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I. Zur Geschichte der Autographensammlungen.
von der Magie handelten; in Rom liess der Senat die Manuscripte desNuma den Flammen übergeben, welche man, da sie mit der neuen Re-ligion, die ein Eroberer einführen wollte, in Widerspruch waren, alsgefährliche Schriften wieder aus seinem Grabmal entfernte; ein gleichesSchicksal liess Augustus die satyrischen Schriften des Labienus erfah-ren; die Schriften des Historikers Cremutius Cordus, welche auf Befehldes Senats verbrannt werden sollten, rettete seine einzige Tochter Mar-cia. Später hatten auch die Manuscripte des Arius und Nestorius dieEhre, den Flammen übergeben zu werden.
Trotz dieser bejammernswürdigen Profanationen beschäftigte sicheine grosse Anzahl berühmter Männer, ausgezeichneter Gelehrten mitder Erhaltung von Autographen auf’s Eifrigste. Aber der Einfall derBarbaren, die Verwüstungen der Normannen richteten noch einen gros-sen Theil derselben zu Grunde. In Frankreich plünderten die Eng-länder die Nationalarchive und entführten ihre Beute jenseits derMeere,und wenn einige wichtige Manuscripte diesen Verheerungen entgingen,so sind es die Mönche, denen die Geschichte, die Wissenschaften dieErhaltung dieser seltenen und werthvollen Bocumente zu danken haben.
Die Römer liessen Handschriften durch Sklaven copiren, bei derWiedergeburt der Wissenschaften machten die Mönche aus dem Ab-schreiben und Verkaufen von Handschriften eine Erwerbsquelle; dieeinzeln arbeitenden Schreiber, deren grösster Theil ein wahres Wan-derleben führte, die Notare in Italien (namentlich in Florenz, wo siesich auch häufig Notarius et seriptor unterzeichnen), die Stadtschrei-ber in Deutschland arbeiteten alle fast ausschliesslich auf Bestellung.Mit dem Entstehen der Universitäten war die Lebensbedingung für eingewisses örtlich entwickeltes literarisches Leben, für eine grössere ört-liche Concentration gelehrter Bildung und literarischer Bedürfnisse ge-geben. Die Schreiber nahmen nun feste Wohnsitze, zogen sich behufsder schnelleren Herstellung einer grösseren Zahl von Handschriften zuSchreiberschulen zusammen und legten förmlichen Handschriftenhan-del an. Am Frühsten entwickelte sich derselbe in Italien, der Wiegeder Universitäten, aber erst im 13. Jahrhundert, besonders seit derzweiten Hälfte desselben, zeigen sich die ersten Spuren von statutari-schen Bestimmungen über den Handschriftenverkehr, wodurch die aka-demischen Behörden den Uebervortlieilungen und Willkürlichkeiten,denen die Studenten bei dem Bezüge ihres Bücherbedarfs ausgesetztwaren, entgegentraten. Die in den Universitätsstädten sesshaften Hand-