II. Natur der Autographen. Autographcnialschungcn. 25
Stempelpapier verkaufen und so den Schatz um einen Theil seines Ein-kommens betrugen. Es wurde zur Auflösung dieser Frage eine Kom-mission niedergesetzt, und in einigen der letzten Sitzungen der Aka-demie der Wissenschaften hat der Chemiker Darcet über die Arbeitderselben Bericht erstattet. Wir theilen die Resultate, als allgemeininteressant, der Hauptsache nach mit.
Es springt in die Augen, dass der gewünschte Zweck entwederdadurch erreicht wird, dass man sich auf gemeinem Papier einerDinte bedient, welche durch nichts zu vertilgen ist, oder aber, dassman mit gemeiner Dinte auf ein Papier schreibt, das so zubereitet ist,dass man mit der Schrift nichts vornehmen kann, ohne dass Spurender Fälschungsversuche Zurückbleiben. Der Berichterstatter entwirftzuerst eine Geschichte der früheren Mittel gegen Verfälschung.
Die Alten bedienten sich einer weit dauerhafteren Dinte, als unseregegenwärtige; sie bereiteten sie, wie wir aus Plinius, Vitruv undDioscorides wissen, aus Lampenruss, oder sehr feiner Kohle, undeiner Auflösung von Gummi. Trug man diese Dinte auf Substanzenauf, die porös genug waren, dass sie eindringen konnte, so liess siesich nicht mehr vertilgen, und man konnte sie nicht ausschaben, ohnedass man es merkte. Diese antike Dinte hatte aber den Uebelstand,dass sie zu wenig flüssig war; aus minder porösem Papier liess siesich waschen und kratzen, und gewährte also nicht mehr hinlänglicheSicherheit. Dadurch kam man ohne Zweifel auf die Dinte aus Gall-äpfeln und Eisenvitriol, die besser eindringt als die alte, und mit derleichter zu schreiben ist. Blagden behauptet, gestützt auf die Unter-suchung mehrerer Handschriften aus dem 11. Jahrhundert, diese Dintesei schon damals im Gebrauch gewesen; deshalb wurde aber wohl jenealte Dinte nicht sogleich aufgegeben; denn wenn einerseits das Be-dürfniss, die Handschriften möglichst zu vervielfältigen, und dieErfindung der Papiermacherkunst die Einführung der neuen Dintebegünstigten, so mussten anderseits die Abschreiber wegen des hohenPreises der Manuscripte sehr auf dauerhafte Dinte sehen; so kam es,dass sie häufig alte Dinte mit neuer mischten, denn dieses Gemischwar dauerhafter als letztere und flüssiger als erstere. Als aber mit Er-findung der Buchdruckerkunst die Kunst des Abschreibens ihre Wich-tigkeit ganz verlor, kam es nur zu bald dahin, dass man bei der Dinteweit mehr darnach fragte, ob sie leicht flüssig, recht schwarz undglänzend, als oh sie unvertilgbar sei, und somit gab man die alte Dinte