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Gottfrid Arnolds unparteyische Kirchen- und Ketzer-Historie : von Anfang des Neuen Testaments biss auf das Jahr Christi 1688
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Th.li.B.xvil.C.xvl. Von denen Atheisten/

Gut ifl er ohne qualitast .

LXiXViH groß ohne quantit*» , gantz ohne theile;ohuveränderlrch / wenn er schon allevrnge verändert:; dessen wollen ist diemacht / und das werck der Wille; Erist einfachtig; alle sein vermögen ist diethat selbst/ ja er ist die reine/ dre erste/die mittlere und die letztere that- End-lich ist er alles über alles / ausser allen/in allen und nach allen, (e) Und derglei,chen paradox« und ungewöhnliche ( ob wolan sich selbst warhafftc exprcilion« findetman hin und wieder an ihm getadelt/ welchevon denen ersten erleuchteten Christen vor be-kandt angenommen / und dagegen die un-nützen Schul - termini und grillen ohneallen zweiffel würden seyn verworffen worden.Endlich hat man auch an ihm gcmißbilligct /daß er die Göttliche vorsthung aus den ora-culis, Sibyllinifcfyen buchten und wunder-wercken beweisen wollen / welches doch vielanderevorundnachihm auch gethan, (f )

habt/ auch die zum schein gemachten cinn>5rffc^Mi>c.derer richter ernstlich wiederlcget. (§)

txxxvin,

( g ) Grammondu* 1. c. Franciscus Rossetus apudZeilcrum I. c.

(e) Vid. Exereit. I,cit. 6, scspj.

pag. 4 . io, ftqq, ( £ ) Exer-

Andere

12 . Dem allen aber ungeacht haben dieVerständigen nicht allein das buch vor garklug oder gesund erkandt / wie bereits gemel-det worden / sondern auch den proceß derClcriscywieder ihn vor eben so leichtfertig undgewisscn-loß gehalten/ als er mit andern sogenannten katzern von denen tyrannischen. Pfaffen gespielct worden. Die umständevtNMnde. stiner exccution werden einem in solchen ka-tzer - Händeln geübten gemüthr vieles hievon. zu muthmassrn an die Hand geben. Manwissen, krzehlt von ihm / daß er unter andern wissen,schafft jgschaftrrn schon in Italien und Spanien sichterMagia. sehr auss die Aürolo^ie und die Magiam(welcheinsgemein vor die Teussclische Zauber-kunst gehalten/ bey andern aber von jenerunterschieden/und als eine Göttliche und un,gemeine gnaden, gäbe aus vielen unbeweg- >lichen gründen beschrieben wird) geleget /!aber bald aus furcht vor der Inquisition sichaus Spanien nach Pcmß begeben müssen.

atStttSsaber auch hier Vaninus vor dem neidtvcgcn der andern Gelehrten nicht sicher seyn konte /seiner ga, indem man ihm den zugang und die gunstbro. bey grossen Herren nicht gönnm / (die auchsein gedachtes buch öffentlich verbrennen lies-sen) so zog er nach Tholosc, und erfuhr we-gen neuer kundschafft mit vornehmen lcuteneben dergleichen Mißgunst. Man schrieb ihmauch von Pariß aus dorthin solche brieft nach/Gesa». daß er endlich gefangen gesetzet und verurthei--rnschastlet wurde / daß er solle gehencket und vcr,brannt werden / wozu man sagte: Er wäreSr,k5 durch zeugen der Atheisterey überwiesen,rung und Nun bekennen seine anklaget selbstcn / daßverwei. er bey der Inquisition sich allezeit wohl unddigung. orthodox ttfjstvtt / auch sonderlich vor demRechter weitiaufftige dilcursievon der ex.KentzGOttcs geführer / da er unter andern im Ge-richte einen stroh-Halmen von der erden auff-gehoben und gesaget: Auch tiefer Halmennöthrgec tmcb zu glauben/das ein Gore

i3. Dieses alles aber hat bey seinen anklä-Sem tugern und Richtern nichts grholffen/ ohne^e-mrzweiffel weil sein tod einmal beschlossen gewe?'Esin/ wozu man etliche zeugen leichtlichfinden können. Dahcro hat man nun berich-tet / er hatte sich zwar erstlich gantz Christ­ lich angestellet/ in Hoffnung sein leben zu rrt.ten: Zuletzt aber halte er den Atheismum of,fenbahrlich antaggegebrn. Dieses wilmandamit beweisen / weder denen Franciscaner-München und andern Pfaffen nicht ehrcrbic,tig gnug geantwortet^/ auch Christum gelä-stcrt hätte. Diese lästcrung aber soll in fol-Borgt,genden Worten bestanden haben: LHristus^hak m stmer todes stunde aus angst ge-sthwitzee / ich aber sterbe unerschro-cken. Jngleichem daß er gstäaet: Wolanich wil philosophice (oder als ein weisermann) sterben! womit er ohne zweiffel diewahre weißheit / nicht aber die HeydnischePhilosophie (wie mansihm ausgelegt)«»,zeigen wollen/ ncbenst seinem uneischrocknenmuth / darinne er sein leiden dem verdienst,lichen leiden CHristi entgegen gesetzet habenmag. Nächst dem hat er die Richter nochmehr erzürnet / als er GOTT und den Kö-nig um Verzeihung zu bitten ermähnet wor-den / und geantwortet: Er dürste demBechi.Röntg nichts abbikten / weil er wieder Wgihn nicht» verbrochen / noch wieder die K 1Richter gesündtgek hätte / als welche'vielmehr ihm unrecht gethan hatte».

Wozu man noch diele worte setzet / die vonseinen feinden wiederholet werden: Erkon- (rte GGtk nichts abbikten / rverl er 'noch ungewiß wäre / ob ein GGtt >cpItem , wenn ein Teustel in der Holle wä-re /' so wollte er ihn denen Richtern an,wündfchen / u.f. w. Bey diesen umstan-den muß man nach der wahren liebe / die al-les hoffet / die erzchlung seiner eigenen feindevorsichtig unterscheiden/ zumal man stnstkeine nähere Nachricht von ihm hat. Dieleseine feinde haben nicht nur in den Relatio-nen selbst eine schreckliche Verbitterung wieder

ihn geäuscrt/sondern auch in seiner Hinrichtung. ^

Der henckcr muste ihm die zunge mit gewaUvA-aus dem halse rieben und abschneiden / dabeyyj.

sey/ welches er nach der länge dcducirr ge-l rühm , redigkeit und eigen

aus dem halse ziehen und abschneiden,sie schreiben: Er hätte gebrüllt wieein ochse: hernach wurde er nicht dem ur-theil gemäß erst gehencket/ sondern seine quälzu vermehren am feuer geschmeichet und ver-brannt / die asche zu letzt in die lufft gcsprcn-gck. ( h ) Und so meinte man sich an ihmgnugsam gerochen zu haben/und dem Atbei-simo einen grossen Vortheil abzujagen / wel-cher aber vermöge des obigen berichts her,nach nur weiter übcrhand nahm / wie esmit solchen gewaltsamen xroceduren zu ge-hen pfleget. Sonst wil ein gelehrter Cn-gelländer in Vanini Schrifften grölst

liebe an»,er-sten/