterdrückung und beleidigung de-rer vermeinten kätzer gediehen. Und zwarnichtnur bey denen Römisch - Catholischen / vonwelchen alle und auch diese Kirchen-Historienund die lnguis>tions-und Märtyrer-bücher vollsind: sondern auch bey denen andern parthey-

2s. Und ob wohl viel die sorge dergemei-"nen ruhevorwenden /um welcher willen man"alle eusserste Mittel die religions-spaltungen"auffzuheben brauchen müsse / dadurch auch"wohl die gelindesten Herren bewogen werden"könten/ihre macht dergrausamkeit derer prie-"sterdarzuleihen; so seyjdoch dieses demzu--»stand der kirchen zuwider/in welcher das un-'<-kraut unter demweitzen stehet/und doch nicht'«mit gewalt darff ausgejätet werden. Der'-

A.L H. Erster Thett.

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