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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
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26 II. Natur der Autographen. Autographenfälschungen.

bald ganz auf. Der Uebelstand, den eine Dinte bat, in der keine Kohleenthalten ist und nur die Kohle macht sie unvertilgbar fiel in-dessen zu einer Zeit, wo die chemischen Reagentien so gut als un-bekannt waren, fast ganz weg; aber seit dem letzten Viertheil des 18.Jahrhunderts ist es ganz anders. Die Entdeckung des Chlors, welchesso viele feuchte organische Stoffe so schnell und so durchgreifend um-ändert; die Anwendung dieses Stoffes zum Bleichen von Leinwand,von alten Büchern, alten Kupferstichen, Lumpen u. s. w.; die Ver-breitung chemischer Mittel und Kunstgriffe in allen Klassen der Ge-sellschaft ; die unendliche Vervielfältigung der Urkunden in Folge derAusbreitung der Industriealle diese Umstände wirkten zur Ausbildungund Vervollkommnung derSchriftfälschungskunst zusammen. So kommtes, dass Verbrecher, die ihre verderbliche Kunst vollkommen innehaben, sich, wenn sie auch vor Gericht gestellt werden, mit leichterMühe der Strenge der Gesetze entziehen. Wie angeführt, bediente mansich seit dem 11. Jahrhundert der gemeinen Dinte ohne Lampenrussoder sehr zertheilte Kohle; in Caneparius' Abhandlung über Verferti-gung der Dinte aller Art vom Jahre 1660 findet sich indessen keineSpur, dass man zu seiner Zeit das Bedürfniss gefühlt hätte, die Dintedauerhafter zu machen; erst in Lewis sehr interessantem Werke überdenselben Gegenstand vom Jahre 1764 wird diese Frage bestimmt undernstlich aufgeworfen.

Der Berichterstatter geht nun alle neuen Schriftsteller durch,welche sich mit dieser Frage beschäftigten, und bemerkt als Resultat,dass alle Bemühungen der Kunst bisher dem Publicum so gut als keineFrüchte getragen haben; denn die vorgeblich als unvertilgbar ange-priesenen und zum Verkauf ausgesetzten Dinten vermochten entwederden Reagentien, wenn sie mit Sachkenntniss combinirt wurden, nichtzu widerstehen, oder sie waren zu dickflüssig, liessen bald einen be-deutenden Bodensatz fallen, ihre Farbe war unangenehm, sie machtendie Federn weich, griffen das Papier an oder standen sogar mit derZeit ganz um. Bis zum Jahr 1826 war somit dieser Theil der Fragenoch nicht aufgelöst; sehen wir nun, in wie weit bis dahin die beson-dere Zubereitung des Papiers die Verfälschung der Urkundenzu verhindern vermochte. Sonst wurde bekanntlich der Inhalt einerUrkunde einfach durc 1 1 Namensunterschrift der contrahirenden Par-teien und Beidrückung ihrer Siegel und Wappen verbürgt; späterkamen zu diesem Zwecke auf; die doppelten Ausfertigungen, die