I. Zur Geschichte der Autographensammlungen.
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behauptet und kann sich nur erhöhen, wenn man das fortwährendeWachsen der Zahl der Liebhaber in Betracht zieht 1 .
Die gesuchtesten und ältesten Autographen sind die des Wan-hi-sche, eines berühmten Rieh-ters, der gegen das Ende des 3. Jahrhunderts lebte; sie sind von solcher unnachahmlichen Ei-genthümlichkeit, dass der Kenner sofort ihre Aechtheit erkennt. Er war indess so sparsam mitseiner Handschrift, dass es immer einer Kriegslist bedurfte, um ihm welche zu entlocken, unddazu musste meist ein guter Gänsebraten, den er sehr liebte, dienen. Gegenwärtig wird einManuscript von ihm mit 400 — 800 Taels bezahlt (a 8 Fr.). Wie bei uns der Maler sein Ge-mälde, der Zeichner seine Zeichnung, so gibt der Chinese, wenn er Jemanden recht hoch ehrenwill, seine Handschrift als Geschenk. So überreichte der kaiserliche Commissar Ki in Macaodem französischen Gesandten bei der ersten Zusammenkunft einige Facher, ungefähr 25 Centimeswerth, «m welche aber die Begleiter Ki’s die glücklichen Fremdlinge beneideten, weil SeineHoheit einige Worte darauf geschrieben hatten. Als ganz vorzügliches Geschenk Hess der Oheimdes Kaisers dem Chef der Gesandtschaft einen Bogen von 3 Meter überreichen, auf den er miteigener Hand wie einen ungeheueren Kometen ein einziges Zeichen gemalt hatte, Cheu, d. h.langes Leben. Als Antwort musste v. Ferriere-Le-Vayer, einer der geistreichsten Diplomatenund erster Gesandtschaftssecretür, gleichfalls schreiben. Als die kaiserlichen Commissäre demKönig von Frankreich Geschenke schickten, war das werthvollste darunter eine vollständigeSammlung Facsimiles von den Haudschriften sämmtlicher Kaiser seit der Dynastie Han. (Nachdem Journal des debats in den Bl. f. Ht. Unterhalt. 1849. Nr. 199 S. 795 f.)
1. Vgl. zu diesem Abschnitt P.-Jni. Fontaine, Manuel de l’amateur d’autographes. —Peignot, Recherches sur les autographes. — Klemm, zur Geschichte der Sammlungen S. 291.— Meyer’s Conversations-Lexicon 4. Bd. 2. Abth. S. 939.