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Handbuch für Autographensammler / bearbeitet von Dr. Joh. Günther und Otto Aug. Schulz ; mit Holzschnitten und einer colorierten Tabelle
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36 II. Natur der Autograplien. Autographenfälschungen.

doch im Ganzen nur unvollkommen gelungenen Nachbildung gibt dasGutachten an:

1. gewisse, regelmässig wiederkehrende, von der SchillerschenSchreibweise entschieden abweichende Züge, so namentlich dieeigenthümliche Form der g, G, h, H, z, Z, deren unterer Bogen alle-mal zuerst mehr nach rechts, dann erst, ungefähr in der Mitte, miteiner gewissen gezwungenen Beugung, nach links hinübergewendeterscheint, ferner das St, welches Schiller jedesmal in einem Zuge ge-schrieben hat, während es hier abgesetzt ist u. s. w.

2. Die ängstlich gleichförmige Beibehaltung derselben Form beigewissen Buchstaben, bei denen Schiller mit verschiedenen Formenzu wechseln pflegte, so besonders bei dem p und dem T.

3. Die Schreibart. Schiller schrieb die Fremdwörter mit latei-nischer Schrift, hier sind sie mit deutscher geschrieben (einmal sogardas ganz französische Isle de Bourbon); dagegen pflegte Schiller seinenNamen mit deutschen Buchstaben, oft auch nur mit einem S. zu unter-zeichnen hier findet sich: Schiller.

4. Mancherlei Verstösse gegen die damals schon geltende Recht-schreibung, einmal auch gegen die Chronologie.

5. Die Beschaffenheit des Papiers 2 halbe Bogen zu einemverbunden; Blätter aus einem Hefte gerissen ; andere mit herausge-schnittenem Wasserzeichen; verschiedenartige Färbung und Befleckungdes Papiers, um ihm das Ansehen höheren Alters zu geben, wobeiaber das eine Mal die Kehrseite, das andere Mal der Schnitt weissgeblieben ist.

6. Die Beschaffenheit der Tinte, welche bald vollkommen ver-blichen, bald ganz rothbraun, bald 100 Jahre alt, bald aus neuesterZeit herstammend erscheint, Ungleichartigkeiten, die bei den ächtenHandschriften nicht Vorkommen.

Ein zweites Gutachten, von dem Gymn.-Prof. Dr. Kunze, Hof-apotheker Bergrath Dr. Hoffmann und Sekr. Schuchardt, Custos derGrossh. Kupferstichsammlung, verbreitet sich ebenfalls über Papierund Schiift, insofern sich das Alter beider aus Grundsätzen der Che-mie odei langjährigen, aus der Betrachtung alter und neuer Werkeder nachbildenden Kunst gewonnenen Erfahrungen bestimmen lässt.Dieses zweite Gutachten unterstützt und vervollständigt die Angabendes ersten durch folgende weitere Anführungen: