24 II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen.
Auch die Art, Briefe zu falten, ist nicht zu übersehen * 1 .
Ferner sind die zahlreichen Schwankungen der Grösse des Papiersbeachtenswerth. Die Höflichkeit verlangte z. B. ehemals, dass man aneinen Höherstehenden auf ein Blatt in Folio schrieb; man beschrieb nurdas erste Blatt und liess einen grossen Zwischenraum zwischen der An-rede, ebenso zwischen den letzten Zeilen des Briefs und der Unter-schrift. Man findet auch Briefe auf ein fliegendes Blatt geschrieben;ein zweites dient der Adresse zum Kaum. Brief-Couverts kamen erstseit dem Anfänge dieses Jahrhunderts in Gebrauch.
Endlich ist noch die Farbe der Dinte ein wichtiges Hiilfsmittel,um die Authenticität eines Autographs zu ermitteln.
Der Minister der Justiz hat an die Akademie der Wissenschaftenzu Paris die Frage gerichtet, durch welche Mittel die Verfäl-schung der Staats- und Privaturkunden am sichersten zuverhüten sein möchte; ferner, oh es nicht möglich sei, dem Un-fug zu steuern, dass Privatpersonen altes beschriebenes Stempelpapieraufkaufen, die Schrift wegbleiehen, das Papier wohlfeiler als neues
zuerst in einer Urkunde ein Majestatsäiegel genannt haben. Später als die Wachs* und Blei-siegel kamen die Siegel von Mehlkleister, Brodteig und Oblate auf. Selbst Könige sollen vorErfindung des Siegellacks ihre Briefe mit Kleister versiegelt haben. Eigentliche Urkunden wur-den nie mit Oblaten gesiegelt. Einige erzählen auch von einem Siegelkitt, den sie Maltha nen-nen und der aus harzigen Bestandtheilen verfertigt wurde. Ist diese Angabe richtig, so mussmau diese Maltha für das erste Siegellack, weil dasselbe gleichfalls ans harzigen Theilen besteht,halten. Unser jetziges Siegellack wurde etwa um das Jahr 1550 erfunden. Aufangs hiess esspanisches Wachs, vielleicht wegen seiner Neuheit, denn Alles, was Jemandem fremd oder seltenvorkam, nannte man sonst spanisch; vielleicht führte es aber auch diesen Namen deswegen, weilsich der erste Gebrauch des Siegellacks aus den spanischen Niederlanden herschrieb. Der NameSiegellack scheint erst aufgekommen zu sein, als man das Gummilack statt des gemeinen Harzeszu nehmen anfing. Das Siegellack verdrängte indessen nicht gleich den Gebrauch des gemeinenSiegelwachses, weil letzteres wohlfeiler war und privilegirte Personen und Landesherren das ge-meine Siegelwachs vorzugsweise brauchten. Die älteste mit Siegellack gesiegelte Urkunde, einenaus London vom 16. September 1553 datirten Brief von Gerhart Herman au den RliemgrafeuPhilipp Franz von. Dhaun, hat man in dem rheingräflich dhaunschen Archive in Merxheim ge-funden. Die älteste gedruckte Anweisung, Siegellack zu machen, findet sich in dem 1579 inIngolstadt erschienenen ,,New Titularbuch sambt etlichen hiuzugethanen Geheimnissen uud Küu-sten, das Lesen uud die Schreiberey betreffende, durcli Samuelen Zimmermann, Bürger zuAugsburg“. Vgl. G. Chr. B. Busch, Handb. d. Erfindungen. Eisenach 1821. 8. Bd. 11. S.386ff.
1. Bis zur Mitte der Regierung Ludwig’s XV. faltete man die Schreiben der Länge nachsechs - bis achtmal, um eine Art Band zu bilden, das sich hernach doppelt entfaltete und des-sen äussere Seiten mit einem Seidenfadeu umwunden waren, welchen ein Siegel von spanischemWachs an beiden Seiten befestigte. Die Adresse kam auf eiue der beiden Seiten zur Rechtenoder Linken des Siegels. Man öffnete das Schreiben, indem man die Seide zerschnitt. DiesVerfahren, ein Schreiben zu falten und zu schliessen , wurde noch vor der Revolution von 1789in der Covrespondenz der französischen Könige und königlichen Prinzen angewandt, wenn siean auswärtige Souveräne schrieben. Eine Probe davon kann man aus den Memoires de LouisXIV. Paris 1806. 6 Vols. in s. T. I. No. 1 u. 2 über Facsimile, wo Siegel, Seide, Adresse undFaltung des Schreibens abgebildet sind, kennen lernen.