II.
Natur der Autograplien. Autograplieufälscliuiigen.
Das Wort Autograph kommt von dem griechischen uvxbg, selbst,und yQutj-W, ich schreibe, heisst also Urschrift oder Handschrift, dieder Verfasser selbst geschrieben hat 1 . Die Autographen sind beson-ders in neuerer Zeit zu einem Gegenstände des Sammelns, mithin auchdes literarischen Handels- und Auctionsverkehrs geworden. Es ist da-her von ganz besonderer Wichtigkeit, die Authenticität einer Hand-schrift festzustellen. Bestimmte Regeln für diese Operation zu geben,ist unmöglich; ich beschränke mich auf einige allgemeine Andeu-tungen 2 .
W T enn man sich der Authenticität einer Handschrift versichernwill, so bedarf es einer unzweifelhaften Vergleichungsschrift oder einesgenau ausgeführten Facsimile 3 . Man wird hiernach sorgfältig die Artder Schrift, ihre Stellungen und Verzierungen untersuchen und mitwenig Mühe sicher zu einem unzweifelhaften Resultate gelangen, obsie falsch oder aus der eigenen Hand der Person geflossen ist, welcherman sie zuschreibt. Kein Schreiber, so geübt er auch sein mag, dürfte
1. Das Wort Autograph kam erst im Anfänge des 18. Jahrhuuderts in Gebrauch. Jarnetschrieb 1733 in Bezug auf ein Bruchstück eines von dem Kegenten Philipp von Orleans eigen-händig geschriebenen Briefs, welches sich unter alten Papieren gefunden hatte: .„Ich erinneremich, dass mir Lancelot für diese Curiosität einen dicken Sanehez mit Noten von ihm selbstapbot. Lancelot besass schon eine Anzahl Briefe von berühmten Personen, unter anderen einLiebesbriefchen von Ninon de Lenclos an den Marquis de la Chatre und einen Brief von Vincentde Paul. Solche Manie hatte Laucelot für Autographen.“
2. Die Jesuiten Gerraon und Constant, ira Streite mit den Benedictinern Mubillon undKuinart über die Aechtheit gewisser Urkunden, verfochten ihre Meiuung in drei starken Biiudenund ihre Gegner widerlegten sie in etwa eben so vielen! Vgl. v. Badowitz, Schrifteu I. S. 422.
3. Siehe folgenden Abschnitt.