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Gottfrid Arnolds unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie : von Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688
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so Th.i.B.i-vondenMrckwürdigsttN ktrchmgeschichtenmdcm ersten Jahrh.

Jchr l. meine religion vor alle volcker werden/so laugebiß c. es mit densachen solche bewandnäß hatte.

I. unter 6. Unter den übrigen völckern der Welt stuwde es damals nockwel elender zu. Siewaren7 alle in der äussersten blindheit gebohren und er-zsgen/und die meisten/sonderlich vorn gemei-nen Haussen/ lebten wie das rumme Vieh.und ihren zwar machten die heydnische pfaffen viel ge-Pricstcrn/ schwatze und gepler: von ihrem selbst erdichte-ten gorresdienst / und liessen sichs sauer werden/ihn recht scheinbar/prachtig und mühsam ein-zurichten. Aber wer klug war/sahe den betrugwol/und wurde folgends durch solche Verstel-lung verer/die um ihrer ehre und gewinnswil-len solche dinge auss die bahrn brachten / zumarbeitten. Diejenigcn/welche sich in büchern/auss reisen und sonsten in der weit umsahen/wüsten wol etwas scheinbares manchmal vonGOtt und göttlichen dingen zusagen ; alleinesreichtenichtweit hin/und hieltegegendieein-würffe scharfffmniger vernunfft-schlösse densrichnicht. , Zumwenigsten kont es ihnen keinewahre gemüthsmhe und glückseligkeit zuwegebringen.

PLikoso^ 7' Die verständigen merckten wol/ wie diePhcn und Ubilosoxbi neben den Priestern durchßhre lch-Pveteo/ ren nurmeistenssichselbst groß machen wollen.Und das thörichte gezancke unter ihnen und ih-ren anhangern machte rechtschaffenen gemu-therngareinen eckelvorsolcher losen speise. AnDie Poeten und ihre fabeln kehrete sich kein ge-scheider kopff/weil das/was noch wahr und gutdran seyn mochte/ mit so abgeschmackten in-ventione« verdunckelt und besudelt wurde.Vey dieser bewandnüß ersönne fast ein jederihm selbst einen eigenen weg / worauffer nochmeinte seinen willen in der weit zu haben.Daheroauch dieOberngnug hatten/wenn dervöbelmit zwang oderguter manier im zaumge-halten wurde. Im übrigen mochten die leuteleben/wie siewolten. Die Priester richteten ih-re satze und götzendienste so ein / daß sie dabey ih-rem respeÄ und Vortheilen nichts vergebendurfftm. Daherlieff ihrgantzes thun auss ei-tel opffer/sesttageund tausenderlei) ceremonienhinaus. Wer diese nach ihrer vorschrifft mitmachte/der war bey ihnen wol gelitten. Siefunden auch unter dem recht viehisch gesinntenHaussen des rohen volcks keinen wiederlpruch.dcmVolck ^ Da nun keinestitcixlin noch einsehenauchinsgc- an den grössesten örtern der welk war/ musten

mein. freylich alle laster durchgehends auffs höchstesteigen. Denn man scheuete sich nicht auchunter demscheinundnamen desGottesdienstsund der religion die abscheulichsten dinge zu be-gehen. Die Obrigkeit sahe durch die finger/und machte meistens mit/oder / wenns einigebesser wüsten/wolten sie doch aus furcht nichtsdarwidersagen. Den Priestern brachte es geldund zulauW gnug / ausser daß sie auch selberüberall ihre freyhelk nulchatten / in allem mitoben rind unten zu liegen. Und das gemeinevolck war folgends in allen nur ersinnlichengreueln ersoffen/wie man mit entsetzen in ihrenschriffren lieset. Ja / was das mercklichstewar / es regierten die bösen geister öffentlich undsichtbarlich unter ihnen. Daher» sich kein inder anri^uieat belesener mensch wird erinnernkönnen/daß er zu einigerzeit mehr erzehlungenrind dmckmahle von zaubereyen / rerrffelsbe-

schwerungrn/ orackeln / Wahrsagungen/ erschei-^ahr rnungen der teuffcl und dergleichen schrecklichen Wodingen gefunden habe/als eben vorder zeit dergeburt CHristi. Welche aber um und nachselbiger zeir augenscheinlich abgenommen unoverschwunden sind / wie die heydnischen Scn-bentcn selbst bekennen Md klagen.

Lli/ebium praeparat. Evatigc!,

c. i.

9. Zu einer so bedencklichen zeit wurde nun^.m,,CHristus JEsus bekannt / da auch die ver-Ac^nunfft sehen tonte / daß es eine hauptverände-MLHwrung nach allen dingen in der welk geben muste, sto/

Es mochten auch viel/die etwas bessers erkann-^Wrten / heimlich darnach verlangen / welche her-^nach diese hülffe desto begieriger annahmen.Absonderlich/da niemand leichtlich unter denJuden läugnen fonte/ daß die zeit des Meßiavorhanden wäre/ und es sich nur noch an diepersonstieße. Wiewo! bey denJüdensonder-lich das wiederspiel geschahe/ daß sie so heilsa-me mittet zur wahren glückseligkeit fast allever-worffen/und den heyden muthwillig überlies-sen. Womit denn auch die warheit der lehreCHristi unter andern fest gesetzetwurde: Dagleichwol dievernunfft hatte meinensollrn/dieJüdensoltenCHristumam ersten und liebstenannehmen /weil sie so lange auss ihn gewartethatten. Aber hier wurden nun die Weissagun-gen wahr gemachct/welche wider diese ordnungviel ros.jähre zuvor also lauteten: CHristussolte aller heyden tröst/ und hingegen von sei-nem eigenen volck verworffen werden. Undalso gieng es auch würcklich bey dem ansangund Wachsthum des Christenthums. Wel-ches zwar denen lcuten dieallerherelichsten Vor-theile indie Hände gab/und dennoch vonvielmverworffen ward. Es wolre sie nicht alleinvon aller vcrdrießligkeit und beschwerung desäusserlichen gesetzlichen gottesdiensts/ sondernauch von der inwendigen unruhe der hertzen/und deren unordentlichen bewegungcn befrey-en/die gesellschafft der menschen wolle esver-gnügsam/friedlich und unmuthig/ihr privat-leben rechtglücklich/dengebrauch der zeitlichendinge ordentlich und gesegnet / und alles gutmachen / wenn die menschen nur folgen wollen:und in summa das höchste gm GOtt selber/woltesich mitallemseinem schätz gerne mitrhei-

io. Nach dem aber nichts destoweniger die .... ^Juden aljo CHristum selbst ausgestossen hat-A^

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mit allen seinennachfolgemzu vertilgen. Äkas-sen es sich mit ihren einbildungen und absich-ten/sonderlich der Priester/nicht reimen wolle/wo sie Vieles alles überbäd nehme. liessen.Zumalda ihnen einmal fest eingepräget war/daß ibnendieser ausgegebene Erlöser von ihrem joch derRömer nicht helffen könte/uü vielmehr alle ihreVerfassungen unrechte folgends über den Haus-sen werffen würde. Daher gieng es nun an einlästern/verfolgen und wüten gegen alle /die sienur dleser lehre wegen verdächtig hielten. Wo-von die Geschichte der Apostel sehrmerckwür-dige umstände berichten / die einem warheitlie-benden gemüthe viel eröffnen können. Hierwird ausser denen nöthigsten begeb.enheiten we-nig wiederholet werden/indem wir uns bald zudenvorhabenden anmerckungen wenden.

Das