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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
Entstehung
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I. Zur Geschichte der Autograpltensammlungen,

fäliglich auch gewissermassen Raritäten. Daher kommt es denn auch,dass sich eine nicht unbedeutende Anzahl von Handschriften vorfindet,die evident noch von Druckwerken abgenommen sind, ja sogar man-cherlei Beispiele von solchen, die Wort für Wort die Endschrift derDrucker mit deren Namen wiedergeben. In einem Zweige, in dem dergriechischen Codices, erhielt sich der Handschriftenhandel sogar fastunvermindert bis gegen das Ende des 16. Jahrhunderts. Für Frank-reich concentriren sich die Nachrichten über den Handschriftenhandelfast ausschliesslich auf Paris und knüpfen sich natürlich auch hier wie-der hauptsächlich an die Universität. Schon in der zweiten Hälfte des11. Jahrhunderts zeigen sich für Paris die ersten Spuren des Hand-schriftenhandels, obschon es unbestimmt ist, ob Seitens selbstständi-ger Gewerbtreibender oder nur als beiläufige Beschäftigung. Späterwurde der Handschriftenhandel durch Universitätsstatute geregelt. Im14. Jahrhundert fand eine strengere Scheidung der Befugnisse der ver-eideten Stationarii (Bücherverleiher) und Librarii (Handschriftenhänd-ler) Statt, obschon auch beide Branchen vereinigt Vorkommen. DieVerleihung fand übrigens wie in Bologna nur gegen Hinterlegungeines Pfandes Statt, das erst nach Verlauf eines ganzen Jahres ver-äussert werden durfte, im Fall keine Auslösung erfolgt war 1 . Nebenden Stationarii und Librarii gab es in Paris auch noch unvereideteHandschriftenhändler, oder wohl eher Trödler, die nicht zu den Uni-versitätsgliedern gehörten. Die deutschen Universitäten entstandensämmtlich erst seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und hattenkeine selbstständige Entwickelung aufzuweisen, sondern nahmen ohneWeiteres die ausgebildeten Verhältnisse der pariser Universität zumVorbild und Muster, verwiesen zum Theil geradezu auf die Statutenderselben. Uebrigens herrschte auch auf den deutschen Universitätenund in Deutschland überhaupt ein weniger reges literarisches Leben,als in dem verfeinerten Italien und Frankreich. Die Frequenz der deut-schen Universitäten war nicht so bedeutend, wie die der im höchsten

1, Um sich einen Begriff von den Bucherpreisen vor Erfindung der Buchdrnckerkuust zumachen, mögen hier zwei Beispiele dienen: Eine Gräfin von Anjou, die gern eiue Abschrift vonHaimons Homilien gekauft hätte, zahlte für diese Predigten des Bischofs von Halberstadt 200Stück Schafe, 5 Viertel Waizen, ebensoviel Roggen und Hirse. Noch im 15. Jahrhundert daKönig Ludwig XI. von Frankreich von der medicinischen Facultät in Paris die Werke des ara-bischen Arztes Nases leihen wollte, musste er nicht nur eine beträchtliche Menge Silbergeschirrzum Unterpfand geben, sondern er war auch genöthigt, uoch eineu reichen Herrn mit Hab undGut als Bürgen zu stellen, dass er das Buch wieder zurückgeben werde. Vgl. Ztg. f. d. eleg.Welt redig. v. Th. Drobisch 1S55 No. 39.