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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
Entstehung
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6 I. Zur Geschichte der Autographensamnilungen.

Beginne des 15. Jahrhunderts im westlichen Deutschland, sowohl inNieder- als in Oberdeutschland. Dort war es namentlich die Vereini-gung der Brüder vom gemeinsamen Leben, welche bei der Vervielfäl-tigung und Verbreitung der Bücher eine grosse Thätigkeit entwickelte.Für die Bedeutung des Handschriftenhandels in den Niederlanden, diedamals noch zum deutschen Reichsverbande gehörten, spricht aber fer-ner noch das Bestehen derLibraries Gilden zu Gent und namentlichzu Brügge 1 , welche die gesammten bei der Herstellung von Hand-schriften mitwirkenden Gewerbe in sich fassten und von denen die letz-tere 1450 sogar mit der ähnlichen St. Lucas- Gilde in Antwerpen inGeschäftsverbindung gestanden zu haben scheint. Eine ähnliche Con-centration des Schreibergewerbes zeigt sich in Oberdeutschland merk-würdiger Weise in dem kleinen Hagenau (im Eisass), späterhin eineziemliche Reihe von Jahren hindurch ebenso ausgezeichnet durch dieThätigkeit seiner Buchdruckerpressen. Es bestanden dort ausgedehnteSchreiberschulen, die sogar häufig ihren Ueberfluss an Schülern undMitgliedern anderen Städten mitgetheilt zu haben scheinen 2 . Durchganz Deutschland hin beschäftigten sich aber ferner noch die Schul-lehrer nebenbei mit dem Handschriftenhandel, wie die Endschrifteneiner grossen Zahl von Codices belegen helfen 3 . Aus einer Anzahl vonBücherinscripten lassen sich einige Gebräuche und Gewohnheiten fol-gern, die eine gewisse Aehnlichkeit mit den Verhältnissen der pariserHandschriftenhändler zeigen und das Vorhandensein einer Beaufsich-tigung Seitens der Universitätsbehörden ahnen lassen, ln Cambridgegehörten wenigstens die Stationarii zu den Servientes, die von demRector oder Kanzler der Universität ernannt wurden 4 . Dass die Hand-schriftenhändler übrigens auch in Oxford in dem gleichen Verhältnissezu der Universität standen, scheint aus einer gewissen Betheiligungderselben bei den Seitens der Collegiaten sehr häufig vorkommendenVerpfändungen von Büchern hervorzugehen. Auch in England führ-ten, wie man sieht, die Handschriftenhändler den Namen Stationarii,eine Bezeichnung, die sich noch heutigen Tags als Stationer (für Pa-pier- und Schreibmaterialienhändler) und in Stationers Hall erhalten

1. Willems, Berigteu wegen de boekprinters van Antwerpen, ten jare 1442, enz. Gent1844. 8. p. 16. Lambinet, Recherches historiq. litteraires et critiques sur lorigiue de iimpri-merie. Bruxelles, an VII. 8. ji. 378.

2. Zeitschr. f. Geschichte des Oberrheins, herausg. von F. J. Mone. I. Bd. S. 312.

3. Vgl. z. B. B. de Montfaucou, Bibliotheca bibliothecarum msc. nova. Parisiis 1739.Fol. Tom. II. p. 1177.

4. V. A. Huber, die engl. Universitäten. Cassel 1840. 8. 2. Bd. 8. 273.